03.03.2018 07:06 Ein Klima der Verfolgung

Zuviel Medieninteresse oder Zensur - Kunstwerke müssen weg

Installation mit Fotoserie am Stand der Galerie Helga de Alvear, ARCO Madrid 2018

Installation mit Fotoserie am Stand der Galerie Helga de Alvear, ARCO Madrid 2018, © Courtesy by Galería Helga de Alvear

Das Bild von Thomas Baumgaeertel, mit dem Titel Türkischer Diktator, aus der Serie Despoten, das Erdogan mit einer riesigen Banane im Arsch zeigt wurde abgehaengt

Das Bild von Thomas Baumgäertel, mit dem Titel "Türkischer Diktator", aus der Serie Despoten, das Erdogan mit einer riesigen Banane im Arsch zeigt wurde abgehängt. Foto: (c) Thomas Baumgärtel

Von: GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Die Zensur greift um sich, auch schon in Deutschland, und oftmals ist es sogar vorauseilender Gehorsam. Akt-Bilder wurden in Deutschland schon mehrfach abgehängt. Im Zeichen der hysterischen #MeToo-Debatte, wo man hinter jedem Baum sexuelle Übergriffe und Missbrauch vermutet, ist auch die künstlerische Freiheit in Gefahr habe ich zuletzt geschrieben.

Politische Bilder, politische Kunst in Gefahr

Auf der letzten "art karlsruhe" hat der Galerist Michael Oess nach dem Protest von türkischen Journalisten, ohne Absprache mit dem Künstler Thomas Baumgärtel, ein Bild das Teil der „Despotenserie“ abgehängt.

Das Bild mit dem Titel "Türkischer Diktator", das Erdogan mit einer riesigen Banane im Arsch zeigt, hatte für viel Aufsehen gesorgt. Baumgärtel hat auch Donald Trump und Kim Jong Un mit seinen Bananen geschmückt.

Auch Madrid hängt Bilder ab

Die Porträts von 24 politischen Gefangenen im gegenwärtigen Spanien, die inhaftierten katalanischen und baskischen Separatisten und Gewerkschafter des Künstlers Santiago Sierra wurden auf der ARCO Madrid abgehängt.

Die Messeleitung hatte eine abenteuerliche Begründung anzubieten.

Laut der Wiener Zeitung „Der Standard“ teilte die Messegesellschaft Ifema dazu mit, „da sich das Medieninteresse bereits so auf die polemische Foto-Serie fokussierte, dass es die Berichterstattung über die Kunstmesse im Allgemeinen beeinträchtigte“, habe man die Galeristin um Abhängung gebeten.

Ein Klima der Verfolgung

Der Künstler Santiago Sierra warf den Messemachern daraufhin „Zensur“ vor und sprach von einem „Klima der Verfolgung“. Auch die linksgerichtete Stadtregierung von Madrid protestierte gegen diese Zensurmaßnahme; die Madrider Bürgermeisterin Manuela Carmena blieb demonstrativ der Eröffnungsfeier fern.

Joan Tardà, Sprecher der katalanischen Linksrepublikaner, lässt sich hingegen in der „Neuen Zürcher Zeitung“ zitieren, er fühle sich „an türkische Verhältnisse“ erinnert. Kulturstaatssekretär Fernando Benzo behauptete unterdessen, in Spanien gäbe es „keine politischen Gefangenen“. Das umstrittene Werk wurde für knapp 96.000 Euro an einen spanischen Sammler verkauft.

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