25.02.2015 08:00 Museen Stade

Ausstellung: DAS (VERLORENE) PARADIES - Expressionistische Visionen zwischen Tradition und Moderne

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Die Ausstellung im Kunsthaus Stade zeigt unterschiedliche expressionistisch künstlerische Ansätze, die sich innerhalb der avantgardistischen Strömungen individuell entwickelten; Bild 1: © Foto P. J. Kiby-Menzer

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Bild 2: © Pechstein Hamburg/Tökendorf 2015

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Bild 3: LVR-LandesMuseum Bonn © Foto Jürgen Vogel

Von: GFDK - Museen Stade

Die Suche nach dem Paradies, nach Harmonie und Einklang des Menschen mit seiner Umwelt, bestimmte das Werk vieler Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hier lässt sich ein Schlüssel zum Lebensgefühl der Moderne finden. Das Thema des Paradieses zeugte von einer zukunftsfrohen positiven Erwartung an die ›moderne Welt‹. Mit der Apokalypse des Ersten Weltkrieges wandelte es sich zu einer Sehnsuchts- und Heilslandschaft.

Ausstellung in Museen Stade

Die Ausstellung im Kunsthaus Stade zeigt unterschiedliche expressionistisch künstlerische Ansätze, die sich innerhalb der avantgardistischen Strömungen individuell entwickelten. Herausragende Werke von August Macke, Franz Marc, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und zahlreichen anderen renommierten Künstlern der jungen, sich im Aufbruch befindlichen Generation zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigen sich mit dem Paradies-Thema, was diese Ausstellung erstmals deutlich macht.

Wie kaum ein anderes bot das Sujet die Möglichkeit, Sehnsüchte, Visionen und Utopien von einer idealen Welt darzustellen. Die abendländische Verbildlichung von Adam und Eva begegnet dem Besucher ebenso wie die Verlockung des modernen Paradieses der Großstadt.

Der hemmungslose Fortschrittsgedanke durch Technisierung und Industrialisierung findet in vielen Kunstwerken dieser Zeit ein ›irdisches Paradies‹ in der Utopie von Stadt aber auch seine ›Hölle‹ durch die Entfremdung von der Natur, riesigen sozialen Probleme und Verelendung. Der drohende Verlust der Einheit von Mensch und Natur wird von vielen Künstlern in privaten Idyllen wie in einem modernen Garten Eden beschworen.

Die Brücke-Künstler finden ihre Zufluchtsorte an der Nord- und Ostsee. Motive wie Landschaften und Akte in der Natur wurden zum Ausdrucksträger für subjektive ›Landparadiese‹ der Künstler. Max Pechstein zieht es wie Nolde und Gauguin in ferne, scheinbar unberührte exotische Südseeparadiese.

Die Suche nach dem Paradies endete für viele Maler mit der Realität und der Traumatisierung des Ersten Weltkrieg. Macke fällt schon zu Beginn des Krieges 1914, Marc trifft es 1916 zahlreiche andere bedeutende Künstler kehrten nie zurück. Die Dichterin Else Lasker-Schüler schrieb 1916 in einem Nachruf über Franz Marc: „Der Blaue Reiter ist gefallen, ein Großbiblischer, an dem der Duft Edens hing.“

Ausgangspunkt für die von den Kuratorinnen Judith Graefe und Dr. Beate Marks-Hanßen für das August Macke Haus in Bonn konzipierte Ausstellung ist das 1912 gemeinsam von Franz Marc und August Macke gemalte Wandbild ›Paradies‹ in Mackes Atelier in Bonn. Das heute im Besitz des LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster befindliche Wandgemälde steht stellvertretend für das Leitmotiv in den Werken beider Künstler. Während Macke die künstlerische Rückeroberung paradiesischer Gefilde zuweilen mit Orientalischem bzw. Exotischem verknüpfte,  fand Marc im Wesen der Tiere einen unverdorbenen Urzustand. Zahlreiche Künstler der Zeit variierten das alt hergebrachte Motiv mit modernem Tenor. Da das Paradies über seine biblische Vorlage hinaus individuell empfunden wird und auf die irdische Welt projiziert werden kann, lässt sich gerade in seiner Darstellung der Schlüssel zum Lebensgefühl der Moderne finden.

Die Hölle des Ersten Weltkrieges holte das Thema des Paradiesverlustes in den Vordergrund. In den Motiven der Vertreibung aus dem Paradies und der Apokalypse zeigen sich die herrschende Hoffnungslosigkeit und Angst. Gleichzeitig verstärkte sich der Wunsch nach einer Rückkehr ins Paradies. In der Folge werden realistische und utopische Visionen von einem paradiesischen Zustand geschaffen; sie sind der Spiegel der Hoffnungen des 20. Jahrhunderts

Freunde der Kunst

Neben August Macke und Franz Marc haben sich viele weitere renommierte Künstler mit den Themen des himmlischen und des irdischen Paradieses sowie mit apokalyptischen Visionen beschäftigt. So werden unter anderen auch Ölgemälde, Aquarelle, Stickereien und vielfältige druckgrafische Werke von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Carlo Mense, Wilhelm Morgner, Max Pechstein, Georg Schrimpf, Karl-Schmidt-Rotluff, Richard Seewald, Paul Klee gezeigt.

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