02.06.2013 09:00 Installation, Objekte und Fotografie

Ausstellung in Berlin: Benutzte Dinge des Alltags wie Fahrradschläuche und Seifen sind das Werkmaterial der Berliner Künstlerin Renate Hampke

Ihre Werke werden zum Material für die künstlerische Fotografie

Benutzte Dinge des Alltags wie Fahrradschläuche und Seifen sind das Werkmaterial der Berliner Künstlerin Renate Hampke; (c) Renate Hampke

Von: GFDK - Semjon Contemporary

Benutzte Dinge des Alltags wie Fahrradschläuche und Seifen, aber auch Trouvaillen von der Straße sind das Werkmaterial der Berliner Künstlerin Renate Hampke.

Ihre eigenwilligen Kompositionen aus diesen Materialien flößen ihnen ein neues Leben ein, lassen aus dem benutzten, abgelegten und scheinbar wertlosen Ding den ursprünglichen Charakter zu einem Neuen transformieren. Die Verknüpfung und damit Neuordnung mit einem anderen Werkmaterial führt zu ungewohnten dreidimensionalen Bildwerken, die in sich den Geist der Arte Povera, des Fluxus und auch des Surrealismus tragen, aber in unserer Zeit begründet sind.

Der Fahrradschlauch wird durch Verknoten, Verschlingung und durch Addition mit weiteren Schläuchen zu einem Gebilde, das zwar das ursprüngliche Merkmal oder Wesen (Fahrradschlauch) nicht negiert bzw. aufhebt, aber durch die neue Setzung ein oder mehrere neue Bild- und Bedeutungsebenen erzeugt. So erhält z. B. das aus Schläuchen, einem Reifen und einem hölzernen Tischfuß zusammengesetzte Objekt Durchschlaucht einen humorvollen und hintersinnigen (Bild-)Hinweis auf eine Büstenskulptur vergangener Zeiten.

Ausstellung in Berlin

Dieses Objekt sowie auch andere Schlauchgebilde wirken wie dreidimensionale, mit kräftiger Umrisslinie gefertigte Zeichnungen. Renate Hampkes Addition von Kabelbindern und einem Fahrradschutzblech samt Gepäckträger transformiert das hier gefundene und genutzte Material zu einer Maske, die an afrikanische Stammeskunst erinnert und folgerichtig den Titel Afrikana trägt.
Die Wandobjekte aus Schläuchen unter Einsatz von sparsamen, aber wohlponderierten Kabelbindern und Seifenstücken formulieren ein Bildwerk, das bisher so nie gesehen war und das für das unkonventionelle Erdenken und Erschaffen von Bildwelten steht.

Die Materialität mit ihrer starken haptischen Erscheinung (hautähnlich wie bei den Gummischläuchen oder auch weich und gleichzeitig spröde, wie dies die abgewaschenen Seifenreststücke vermitteln) sowie die eigene olfaktorische Präsenz lassen die Kunstwerke wie störrische Fremdkörper in unserer glatten und durchorganisierten Welt erscheinen und zeugen von einer anarchischen Freiheit im Umgang mit der Welt, zumindest mit der Kunstwelt.

Bildende Kunst

Die Reaktionen auf die Kunstwerke von Renate Hampke sind widersprüchlich: Es gibt eine Gruppe von Betrachtern, die ihre Ablehnung kundtut mit dem Verweis auf eine zu große Verspieltheit oder des für sie genuin femininen Charakters durch eine (ebenfalls für sie) metaphorisch erotische Aufladung ihrer Werke, oder aber auch die Gruppe von Freunden ihrer Bildwerke, wie es bei mir der Fall ist, und auch insbesondere bei Künstlerkollegen, die ihr Erstaunen über die Frische und Ungezwungenheit ausdrückt, wie die Künstlerin Materialien zusammenstellt und autonome Bildwelten erschafft.

Freunde der Kunst

In dieser Ausstellung wird die Künstlerin ihren eigenen Fundus an Kunstwerken einer weiteren künstlerischen Verwandlung aussetzen: Ihre Werke werden zum Material für die künstlerische Fotografie, die das Aufzeigen der Schönheit ihrer Bilderwelt zweidimensional übersetzt und gleichzeitig weitere Abstraktionsebenen hinzufügt. Vor etwa zehn Jahren hatte sie andeutungsweise schon einmal diesen Ansatz verfolgt, der jetzt als autonome Werkgruppe endgültig Einzug in ihr Œuvre hält.

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