07.06.2013 09:00 bis zum 1.9.2013

Ausstellung in Aachen: Terrains d'une Collection - beleuchtet erstmals die Wege und Sammlungsstrategien von Peter und Irene Ludwig

Terrains dune Collection - From Beijing to New York aachen

Terrains d'une Collection - beleuchtet erstmals die Wege und Sammlungsstrategien von Peter und Irene Ludwig; (c) Foto: Anne Gold

die Wege und Sammlungsstrategien von Peter und Irene LudwigPop Art, Bad Painting, Appropriation Art, Kunst aus der ehemaligen DDR und UdSSR
Von: GFDK - Ludwig Forum für Internationale Kunst

Die Ausstellung "Terrains d'une Collection - From Beijing to New York" beleuchtet erstmals unter geographischen, politischen und sammlungsgeschichtlichen Gesichtspunkten die Wege und Sammlungsstrategien von Peter und Irene Ludwig. Mit der Sammlungstätigkeit waren bestimmte Reiserouten verbunden, die von Westeuropa und den USA nach Osteuropa und schließlich nach China und Kuba führten.

Für beide Sammler barg die Kunst eine Art überzeitliches und raumübergreifendes Weltgedächtnis und -verständnis, dass heute unter den Vorzeichen der Globalisierung wieder sehr aktuell ist. Die Bandbreite der hier gezeigten Arbeiten reicht von westeuropäischer Kunst seit den 1960er Jahren über Pop Art, Bad Painting, Appropriation Art, Kunst aus der ehemaligen DDR und UdSSR bis hin zur aufbrechenden chinesischen und kubanischen Kunstszene der 1980er und 90er Jahre.

Ihre Wurzel im Familienunternehmen Monheim, das einer der größten Schokoladen- und Süßwarenproduzenten der damaligen Bundesrepublik war, gab den Ludwigs den finanziellen Spielraum, sich als Kunstsammler zu betätigen. Tatsächlich waren beide aber auch ausgewiesene Fachleute auf diesem Gebiet. Als studierte Kunsthistoriker verband sie nicht nur eine Leidenschaft für die Kunst aller Zeiten und Länder, sondern auch professionelles Wissen um die Kunstgeschichte und die Entwicklung der Kunst bis zur Gegenwart.

Ausstellung in Aachen

In den 60er und 70er Jahren hielt sich Peter und oft auch Irene Ludwig aus geschäftlichen Gründen häufig in New York auf. Die Stadt war in der Zwischenzeit zur Kunstmetropole der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgestiegen. Neben London war New York aber auch der wichtigste Börsenplatz für Rohkakao. Über Werke der Pop Art hinaus weitete das Sammlerpaar rasch ihre Ankäufe auf die unterschiedlichen Richtungen der amerikanischen Kunst der Zeit aus. Peter Ludwig avancierte zu einer prominenten Figur in der New Yorker Kunstszene, in der man ihn – nicht ohne Augenzwinkern – "Mr. More" nannte. Zu den frühen Ankäufen, die hier zu sehen sind, zählen Arbeiten von Robert Rauschenberg, Garry Kuehn und Shusaka Arakawa, Gordon Matta-Clark und Christopher Knowles.

Anfang der 70er Jahre unternahm man mehrere Reisen in die damalige DDR. Neben dem Beginn von Geschäftsbeziehungen der Aachener Schokoladenfabrik wurden über den Staatlichen Kunsthandel zahlreiche Kunstwerke erworben. Im Gegenzug war seit 1977 "Westkunst" aus der Sammlung Ludwig als Leihgaben im Alten Museum in Ost-Berlin zu sehen. Werke aus dem sogenannten "Ostblock" (also auch die aus Russland, China und Kuba) konnten oft nur in Gruppen erworben werden und der Staat hatte teilweise Mitspracherecht bei der Auswahl der Arbeiten. Die Ludwigs erwarben Werke aber – wenn möglich – auch von den Künstlern direkt.

Nachdem die Expeditionen in die DDR so erfolgreich verlaufen waren, entwickelte sich bei Peter und Irene Ludwig die Idee, in größerem Umfang Kunst sozialistischer Länder zu sammeln. Durch Kontakte des sowjetischen Botschafters in Bonn, Wladimir Semjonow, besuchte man 1978 erstmals Moskau und Leningrad. Wir zeigen daher hier Werke russischer Malerei der 1970er Jahre, z.B. das als "schlicht" zu bezeichnende Gemälde der "Töchter" von Sarkis Muradjan, die Nonkonformisten Andrei Volkov, Victor Pivovarov und Natalja Nesterowa, aber auch Arbeiten aus den späteren Jahren von Ilja Kabakov, Erik Bulatov, Dimitrij Prigov und Sergej und Vladimir Mironenko, die der "Soz Art" und einer damals dissidenten Szene jüngerer Künstler zugeordnet werden.

Bildende Kunst

Den Ankäufen in der UdSSR folgten seit 1983 Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Dann richtete sich das Sammlerinteresse zusätzlich auf China und Kuba. 1992 wurde europaweit erstmals kubanische Kunst durch die Ludwigs angekauft und im Ludwig Forum präsentiert. 1994 folgte die Präsentation von Werken der Aufsehen erregenden fünften Havanna-Biennale. Die Sammlung Ludwig im Ludwig Forum hat gerade bei der chinesischen und der kubanischen Kunst einen besonderen Schwerpunkt vorzuweisen, der in dieser Ausstellung mit Werken u.a. von Fang Lijun, Yu Youhan, Wang Guang Yi, sowie Toirac, Ponjuán und René Francisco, Esson und Cardenas vorgestellt wird.

In den 1980er Jahren wandelte sich Peter Ludwig mehr und mehr zu einer Medienfigur mit kulturpolitischen Ambitionen und Strahlkraft. Irene Ludwig nahm die Position der nach außen zurückhaltenden aber von genauer Kennerschaft und Kunstverständnis geprägten Sammlerin ein. Beide führten akribisch Buch über alle Ankäufe und Ereignisse um die Sammlung Ludwig. Kunst galt dem Ehepaar in erster Linie als Ausdruck des Zeitgeistes und eines Lebensgefühls. Es ging ihnen darum, in den Museen "Informationslücken" zu schließen und mit Leihgaben und Schenkungen auch völkerverständigend tätig zu werden.

Freunde der Kunst

In diesem Sinne war und ist ihre Politik des Leihens und Schenkens stets mit der Verpflichtung verbunden, dass öffentliche Museen eingerichtet, erweitert oder neu gebaut wurden und die kunstwissenschaftliche Arbeit in den Häusern Unterstützung erfuhr. In vier Jahrzehnten hat das Sammlerpaar eine Sammlung von mehr als 14.000 Werken bildender Kunst aufgebaut, die nach Umfang, Wert und Wirkung zu den größten der Welt zählt. Im Ludwig Forum in Aachen sind rund 3.000 Werke der Sammlung heimisch geworden.

Die Ausstellung "Terrains d’une Collection" macht exemplarisch den Anfang für eine Sammlungsgeschichte, die über das referieren von Schlüsselwerken hinausgeht. Viele Fragen bleiben naturgemäß noch unbeantwortet; beispielsweise über den Zusammenhang bestimmter Interessen als Unternehmer und Sammler. Auch die Beleuchtung der Rolle einzelner Personen des Unternehmens, aber auch von Galeristen, Kuratoren, Diplomaten und Politikern im Hinblick auf die Entstehung der Sammlung, und ihre Auswirkungen auf den Kunstmarkt und die Kunstgeschichte sind Bestandteile unserer Sammlungsforschung.

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