20.11.2013 11:27 „Sonntags Tod“ - will ich sehen

„Sonntags Tod“ Carla Berling hat ihren ersten Kriminalroman geschrieben und der Kolumnist Heinrich Schmitz will das im TV sehen

Carla Berling hat ihren ersten  Kriminalroman geschrieben.

Carla Berling hat mit „Sonntags Tod“ ihren ersten Kriminalroman geschrieben (c) Heinrich Schmitz

Heinrich Schmitz ist Strafverteidiger, Kolumnist und ein viel beachteter Autor

Heinrich Schmitz ist Strafverteidiger, Kolumnist und ein viel beachteter Autor des The European das Debatten-Magazin (c) Heinrich Schmitz

Von: GFDK - Heinrich Schmitz Profil bei Google+

Carla Berling, bisher bekannt für autobiografische Romane wie „Vom Kämpfen und vom Schreiben“, „Die Rattenfänger“ oder wechseljahrsgeprägten Humor der „Jesses Maria“-Reihe, hat einen Kriminalroman geschrieben. Einen westfälischen. „Sonntags Tod“ ( http://www.amazon.de/Sonntags-Tod-Carla-Berling-ebook/dp/B00FGUDG5A) .

Als Rheinländer fragt man sich natürlich sofort:“ Ja kann dat dat dann?“ und beginnt vorsichtig mit der Lektüre. Westfalenland ist ja nicht so unbedingt unser Ding. Rehme und Bad Oeynhausen sind reale Orte, deren Unterhaltungswert von uns linksrheinischen ja eher im Bereich einer Rehaklinik für Hüftoperierte eingeordnet werden. Eher finster, unlustig und uninteressant. Kommt wahrscheinlich von den alljährlich im TV zu bewundernden „Karnevalsveranstaltungen“, die weniger Stimmung ins heimische Wohnzimmer transportieren, als jeder durchschnittliche Leichenschmaus im Rheinland.

Spannend wie stimmig

Und dann geht das ganze auch noch mit einer Beerdigung los. Ira Wittekind, eine Journalistin, trifft dort auf ihre Vergangenheit und landet in einer wahren Familiensaga, die ebenso spannend wie stimmig ist.

In der kleinen Stadt Rehme, wo man meint die Welt sei in Ordnung, ja die Zeit sei sogar stehen geblieben hat der Hotelier Richard seine Frau Verena und sich selbst getötet. Ira Wittekind kehrt zur Beerdigung ihrer früheren Freundin an den Ort zurück, in dem sie als Kind gelebt hat. Die Reporterin ist im Rahmen einer Reportage über Polizeiarbeit dabei, als stark verweste Leiche in einer Messiwohnung aufgefunden wird. Und dann ermittelt sie die Zusammenhänge zwischen dem Tod ihrer Freundin, dem Toten in der Wohnung und einem schrecklichen Geschehen in der Vergangenheit.

Ohne Massenmörder und oberschlaue Kommissare

Die Geschichte entwickelt einen Sog, der den Leser ebenso wie die nach und nach ermittelnde Journalistin immer tiefer in die finsteren Geheimnisse der Bewohner des Hofes Eskendor hineinzieht. Da braucht es weder einen irren Massenmörder noch einen oberschlauen Kommissar, hier fließt eine Erzählung. Nichts klingt konstruiert, nichts aufgesetzt. Spätestens ab dem 2. Kapitel kann man nicht mehr aufhören zu verfolgen, wie die Geschichte weitergeht.

Die einzelnen Personen werden so plastisch geschildert, dass man einen in dunklen Farben gehaltenen Krimi vor seinem geistigen Auge sieht. Ruhig, aber in jeder Phase spannend. Psychologisch stimmig. Und sie reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Die Dialoge sind zum Teil in einem knorrigen Dialekt, der einem gleich im Ohr bleibt.

Schnapskonsum und eigenartiger Humor

Nebenbei erfährt man einiges über die Mentalität der Westfalen, ihren Schnapskonsum und ihren durchaus vorhandenen, eigenartigen Humor. Trotz oder gerade wegen des ruhigen Erzählflusses entwickelt sich eine Hochspannung, die einen das Buch nur ungern aus der Hand legen lässt. Irgendwann geht es neben dem was denn nun wirklich passiert ist noch mehr um die Frage, warum es passiert ist bzw. warum es passieren musste. Man beginnt zu zweifeln, ob das offenbar den Westfalen prägende Sprichwort „Schweigen ist Gold“ nicht vielleicht doch gründlich falsch ist, ob es nicht eher die Ursache manchen Unglücks ist.

Als bekennender TV-Krimi-Konsument musste ich in der Vergangenheit manch unstimmigen Krimi gefallen lassen. Unrealistische Polizeiarbeit, unrealistische Geschichten, videoclipähnliche Schnitte. Das ließe sich einfach ändern, wenn ein Produzent einfach diesen Westfalenkrimi machen würde. Ira Wittekind ist eine ermittelnde Journalistin, die ich gerne im TV sehen würde. Und nicht nur einmal. Die Antwort auf die rheinische Eingangsfrage, ob Carla Berling einen Krimi schreiben kann, lautet ohne Wenn und Aber,“ Un dat dat dat kann!“.

Heinrich Schmitz ist Strafverteidiger, Kolumnist und ein viel beachteter Autor des
The European das Debatten-Magazin.

 

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