07.07.2015 07:06 Image der Post angekratzt

Poststreik beendet - Verdi ist krachend gescheitert

Zustellerin der Deutschen Post AG mit Fahrrad - Wikipedia

Verdi hatte unrealistische Erwartungen geweckt und die Folgen des Streiks überschätzt: Für Betroffene war der Ausstand lästig, aber selten dramatisch. Wikipedia/Sir James

Von: Kristina Läsker und Gottfried Böhmer

Ein Kommentar von Kristina Läsker vom Weser Kurier:

Nach vier Wochen Streik haben sich die Post und Verdi auf einen Tarifvertrag geeinigt und bezeichnen ihn als guten Kompromiss. Tatsächlich aber hat der Arbeitskampf viele Verlierer hinterlassen.

Er zeigt in aller Härte, wie begrenzt die Mitsprache von Gewerkschaften bei der Strategie von Unternehmen ist. In keinem anderen Dax-Konzern hat Verdi so viele Mitglieder. Vollmundig rief die Gewerkschaft den größten Arbeitskampf seit 20 Jahren aus und versteifte sich auf ein Ziel:

Die Post kann weiter ausbeuten - Verdi ist machtlos

Die Post solle die neu errichteten Regionalgesellschaften abschaffen und die niedrigen Löhne der Paketzusteller auf Haustarifniveau anheben. Damit ist Verdi krachend gescheitert. Es hat sich als falsch erwiesen, diese Forderung einseitig in den Fokus zu stellen.

Das Ergebnis ist bescheiden

Die Billigfirmen dürfen weiter ausgebaut werden, die Paketzusteller in der Post AG bekommen weiter hohe Löhne. Das ist ein Minimalkonsens. Kurz: Verdi hatte unrealistische Erwartungen geweckt und die Folgen des Streiks überschätzt: Für Betroffene war der Ausstand lästig, aber selten dramatisch.

Image der Post angekratzt

Doch auch das Image der Post ist angekratzt. Zudem besteht die berechtigte Sorge, dass abgewanderte Kunden nicht mehr zurückkehren.

Anmerkung der GFDK-Redaktion:

Verloren hat nicht nur Verdi, verloren haben alle Arbeitnehmer. Die Billiglohn-Gesellschaft wird in Deutschland weiter ausgebaut, und das mit tatkräftiger Unterstützung der Politik. Weder die SPD, noch weniger die CDU-CSU, und am allerwenigsten die Grünen oder die FDP wollen daran etwas ändern, warum auch.

Die Post AG entstand 1995 durch Privatisierung der ehemaligen Behörde Deutsche Bundespost

Die Post AG ist nicht mehr mehrheitlich in Staatsbesitz, weil die staatseigene KfW Bankengruppe am 14. Juni 2005 Postaktien im Wert von 2 Milliarden Euro verkaufte. Bis 2012 hielt die KfW Bankengruppe im Auftrag des Deutschen Volkes und Steuerzahlers noch 30,5 % der Aktien, die restlichen 69,5 % befanden sich in Streubesitz, wovon 14,5 % in den Vereinigten Staaten, 12,1 % in Deutschland und 26,5 % in Großbritannien gehalten wurden.

Im September 2012 verkaufte die KfW ohne jede Not, im Auftrag der Politik, weitere 5,0 % an "institutionelle Anleger". Mit rund 25,5 % hatte sie noch eine Sperrinorität und war immerhin weiterhin noch die größte Einzelaktionärin.

Ohne jede Not wurde das Volksvermögen verkauft

2013 reduzierte sich der Anteil, weiterhin ohne jede Not, durch den Umtausch einer Anleihe aus dem Jahr  2009 auf 21,0 %. Im Juli 2009 hatte die KfW nach dem erzwundenem Rücktritt von Klaus Zumwinkel eine Wandelanleihe auf Aktien der Deutschen Post AG über 750 Mio. € mit einer Laufzeit von 5 Jahren und einem Volumen von 4,5 % begeben.

Die Aktionäre leben hoch

Damit wurde das Deutsche Volk und der Steuerzahler entgültig mit tatkräftiger hilfe der Deutschen Politiker ihres Vermögens beraubt und enteignet. 2014 betrug der Gewinn der Post AG über drei Milliarden Euro und der Nachvollger von Klaus Zumwinkel, Konzernchef Frank Appel, plant weitere drastische Einsparungen, mit dem Ziel die Erträge um jährlich acht Prozent zu steigern, zum wohle der im Ausland sitzenden Aktionäre.

Die Post AG - unsozial und schäbig

Die Post AG bereichert sich zunehmend auf Kosten seiner Mitarbeiter. „Unsozial und schäbig“ sei die Post, formulierte es Volker Geyer, Vorstand der Kommunikationsgewerkschaft DPVKOM. Der "Tagesspiegel" schrieb "Vorstandschef Klaus Zumwinkel galt seinerzeit als Zauderer, als Verhinderer". Genau, deshalb muste er weg, nicht wegen der 970.000 Steuern die er hinterzogen hat. Frank Appel würde die Dinge nun richtig anpacken, so der "Tagesspiegel".

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