10.02.2018 07:41 Gabor Steingart überraschend gestürzt?

Verlegermord an Gabor Steingart - Martin Schulz nur ein Vorwand?

Gabor Steingart war den lieben Kollege von der ZEIT, FAZ, Spiegel, Sueddeutscher, der WELT, Tagesspiegel und der taz schon lange ein Dorn im Auge

Gabor Steingart war den lieben Kollege von der ZEIT, FAZ, Spiegel, Süddeutscher, der WELT, Tagesspiegel und der taz schon lange ein Dorn im Auge. Foto: (c) Handelsblatt

Von: GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Anfang des Jahres haben wir noch geschrieben "Der Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart bringt jeden Morgen mit seinem "Morning Briefing" seine Leser zum Nachdenken oder zum Schmunzeln". Das ist nun vorbei und viele seiner Leser werden das bedauern, wir auch.

Gabor Steingart überraschend gestürzt?

Der „Handelsblatt“-Verleger Gabor Steingart stürzt über Martin Schulz, von dem er nie etwas gehalten hat, und daraus hat er auch nie einen Hehl gemacht hat. Ob Schulz der wahre Grund ist darf aber bezweifelt werden, er hat vieleicht nur das Faß zum überlaufen gebracht.

Dieter von Holtzbrinck soll den Stab über Gabor Steingart gebrochen haben berichtete zuerst der "Spiegel" und anschließend "Welt-Online". "Medienmanager Gabor Steingart wird von Verleger Dieter von Holtzbrinck überraschend gestürzt. Steingart soll es mit seiner Kritik an Martin Schulz übertrieben haben."

Was ist da los?

Dieter von Holtzbrinck soll Steingarts Kampagne gegen den SPD-Vorsitzenden Martin Schulz missfallen haben. Erst am Mittwoch hatte Steingart in seinem "Morning Briefing" geschrieben, der "mittlerweile ungeliebte" Schulz wolle "den derzeit beliebtesten SPD-Politiker, Außenminister Sigmar Gabriel, zur Strecke bringen".

Analyse hat ins Schwarze getroffen

In dem Newslettertext, der den Ausschlag für Holtzbrincks Entscheidung gegeben haben soll, schrieb Steingart, Schulz habe den „Mord“ an Gabriel „minutiös geplant“: „Der andere soll stolpern, ohne dass ein Stoß erkennbar ist. Er soll am Boden aufschlagen, scheinbar ohne Fremdeinwirkung. Wenn kein Zucken der Gesichtszüge mehr erkennbar ist, will Schulz den Tod des Freundes aus Goslar erst feststellen und dann beklagen.“

Journalistischer Telepathie

Schon nach der Wahl von Schulz zum Parteivorsitzenden der SPD hatte Gabor Steingart geschrieben:
„Dass viele Medien diesem im Volk weithin unbekannten Mann — der die Zulassung zum Abitur nicht schaffte, wenig später zum Trinker wurde, bevor er als grantelnder Abstinenzler für 22 Jahre im Brüsseler Europaparlament verschwand — plötzlich die Befähigung zur Kanzlerschaft zutrauen, ist nur mit journalistischer Telepathie zu erklären.“

Laut „Spiegel“ soll sich Dieter von Holtzbrinck in einem persönlichen Brief bei Martin Schulz entschuldigt haben.

Ist das noch Pressefreiheit?  

Holtzbrinck hatte sich gestern per Brief bei Schulz entschuldigt. "Das heutige 'Morning Briefing' von Gabor Steingart hat mich schockiert. Inhalt und Stil des Sie betreffenden Textes entsprechen weder meinen publizistischen Qualitäts- und Wertevorstellungen noch denen der Handelsblatt-Redaktion." Er entschuldige sich "vielmals" auch "im Namen des Handelsblatt".

Wir sagen mal so:„Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“ – dieser Satz stammt von Paul Sethe, einem der Gründungsmitherausgeber der FAZ aus dem Jahr 1965.

Auch das ist Herrn Holzbrinck sauer aufgestoßen

Schon 2014 warnte Gabor Steingart in aller Eindringlichkeit vor einem Krieg mit Russland und bekam dafür vor allem von der FAZ harsche Kritik. Gabor Steingart kritisierte auch den Tagesspiegel, FAZ, Süddeutscher Zeitung und SPIEGEL, die sich „auf Schießschartengröße verengt“ hätten, und empfahl seinerseits die Entspannungspolitik von Willy Brandt. Hier noch mal Steingarts Essay „Der Irrweg des Westens

Für den WELT-Herausgeber Thomas Schmid zählte Gabor Steingart zu „Putins kleinen Helfern“ und auch die "taz" kritisierte Steingart für seine „zunehmend Putin-Freundlichen Positionen“ Der Satz sagt alles: "Im Kollegenkreis war in letzter Zeit bereits aufgefallen, dass Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in seinen Kommentaren eine zunehmend Putin-freundliche Position vertritt".

Die lieben Kollegen

Nun ja, die "Kollegen" von der ZEIT, FAZ, Spiegel, Süddeutscher, der WELT, Tagesspiegel und der taz dürften sich über den Abgang von Gabor Steingart besonders freuen.

Zum Schluß die warmen Worte: In der Pressemitteilung zum Weggang Steingarts heißt es:

"Nach sieben Jahren äußerst erfolgreicher und freundschaftlicher Zusammenarbeit haben sich Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck und der Vorsitzende der Handelsblatt-Geschäftsführung, Gabor Steingart, der zugleich auch Herausgeber des Handelsblatts war, auf eine Beendigung ihrer beruflichen Partnerschaft verständigt.

Zwei Gründe sind hierfür entscheidend. 1. Differenzen in wesentlichen gesellschaftsrechtlichen Fragen. Hinzu kam 2. eine - nicht generell, aber im Einzelfall - unterschiedliche Beurteilung journalistischer Standards."

Schockiert und fassungslos

Am Freitag schrieben die Chefredakteure und Geschäftsführer der Verlagsgruppe einen Brief an Verleger Dieter von Holtzbrinck, in dem sie sich "schockiert und fassungslos" zeigen und Kritik am Vorgehen äußern. Der Brief ist unter anderem von Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe, Wirtschaftswoche-Chef Beat Balzli und Wirtschaftswoche-Herausgeberin Miriam Meckel unterzeichnet.

Gottfried Böhmer

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Steingart darf die 700.000 Abonnenten seines "Morning Briefing" für das "Handelsblatt mitnehmen und sie "in eigener Eigentümerschaft als unabhängige journalistische Stimme" mit einem Morgennewsletter beschicken. - derstandard.at/2000073912480/Bestaetigt-Handelsblatt-Herausgeber-Steingart-muss-gehen