24.05.2017 07:00 Pro und Kontra

Zensur im Internet - wo sollen Grenzen gebildet werden?

Zensur im Internet - Pro und Kontra

Internetzensur ist in erster Linie dazu da, vor allem die Jugend und natürlich auch die gesamte Bevölkerung vor Terrorismus und Kriminalität zu schützen. Foto: Pixabay

Von: GFDK - Philipp Egger

Im Prinzip unterscheidet sich die Zensur im Internet nicht besonders groß von den kontrollierten Inhalten der Massenmedien. Allerdings hat das Internet natürlich auch den Vorteil, dass von einigen Ländern verbotene Inhalte, auch über die Grenzen hinaus zu finden sind.

In Deutschland als Beispiel sind spezielle Texte über die NS-Kriegsverbrechen verboten, die amerikanischen Server hingegen haben mit diesen Veröffentlichungen kein Problem, da sie sich nach ihren Rechtsprechungen auf die Meinungsfreiheit berufen. Für rund die Hälfte der deutschen Internetbenutzer dient das Netz als beliebteste Informationsquelle in Hinsicht auf die täglichen Nachrichten weltweit.

Pro und Kontra der Internetzensur

Internetzensur ist in erster Linie dazu da, vor allem die Jugend und natürlich auch die gesamte Bevölkerung vor Terrorismus und Kriminalität zu schützen. Befürworter der Zensur sind der Meinung, dass die Gewaltverherrlichung, Kinderpornografie, rassistische Inhalte und rechtsextreme Artikel auf keinen Fall durch dieses schnelle und weitverbreitete Medium publik gemacht werden sollten. Aber auch andere kriminelle Handlungen wie Internetbetrug, die Verletzung von Urheberrechten und das Versenden von Viren und Spam-Mails sollten laut den Befürwortern unbedingt unterbunden werden.

Sicherlich sind die Argumente der Befürworter der Internetzensur überzeugend. Allerdings haben auch die Gegner der Netz-Sperren Recht, wenn sie ein freies Internet fordern und sich gegen das Ausspähen der persönlichen Daten durch den Staat wehren. Die meisten vorgeschlagenen Internetsperren sind leider nur Sichtblenden, da kriminelle Inhalte ja nicht gelöscht werden, sondern nur durch technische Eingriffe und spezielle Filter verborgen sind. Solche Webseiten sind also bei diesen Maßnahmen nur selten durch Zufall anzutreffen. Wer aber bewusst nach einschlägigem Material sucht, wird trotzdem mit etwas Aufwand fündig, da die Seiten ja noch vorhanden sind. Es ergibt sich daraus eine wichtige Frage, warum die kriminellen Seiten nur versteckt werden und nicht gelöscht.

Warum werden kriminelle Inhalte nur versteckt und nicht einfach entfernt?

Angeblich ist das Entfernen von einschlägigen Webseiten nur mit einem extrem großen Aufwand möglich oder es funktioniert überhaupt nicht. Allerdings ist diese Aussage nicht berechtigt, wie aus mehreren Studien der Universität von Cambridge hervorgeht. Vor allem Seiten mit kinderpornographischen Inhalten bleiben deutlich länger im Internet sichtbar, als Webauftritte mit illegalen Inhalten. Grund dafür ist, dass das BKA auf ausländische Behörden Rücksicht nimmt und die notwendigen Schritte über internationale Organisationen einleitet. Die Seiten im Ausland können also laut unseren Behörden nicht direkt gelöscht werden. Auch bleiben die meisten strafbaren Inhalte nicht lange auf ihren Domains. Bis also die notwendigen Schritte von der Regierung eingeleitet werden, ist die Webseite schon längst auf eine andere Domain gewandert.

Der offizielle Dienstweg zum Löschen der kriminellen Inhalte ist also deutlich wichtiger und vor allem auch mit mehr Aufwand verbunden, als die praktischen Filter und Sichtblenden. Auffallend ist übrigens auch, dass Banken so gut wie überhaupt keine Probleme damit haben, betrügerische Pishing Seiten sofort aus dem Internet entfernen zu lassen, wo es um das Spionieren von Bankkunden geht. Der Aufwand hierzu dauert nur einige Stunden, warum werden dann Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten erst nach einem Monat gelöscht?

Was bringen eigentlich die Internetsperren?

Nachdem die Inhalte auch weiterhin im Netz stehen, bringen die Netzsperren eigentlich überhaupt nicht viel. Die kriminellen Täter werden dadurch nur vorgewarnt und können ihre Inhalte auf anderen Domains veröffentlichen. Auch sind sie in der Lage erst einmal zu überprüfen, ob sie überhaupt auf einer Sperrliste stehen oder nicht. Bis die notwendigen Schritte zur Entfernung eingeleitet sind, haben sie ihre Spuren schon längst verwischt und vielleicht auch noch die gewünschte Aufmerksamkeit ihrer Leser erweitert. Kriminelle können die vorhandenen Sperrsysteme zu ihrem Vorteil benutzen, um frühzeitig gewarnt zu werden.

Ansonsten gibt es natürlich auch viele Interessensgruppen, die mit Internetsperren im Prinzip nur ihre eigenen Ziele verfolgen möchten. Wer Sperren umgehen will, braucht sich nur für unzensierte DNS-Server zu entscheiden. Nicht umsonst werden die bereits vorhandenen Sperren von IT-Experten als völlig wirkungslos eingestuft, da sich auch komplette Laien aufgrund der technischen Schwächen automatisch in alternativen Servern eintragen lassen können. Zensur im Internet bringt eigentlich nur dann den gewünschten Erfolg, wenn auch wirklich effizient gegen die Kriminalität gekämpft wird und nicht nur gegen unerwünschte Inhalte auf den Webseiten.

Gesperrte Inhalte in Deutschland

Die meisten gesperrten Webseiten in Deutschland beziehen sich auf die Urheberrechtsverletzungen und nicht auf kriminelle Seiten. Im Prinzip sind die Online-Inhalte ziemlich frei. Allerdings wurde von Google GEMA-geschützte Musikvideos bei Youtube gesperrt, weshalb die meisten populärsten Videos bis November 2016 für die User auch nicht verfügbar waren. Erst nach der Einigung mit den Lizenzrechten konnte dieses Problem von Google gelöst werden. Übrigens sperrte auch Facebook einige Posts, die sich mit Holocaustleugnungen und mit Rechtsextremismus beschäftigten. Ansonsten gab es in Deutschland natürlich auch etliche Versuche, politisch kritische Webseiten zu entfernen, die aber als deutliche Einschränkung der Pressefreiheit eingestuft wurden. Mittlerweile haben sich aber die meisten Internetbenutzer bereits an die gegebene Internetzensur gewöhnt, da die Gegner als engagierte Aktivisten eingestuft werden, die sich massiv für mehr Transparenz im Internet einsetzen.

Philipp Egger ist ein professioneller Redakteur und ein erfahrener Content Manager bei Essayhilfe. Sie können auch ihn direkt über Facebook erreichen.

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