08.03.2014 09:08 experimentelle Ansätze

Abstraktion in der aktuellen polnischen Kunstszene - bis 30. März 2014 in der Galerie allerArt in Bludenz

Ausstellung in der Galerie allerArt

Die Ausstellung in der Galerie allerArt zeigt drei Künstler die sich unterschiedlich mit der Abstraktion und dem Medium des Bildes auseinandersetzen, Gruppenbild (c) alle Bilder Galerie allerArt

Ausstellungswerk von Tomek Baranika

Ausstellungswerk von Tomek Baranika

Ausstellungsansicht Tomek Baranika und Bartosz Kokosinski

Ausstellungsansicht Tomek Baranika und Bartosz Kokosinski

Werk von Monika Smyla

Werk von Monika Smyla

Von: allerArt Bludenz

Abstraktion ist in der aktuellen polnischen Kunstszene keine dominierende Strömung. Das Reale, das seine starke Position mit Hilfe der so genannten kritischen Kunst im Polen der 90er Jahre etablierte, feiert seine Triumphe auch heutzutage und bleibt an der Spitze des lokalen Kunstmarkts sowie in der internationalen Rezeption polnischer Kunst.

Die intensive Auseinandersetzung mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in den 80er und besonders 90er Jahren, wurde durch provozierende, Tabu brechende Inhalte transportiert, und verhalf den Künstlern dieser Generation zu Anerkennung im eigenen Land sowie international. Viele der jüngsten Künstlergeneration bauen auf jene Errungenschaften und knüpfen an die Strategien und Ausdrucksformen ihrer Vorgänger an, aber es zeichnet sich deutlich auch eine andere Tendenz aus, die experimentelle Ansätze in den Vordergrund stellt. Diese werden u.a. durch das Hinterfragen der Gattungsgrenzen und in der weitreichenden Reflexion über den Prozess der Entstehung des Werkes behandelt.

TOMEK BARAN, BARTOSZ KOKOSINSKI, MONIKA SMYLAS

Die Ausstellung zeigt drei Künstler die sich unterschiedlich mit der Abstraktion und dem Medium des Bildes auseinandersetzen. Trotz der Individualität und Einzigartigkeit ihrer künstlerischen Positionen verbindet sie ein merkliches Interesse am Konzept von der Auffassung der Bildoberfläche.

Tomek Baran entwickelt Arbeiten auf der Basis streng geometrischer Formen

Die formale Vollkommenheit, leblose, ruhige und monochrome Oberfläche fungiert aber nur als Täuschung - die reduzierte Ästhetik Barans bändigt die physischen Spuren der Entstehung mit gekonnt ausgewogener Spannung. Leinwände von älteren Werken werden zerknittert, gefaltet, beschwert, mit Farbe oder Lack übergossen und erhalten ein neues Leben. Die Falten und Risse auf der Oberfläche lassen die Vergangenheit da und dort durchblitzen. Baran widmet sich intensiv den essenziellen Elementen der Malerei wie Struktur, Farbe und Komposition, bleibt aber nicht formalen oder technischen Fragen verhaftet, sondern integriert der Entstehung, den Akt des Werdens offensichtlich.

Bartosz Kokosinskis malt Bilder die die Realität verschlingen

Bartosz Kokosinskis Bilder scheinen tatsächlich einen Anspruch auf Freiheit und Eigenleben zu erheben, unabhängig von ihrem Autor. Sie rollen oder bäumen sich auf, die Leinwand quillt aus dem Rahmen heraus als ob diese objekthaften Werke ihre eigene Existenz jenseits vom Willen oder der Idee des Künstlers behaupten möchten. Seine fantastische Serie „Paintings devouring Reality“, Bilder die die Realität verschlingen, schafft durch Biegen der Leinwände und Keilrahmen Hohlräume. Der Künstler stopft darin -  im wahrsten Sinne des Wortes - das Leben: seien es ausrangierte Elektrogeräte, ausgestopfte Tierkörper, Äste, Kleidung oder Pflanzen. Der Fundus ist unerschöpflich, genau wie das Motivrepertoir der Malerei. Wollen aber die Bilder immer noch etwas abbilden? Die Antwort bleibt verhüllt.

Der Ausgangspunkt für Monika Smyłas Bilder ist die menschliche Figur

Diese wird aber von der Künstlerin dahingehend transformiert, dass sie auf den ersten Blick kaum zu erkennen ist. Die menschlichen Spuren werden sogar von der Bildoberfläche selbst getragen in (und nicht mehr auf) der Oberfläche. Die silhouettenhafte Fragmente des Körpers werden durch Ausschneiden aus der Leinwand herausgebildet und fixiert. Besonders wichtig ist hierbei das Licht, das die dreidimensionale Figur mittels Schatten wieder zweidimensional auf die Leinwand zurückwirft. Die Flüchtigkeit dieses Effekts bildet je nach Lichteinfall immer wieder neue Kompositionen, auch die Wand auf der das Bild hängt wird durch das Ausschneiden ein Gestaltungselement im Werk.

 

aller Art Bludenz
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