18.01.2013 09:51 Das kann doch nicht sein

Theatersterben - Gunther Heinrich ist entsetzt - Er möchte seine Position hier erläutern

Diplom-Geograph Gunther Heinrich

Diplom-Geograph Gunther Heinrich

Von: GFDK - Gunther Heinrich

Mit großem Entsetzen habe ich davon erfahren, dass das Volkstheater Rostock geschlossen werden soll. Ich kann nur hoffen, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen worden ist und die Verantwortlichen in der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns sich noch recht­zeitig ihrer Verantwortung für Stadt und Region bewusst werden. Ich möchte meine Position gerne erläutern.

Nach jahrelanger Theaterabstinenz habe ich während eines Besuchs in Rostock im Herbst letzten Jahres das Volkstheater besucht. Ich hatte die große Freude, in Ihrem Haus den „Barbier von Sevilla" zu sehen. Und diese Aufführung war großartig! Ich habe große Lust auf mehr bekommen und mir dann einige Zeit später auch die „Fledermaus" angeschaut. Auch dies wieder ein grandioser Theaterabend! Ich kann die Hansestadt Rostock nur beglückwün­schen, dass sie dieses Theater in ihren Mauern hat.

Und nun soll das Haus geschlossen werden? Das kann doch nicht sein. Mein berufliches Thema ist die Stadtentwicklung. Auch wenn die märkische Kleinstadt Nauen kaum mit Rostock vergleichbar ist – hier in Nauen haben die Verantwortlichen in den letzten Jahren verstanden, dass eine Stadt ohne kulturel­les Angebot nur eine geringe Chance im interkommunalen Wettbewerb hat. Mitte der 1990er Jahre wurde in Nauen das Museum geschlossen und die Stadtbibliothek einem freien Träger übergeben.

Das Sachgebiet in der Verwaltung wurde aufgelöst. Kultur fand in der Verwal­tung nicht mehr statt. Dies hat zu erheblichem Unmut in der Bevölkerung geführt. In Gesprä­chen mit ansiedlungswilligen Unternehmen wurde deutlich, dass ein kulturelles Mindest­angebot die Standortentscheidung sehr wohl beeinflusst. Und diesen Standortvorteil will die Hansestadt Rostock in einer ohnehin strukturschwachen Region auf's Spiel setzen?

Das ist kurzsichtig und unverständlich! In Nauen wurden die Konsequenzen gezogen und 2009 in der Verwaltung ein Kulturbüro eingerichtet, das in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist und inzwischen eine Vielzahl von Veranstaltungen und Ausstellungen organisiert.

Rostock war in der ehemaligen DDR das Tor zu Welt mit einem gewissen internationalen Flair. Mit Schließung des Volkstheaters würde die Stadt meiner Einschätzung nach endgültig in die Provinzialität absinken.

Ich hoffe sehr, dass das Volkstheater Rostock erhalten bleiben kann und wünsche Ihnen für Ihren Kampf gegen die kulturelle Verödung viel Kraft und Erfolg,

Mit freundlichen Grüßen

Gunther Heinrich

E-Mail: baerbel.schlapmann@rostock.de.
www.volkstheater-rostock.de