08.11.2012 08:40 Ehemaliger EBS-Chef weist Untreue-Vorwürfe zurück

Profilierungssucht? - Staatsanwaltschaft auf Promijagd - Was verbindet Jörg Kachelmann mit Christopher Jahns?

Ehemaliger EBS-Chef weist Untreue-Vorwürfe zurück

Prof. Dr. Christopher Jahns Foto: institut-wv.de

Von: Marco Kreuter

Der frühere Chef der privaten Wiesbadener Elite-Universität European Business School (EBS), Christopher Jahns, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wiesbadener Staatsanwaltschaft, von der er sich zu Unrecht verfolgt sieht. Jahns wirft der Staatsanwaltschaft vor, einseitig ermittelt zu haben. In der Sendung „defacto“ im hr-fernsehen sagt Jahns: „Ich habe zu keiner Zeit im staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren Fairness erfahren.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben mir die existenzielle Grundlage entzogen in wesentlichen Teilen. […] Ich hab meine Autos verkauft. Ich habe das Haus verkauft.“

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat Jahns wegen des Verdachts der Untreue zu Lasten der EBS angeklagt. Die Anklagebehörde wirft dem früheren Hochschul-Chef vor, auf Kosten der EBS Scheinrechnungen über rund 180.000 Euro an ein Unternehmen beglichen zu haben, an dem Jahns damals selbst beteiligt war. Jahns weist das zurück: „Zu den Vorwürfen kann ich ganz klar sagen, dass ich von meiner Unschuld zu einhundert Prozent überzeugt bin.“

Erstmals seit der Eröffnung des Ermittlungsverfahrens äußert sich Jahns im hr-fernsehen auch dazu, was die massiven Vorwürfe für ihn persönlich bedeuteten. Bis zu dem Ermittlungsverfahren galt Jahns als schillernde Figur in der hessischen Hochschulszene. Danach kam ein tiefer Absturz. In der Sendung „defacto“ berichtet er, er habe zwischenzeitlich Selbstmordgedanken gehabt: „Es gab einen Morgen, da hat meine Partnerin mich auf dem Balkon gefunden. Ich kann mich da nicht mehr so richtig dran erinnern. Und da wollte ich wohl vom Balkon springen. Aus der sechsten Etage.“

Unterdessen hat Jahns eine eigene Klage gegen das Land Hessen angestrengt und vor wenigen Tagen nochmals erweitert. Er fordert mindestens 155.000 Euro Entschädigung plus Schadensersatz wegen schwerwiegender Rechtsverstöße. Jahns wörtlich: „Ich wurde beschuldigt und in der Öffentlichkeit vorverurteilt, brutal vorverurteilt von der Staatsanwaltschaft.“

Dem hr-Magazin „defacto“ gegenüber verteidigte Jahns auch die rund 600.000 Euro teure Feier zur Eröffnung der EBS-Universität in Wiesbaden. Jahns: „Ich denke diese Universitätsfeier war richtig. Mit tausend Leuten das zu feiern. Mit der Wirtschaft, mit den Förderern, mit zukünftigen Förderern. Das ist nicht aus Steuergeldern bezahlt worden, sondern aus dem Budget der EBS.“

Jahns gibt erstmals auch eigene Fehler zu: So sei es nicht richtig gewesen, nach der Umwidmung der EBS von einer privaten Business School in eine Universität, den Chefposten behalten zu haben. Jahns: „Dann kamen bei der Unigründung die Steuergelder dazu. Und das würde ich im Nachhinein anders machen. Weil: Ich hätte, glaube ich, damals als Präsident auch sagen müssen: Okay, ich habe das alles hingebracht und jetzt konzentriere ich mich wieder ganz auf mein Unternehmen. Ich glaube nicht, dass das in Deutschland richtig möglich ist: Präsident einer Hochschule zu sein - auch wenn es eine private ist - und gleichzeitig Unternehmer.“

Eine Rückkehr an die EBS schloss Jahns auch für die Zukunft aus: „Ich denke das Thema EBS und Jahns, das Kapitel ist abgeschlossen. Ja, und das ist auch gut so.“

Die Anklage gegen Christopher Jahns liegt derzeit beim Landgericht Wiesbaden. Dort wird nun entschieden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Jahns: „Ich bin voller Hoffnung, dass gerade die jetzt mit der Sache beschäftigen Gerichte absolut fair und rechtsstaatlich entscheiden werden.“

Das komplette Gespräch wird in der Sendung „defacto“ am Sonntag um 18 Uhr im hr-fernsehen ausgestrahlt.

Untreue-Verdacht EBS-Präsident Jahns festgenommen

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region/untreue-verdacht-ebs-praesident-jahns-festgenommen-1622181.html

Eliteschmiede EBS Hochschule durchsucht, Präsident verhaftet

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/eliteschmiede-ebs-hochschule-durchsucht-praesident-verhaftet-a-755002.html