23.03.2013 09:00 lotet mit der Technik der Fotogramme die Grenzen des Machbaren aus

Ausstellung in Berlin: Gerda Schütte - Photogrammes - bis zum 13.4.2013 in Semjon Contemporary

ausstellung  in Berlin Gerda Schütte -  Photogrammes - Semjon Contemporary bis zum 13.4.2013 in Semjon Contemporary

(c) Gerda Schütte

Von: GFDK - Semjon Contemporary

Betrachter der Kunstwerke der Deutsch-Französin Gerda Schütte sind immer wieder verblüfft: Auf den ersten, oft auch auf den zweiten Blick, erkennen sie nicht, dass es sich bei den ausgestellten Werken um Fotogramme handelt. Sie identifizieren diese meist als Zeichnungen.

Die grundsätzlich reduzierten Formen, an denen die Künstlerin interessiert ist, vor allem in den Arbeiten der Gruppe der Spheres mit ihren sensiblen und graduell differenzierten Grautönen der Kreislinien, lassen die Fotogramme als zeichnungsnah erscheinen.

Das kommt nicht von ungefähr: Gerda Schütte lotet mit der Technik der Fotogramme die Grenzen des Machbaren aus. Oft ist die Machbarkeit für die Betrachter ohnehin ein großes Rätsel, weil viele durch die rasante Entwicklung der digitalen Fotografie von dieser sehr alten und direkten Technik der Lichtbildnerei nichts mehr wissen. Zum anderen deshalb, weil Gerda Schütte die Uneindeutigkeit in ihren Sujets zum Thema erhoben hat. Der fotografische Akt des Überführens eines Objektes in eine entfremdete Form lässt aus dem ursprünglichen Objekt ein abstraktes Zeichen entstehen. Und dieses abstrakte Zeichen ist es, was so unterschiedliche Reaktionen auslöst und uns wegführt von dem Medium der Fotografie, weil wir es nicht mehr als eine solche zu definieren wissen.

Auch wenn Fox Talbot bereits zu Beginn der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts bei Fotogrammen von photogenic drawings spricht, so war es doch seine Absicht, das Objekt möglichst realistisch mit Hilfe des Lichtes und lichtempfindlichen Papiers abzubilden. Auch Anna Atkins, die die erste Publikation von Fotogrammen schlechthin bereits 1843 herausgab, war bestrebt, uns in ihrem Werk British Algae, Cyanotype impressions die plastische Realität der Algen so präzise und gleichzeitig lebendig wie möglich zu vermitteln.

Gerda Schüttes Interesse ist dieser (künstlerische) Ansatz fremd, man kann sogar sagen suspekt. Sie erschafft sich eine andere Welt, in die hinein zu tauchen dem Betrachter eine große Offenheit und Neugier abverlangt wird. Die Lichtzeichnerin Gerda Schütte möchte das Geheimnis des Lichts ergründen und setzt es als Verbündeten ein, um das uns alltäglich banal Erscheinende in ein umgedeutetes abstraktes Zeichen zu transzendieren.

Schon in ihren frühen analogen Fotografien der 90er Jahre (vgl. Portfolio auf der Galerie-Homepage) ist diese Tendenz hin zu einem abstrakten Zeichen sichtbar. Gerda Schüttes Interesse an der Fotografie ist das Eruieren des Machbaren, das Verlassen des Terrains der klassischen Fotografie als die wie auch immer geartete Abbildung des sichtbaren Objektes. Man könnte auch sagen, dass die Künstlerin versucht, das Abbilden als das Wesen des fotografischen Prozesses tendenziell zu negieren und stattdessen den fotografischen Prozess selbst als Erkenntnisgewinn für das Fotografische zu formulieren. Die Resultate sind von einer strengen und reduzierten Schönheit, die doch die Zwischentöne des Lebens in sich tragen.

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