05.02.2013 07:00 Eröffnung Samstag, 9. Februar, 15 - 20 Uhr

Ausstellung in Berlin: ASSAF GRUBER - Every Corner of the Soul bis zum 30.3.2013 in der Galerie Michael Janssen

Ausstellung  in Berlin: ASSAF GRUBER - Every Corner of the Soul bis zum 30.3.2013 in der Galerie Michael Janssen

(c) Assaf Gruber, First Kiss, 2013, 23 x 28 x 18 cm, Epoxidharz und Polyurethane, Courtesy Galerie Michael Janssen, Berlin

Von: GFDK - Galerie Michael Janssen

Die Galerie Michael Janssen freut sich, am 9. Februar in ihren neuen Räumen in der Potsdamer Str. 63 die Ausstellung Every Corner of the Soul von Assaf Gruber zu präsentieren.

Der 1980 in Jerusalem geborene Assaf Gruber reflektiert in seinen Arbeiten darüber, wie und warum sich in unterschiedlichen kulturellen Kontexten eine skulpturale Sprache entwickelt. Seine räumlichen Arrangements sind Ausdruck des Bestrebens, die Grenzen des Mediums Skulptur zu überwinden.

Integraler Bestandteil seiner künstlerischen Praxis ist die Einbeziehung vorgefundenen Filmmaterials. Für seine Studies in Sculpture filtert er aus Filmen Sequenzen heraus, in denen die jeweiligen Protagonisten in gewisser Hinsicht 'skulpturale Gesten' vollziehen. Gruber erweitert dadurch den Begriff der klassischen künstlerischen 'Studie' und reflektiert gleichzeitig über die Initiation und den Entstehungsprozess von Skulptur.

An der Grenze zwischen Subjektivität und Allgemeingültigkeit, verbinden seine räumlichen Anordnungen eine Vielzahl formaler Mittel (Installation, Skulptur und Film) um sie gleichzeitig zu dekonstruieren.
Mit ihrem metaphorischen und allegorischen Stil sind sie ebenso gestisch wie performativ. Meisterhaft inszeniert, gleichen sie gedanklichen Landschaften, die sowohl Instabilität als auch Gleichgewicht reflektieren und dabei den Blick immer auch auf das Private richten.

Die titelgebende und zentrale Arbeit - Every Corner of the Soul - bezieht sich auf ein Zitat aus der Vorlesung The Culture of the Self des französischen Philosophen Michel Foucault (1983, UC Berkeley). Darin beleuchtet Foucault die konzeptionelle Entwicklung der individuellen Subjektivität in der westlichen Kultur.
Eine sich wiederholende Videosequenz eines nackten, auf und ab springenden Fußes in Grossaufnahme - der des Künstlers in seinem Studio - wird auf eine an die Wand gemalte Tafel projiziert. Von der Tafel wurden offensichtlich alle Anmerkungen und Notizen abgewischt. Auf dem Boden steht eine Tasche mit einem wie vergessen wirkenden Handtuch. Die Projektion des springenden Fußes verweist auf die Bedeutung des Körpers und markiert den 'Raum' zwischen Tafel (Verstand) und Tasche (Unterbewusstsein). Im Hintergrund ist eine Passage aus der genannten Vorlesung zu hören, die im endlosen Loop immer wieder mit den Worten 'every corner of the soul' endet.

Die Arbeit Evasive Action besteht aus einem wie zufällig und spielerisch zur Seite gekippten 'Sony Home Cinema'-Monitor (Bj. 1992), auf dem ein Ausschnitt aus dem Film Der Schwimmer (1968, Regie Frank Perry) zu sehen ist. Burt Lancaster - in der Rolle eines verführerisch gutaussehenden Mannes mittleren Alters in Badehose - klettert wie Sisyphus wieder und wieder einen Felsen hinauf. Der Kletterer scheint ebenso gegen das Altern anzukämpfen wie der monströs große und veraltete Home Movie Beamer. Die optische und perspektivische Verwirrung, die das 'umgekippte' Bild verursacht, wirft wiederum Fragen über die Beweggründe menschlichen und damit auch künstlerischen Entscheidens und Handelns auf.

Die zugrundeliegende Idee der Ausstellung konstituiert sich aus dem Versuch des Künstlers, 'warmen Stellen' in den 'Winkeln der Seele' nachzuspüren - Erinnerungen an Aufgeregtheit, an Ängste und Freuden, ein Lachen. Ein Versuch, aus einem langsam aber stetig dahinschwindenden kollektiven Gedächtnis heraus, eine Form von (allgemeingültiger) Subjektivität zu erschaffen.

Gruber scheint seine Arbeiten häufig als Reflektionen über die Nichtfunktionalität skulpturaler Objekte anzulegen. Ebenso sind seine Werke als Reaktion auf die Informationsüberflutung und das machtvolle Verlangen nach unbedingter Produktivität moderner Gesellschaften lesbar, indem sie sich der Lesbarkeit ganz einfach entziehen. Fragmente und Gesten, die Zwischenräume und undenkbare Ecken mehr umkreisen als festschreiben. Gleichermaßen subjektiv und vertraut wie auch universell gültig; subjektive Fragen mit kollektivem Fragezeichen, die auf spezifische Ereignisse anspielen, es aber nicht zwangsläufig erforderlich machen, dass das Ereignis dem Kunstwerk selbst aufgebürdet wird.

Kontakt

Galerie Michael Janssen
Potsdamer Str. 63 (neue Adresse)
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T. +49 30 259 272 50
F. +49 30 259 272 518

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