29.12.2013 09:45 "grausame Unterhaltungs-Dominanz"

Quote, Quote und nochmals Quote - Norbert Lammert spricht den Medien ihre Kompetenz ab

Norbert Lammert sprach von einer grausamen Dominanz der Unterhaltung

Norbert Lammert sprach von einer "grausamen Dominanz der Unterhaltung gegenüber der Information". Foto: (c) Deutscher Bundestag, Wikipedia Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0

Von: GFDK - Gottfried Böhmer Profil bei Google+

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat erneut die Medien runtergeputzt. Durch die Digitalisierung und die daraus folgende Dominanz der elektronischen Medien gegenüber den Printmedien habe sich ein Vorrang von Schnelligkeit gegenüber Gründlichkeit auch in der politischen Berichterstattung entwickelt, von Schlagzeilen gegenüber Analysen und von Personalisierung gegenüber Sachthemen, so Lammert in einem Interview mit der "Berliner Zeitung".

Er sprach von einer "grausamen Dominanz der Unterhaltung gegenüber der Information".

Als "fast ultimativen Beleg" für seine Beobachtungen bezeichnet Lammert die "heute-show" des ZDF. Zwar finde er sie gelegentlich zum Brüllen komisch. Aber das Leben sei halt nicht nur komisch und die Politik schon gar nicht. "Es darf nicht in ein solches Format verkürzt werden, was das ZDF insgesamt natürlich auch nicht tut."

Stahlgewitter

Lammert kritisiert, dass in der politischen Berichterstattung Menschen persönlich niedergemacht würden. Dafür gebe es viele Beispiele. Hier spielte er wohl auf den Fall Christian Wulff an, bis zum heutigen Tag haben sich BILD, Spiegel & Co. nicht öffentlich entschuldigt bei Wulff.

Die Bild sprach von "immer neuen Attacken auf die Medien und Journalisten". Fühlen sich da einige Herren ertappt?, scheint so, denn die Bild sieht in Lammers Kritik einen Generalangriff gegen Presse Funk und Fernsehen. Ausgerechnet die Springer-Presse spielt sich mal wieder als Hüter der Pressefreiheit auf.

Kampagnenjournalismus und Sensationsberichterstattung

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Norbert Lammert wettert gegen "Heute Show" - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Norbert-Lammert-wettert-gegen-Heute-Show-id28234392.html

Eckard Schulze schrieb dazu: "Aktuell wird in den Medien, insbesondere auch bei der ARD, die zweite Vernichtung des Bundespräsidenten a.D. in Angriff genommen. Da soll nicht weiter sichtbar werden, dass ganz andere Interessenlagen zu der Hatz geführt hatten, um den obersten “Notar” Deutschlands , präziser, der BRD, auszuschalten".

Späte Reue

Norbert Lammert meinte weiter: "Es gibt dann regelmäßig, allerdings immer erst im nachhinein, selbstkritische Bemerkungen prominenter Journalisten, auch sie seien Teil der Meute gewesen. Noch schöner wäre es", so Lammert weiter, "wenn es solcher nachträglicher Sympathiebekundungen gar nicht bedürfte".

Schon im Oktober hatte Lammert einen Qualitätsverfall im deutschen Fernsehen öffentlich angeprangert.

"Wenn die Medien immer weniger ihrem eigentlichen Auftrag der seriösen Information nachkämen, stelle sich zunehmend die Frage, inwieweit das System der staatlichen Rundfunkgebühren noch gerechtfertigt sei".

Späte Einsicht:

In der aktuellen Ausgabe von Politik + Kultur (Januar/Februar 2014), der Zeitung des Deutschen Kulturrates, schreibt der ARD-Vorsitzende und Intendant des NDR, Lutz Marmor, im Leitartikel "Nicht alles ist Hochkultur" über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Der Snowden-Vertraute Glenn Greenwald hat beim Chaos Communication Congress die Medien scharf attackiert:

„Die Rolle der Medien ist es nicht, Gegner der Mächtigen zu sein; sie sind loyale Sprecher der Mächtigen.“

So hätten amerikanische und britische Medien Snowden als Verräter attackiert, doch die Lügen der Offiziellen aus Politik und Geheimdiensten bleiben von den Medien unkommentiert.

Journalismus sei die Kontrolle der Mächtigen, sagte Greenwald.

"Das sind schlichte Wahrheiten – die jedoch knapp und klar erklären, warum viele Medien nur noch zur als Lautsprecher von offiziellen Verkündigungen und als billige Vervielfältigungs-Maschinen von autorisierten O-Tönen fungieren".

Gottfried Böhmer

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