27.12.2013 07:00 LA 8 Museum

Ausstellung in Baden-Baden: Kindheit. Eine Erfindung des 19. Jahrhunderts

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Aus den Gemälden schauen die Kinder neugierig oder etwas verzagt; Bild 1: Stadtmuseum Baden-Baden

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Bild 2: Hamburger Kunsthalle

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Bild 3: Stadtmuseum Baden-Baden

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Bild 4: Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte, Oldenburg

Von: GFDK - Musuem LA8

Kinder gab es nicht schon immer, jedenfalls nicht solche oder ähnliche wie heute. Lange galten 9- oder 11-Jährige als zu kleine Erwachsene, nicht als Individuen in einer eigenen, besonderen Lebensphase. In der Malerei der Romantik und des Biedermeier begegnen wir neuen Menschen: Mädchen und Jungen, deren Gesichtszüge schon bestimmte Charakteranlagen andeuten und die als eigene Personen bildwürdig sind.

Ausstellung in Baden-Baden

Vorher hatten kindliche Körper in der Malerei als Engelchen, antikische Luftgeister oder überindividuelle Verkörperung des Jesuskindes als Dekoration oder Symbolträger gedient. Von den vielen Kinderbildnissen, die ab dem frühen 19. Jahrhundert entstehen, zeigt das Museum LA8 eine große Auswahl aus den Beständen des Stadtmuseum Baden-Baden.

Freunde der Kunst

Aus den Gemälden schauen die Kinder neugierig oder etwas verzagt, munter oder versonnen hinaus in eine sich rapide verändernde Welt, deren eine große Neuheit sie selbst sind: Kinder, die sich entwickeln, lernen, die in emotionaler Beziehung zu ihren Eltern stehen, von denen sie Schutz und Geborgenheit erwarten können. Die Kinderporträts spiegeln die veränderte Wertschätzung der Eltern für ihren Nachwuchs und damit eine neue Kultur der sozialen Nähe.

Denn auch das zeigen die Bilder: Die Familie, wie wir sie heute kennen, bildet sich erst im frühen 19. Jahrhundert aus. Zusätzlich revolutioniert wird die damalige Gesellschaft durch die Schule. Wenn auch die gesetzlich vorgesehene Schulpflicht nicht sofort alle Kinder in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen erreichte und wenn auch industrielle und landwirtschaftliche Kinderarbeit den Schulbesuch noch lange behinderte, prägt das 19. Jahrhundert mit seiner letztlich konsequenten Verknüpfung von Kindheit und Schule uns bis heute.

KINDHEIT. Eine Erfindung des 19. Jahrhunderts

Für kaum ein anderes Lebensalter hatte das 19. Jahrhundert solch gravierende Folgen wie für diejenigen, die wir heute Kinder nennen. Sie wurden damals sozusagen erfunden. Neben der Erschließung technischer Energiequellen brachte das 19. Jahrhundert die Entdeckung einer mächtigen, gesellschaftlichen Ressource: Kindheit als Zukunft, als dauernde Erneuerung der modernen Gesellschaft aus sich selbst heraus. Die Ausstellung ist bis zum 9. März 2014 zu sehen.

kpavicevic@museum.la8.de