07.07.2015 10:45 Gedemütigter Lucke

Rechtsruck unter Frauke Petry? - Die smarte Populistin im kurzen Bleistiftrock

Bernd Lucke

Bernd Lucke auf der Bundeswahlversammlung am 24.1.2014. Foto: Mathesar-commonswiki, Wikipedia CC BY-SA 3.0

Von: Gerd Heidecke - Gottfried Böhmer

Essen (ots) - Ein Kommentar von Gerd Heidecke von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung: Die AfD steht nach dem Quasi-Rausschmiss von Parteigründer Bernd Lucke vor der Spaltung. Die Umfragewerte der Anti-Euro-Partei liegen gerade an dem Wochenende, an dem die Euro- Krise im griechischen Referendum gipfelt, unter der Fünf-Prozent- Marke.

Und der anstehende Rechtsruck unter Frauke Petry, der smarten Populistin im kurzen Bleistiftrock, macht die Alternative für viele nicht unbedingt wählbarer.

Verglüht die AfD jetzt wie die anderen Meteoriten unter den Rechtsaußen-Protestparteien nach kurzem Aufleuchten, wie etwa vor 25 Jahren die Republikaner und vor 15 Jahren die Schill-Partei?

Genau das werden sich jetzt viele in den etablierten Parteien wünschen. Aber Petry ist rhetorisch geschickt. Bislang hat sie es verstanden, rechtskonservative Kreise anzusprechen, ohne sich selbst allzu sehr angreifbar zu machen. Ob ihr das in der neuen "Pegida-AfD" auch gelingt, die sie jetzt selbst geschaffen hat? Ausgeschlossen ist es nicht.

Anmerkung der GFDK-Redaktion: - Keine rechten "Schmuddelkinder"

Wir halten es für zu früh und auch falsch von einer "Pegida-AfD" zu sprechen. Die neue Parteivorsitzende Frauke Petry, die mit 60 Prozent der Stimmen gewählt wurde, betonte in ihren Reden, die Partei von ihrem schier erdrückenden Minderwertigkeitskomplex zu befreien, die neuen rechten "Schmuddelkinder" der Politik zu sein.

"Ich kann keinen Rechtsruck dieser Partei erkennen, also sollten wir ihn auch nicht herbeireden", rief Petry und bekam Standing Ovation von den Deligierten. Weiter sagte sie: "Wer schon mal für die AfD Wahlkampf gemacht hat, der weiß, wie es sich anfühlt, diffamiert und als Nazi beschimpft zu werden." "Im Grunde sei jeder Politiker, der sich für die AfD in die Öffentlichkeit begebe, Anfeindungen ausgesetzt".

Die Abwahl von Lucke war jedenfalls die richtige Entscheidung, denn mit Lucke hätte sich nicht verändert, er hätte aus der AfD eine zweite Wirtschaftspartei a la FDP gemacht. Er und Hans-Olaf Henkel sind sehr konzernnah und entgegen der Parteibasis haben sie sich auch immer für TIPP ausgesprochen. Die AfD will aber eine andere Politk machen.

Hans-Olaf Henkel macht es sich zu einfach

Der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel hat das Handtuch geworfen und bereits am Sonntag die Partei verlassen. Er übte scharfe Kritik an der neuen Parteiführung. Es drohe eine "NPD im Schafspelz", sagte er dem "ZDF" mit Verweis auf die rechtsextreme Partei.

Mit der Wahl von Petry zur alleinigen Parteisprecherin habe sich die Mehrheit auf dem Essener Parteitag "nicht nur für einen scharfen Rechtskurs, sondern auch für Pöbelei, Protest und das Verbreiten von Vorurteilen entschieden" so Henkel.

Petry, die Ende des Jahres automatisch alleinige AfD-Vorsitzende wird, will eine Russland-freundlichere Außenpolitik und eine Begrenzung der Zuwanderung. Das wollen aber nicht nur die AfD Anhänger.

Eine Affäre oder ein Porsche

Jan Fleischhauer der Polemiker von "Spiegel-Online" schreibt in seiner bekannten Manier: "Die Wutbürger haben sich eine neue Chefin gewählt. Frauke Petry steht nun also den schlecht Gelaunten mit der nachlassenden Libido vor. Sie ist genau die richtige: Eine Frau für Menschen mit Bestrafungsphantasien".

Und weiter. "Der typische AfDler ist um die 60, in erster Ehe verheiratet, eher gut situiert, mit Portfolio bei der Commerzbank und Eigenheim in Hanglage, aber da beginnt vermutlich das Problem. Wohin der AfDler blickt, sieht er nach unten. Alles geht bergab: der Spaß in der Ehe, die beruflichen Aussichten, die eigene Libido und überhaupt die Gesundheit. Nur das Handikap beim Golf scheint sich stetig zu verbessern".

Jan Fleischhauer hat aber auch einen guten Ratschlag für die AfDler. Sie sollten sich eine Affäre zulegen, oder einen Porsche kaufen, dann hätten sie keine Zeit mehr für den Unsinn mit der Politik.

Gott oh Gott, Fleischhauer, der "Spiegel" scheint täglich banaler zu werden.

Und was schrieb "WELT-Online" "Die AfD ist in rasantem Tempo zu einem Tummel- und Bolzplatz von Bürgern geworden, die ihre Ressentiments gerne an der ganz langen Leine spazieren führen, die sich von imaginären Fremden bedroht sehen und die unfähig sind, andere Meinungen für legitim zu halten".

 

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