20.03.2012 08:31 diese ständige Diskriminierung

Offener Brief an die ARD von Marco Pino zur Wahl des Bundespräsidenten

Eine Hintergrundtafel der ARD (Quelle: Wikipedia; Rechte: gemeinfrei)

Von: Marco Pino

In ihrer gestrigen Live-Berichterstattung zur Wahl des Bundespräsidenten schaltete die ARD mehrfach in ein türkisches Restaurant und befragte dort den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, wie er, die Türken und Muslime, die Wahl Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten sehen.

Andere Einwanderergruppen kamen – wie üblich – nicht zu Wort. Jetzt reichts! – findet blu-Mitbegründer Marco Pino, Sohn eines Spaniers, und beschwert sich in einem Offenen Brief an die ARD über diese ständige Diskriminierung.

OFFENER BRIEF AN DIE ARD

An den Intendanten Peter Boudgoust, die Redaktion, die Geschäftsführung und den Rundfunkrat

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beschwere ich mich offiziell über Ihre gestrige, skandalöse Live-Berichterstattung zur Wahl des Bundespräsidenten. Als Sohn eines spanischen Einwanderers fühle ich mich von der deutschen Gesellschaft im Allgemeinen und von Ihrer gestrigen Sendung im Speziellen diskriminiert!

Ich fordere Sie auf, es umgehend zu unterlassen, alle Einwanderergruppen außer einer einzigen zu diskriminieren!

In ihrer gestrigen Sendung haben Sie mehrfach in ein türkisches Restaurant geschaltet und dort einen Herren Namens Kenan Kolat (Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, TGD) nach seiner Meinung gefragt.

Abgesehen davon, dass mich, die meisten Nicht-türkischen Einwanderer und sicher auch die meisten Deutschen nicht ansatzweise interessiert, was Herr Kenan Kolat über den deutschen Bundespräsidenten denkt, frage ich mich, warum Sie dann nicht wenigstens auch andere Einwanderergruppen befragt haben?!

Nicht nur, weil das Essen besser schmeckt beim Spanier, Griechen oder Italiener, sondern auch, weil diese Einwanderergruppen genauso wie die Türken als Gastarbeiter angeworben wurden und mitunter sogar noch länger in diesem Land sind!

Aber vor allem: Mit Spaniern, Griechen oder Italienern gab und gibt es keine Integrationsprobleme! Warum? Weil wir uns integriert haben! Ganz im Gegensatz zu erschreckend vielen Türken, beziehungsweise Muslimen.

Wie kann es bitte schön sein, dass Sie in Ihrer gestrigen Berichterstattung (wie mittlerweile allgemein üblich) ausgerechnet jener Einwanderergruppe Aufmerksamkeit schenken, die (als einzige!) so große Probleme bei der Integration bereitet?

Eine solche Form der Berichterstattung ist nicht nur diskriminierend, sondern ein Schlag ins Gesicht aller anderen Einwanderer! Es ist ein Schlag ins Gesicht derer, die sich integriert haben!

Es ist ein Schlag ins Gesicht meines Vaters, der seit Jahrzehnten hier lebt, die Sprache gelernt hat, sich den Rücken krumm malocht hat und für den es selbstverständlich war, dass seine Kinder in diesem Land als Deutsche aufwachsen!

Müssen wir Spanier, Griechen und Italiener auch erst Parallelgesellschaften gründen, das Erlernen der Sprache verweigern, Bräute importieren, unsere Frauen unterdrücken, statistisch höchst überproportional gewalttätig und kriminell werden, bestenfalls gar noch einen archaischen, aufklärungs-, bildungs- und fortschrittsresistenten religiösen Fundamentalismus pflegen, damit Sie uns endlich wahrnehmen?

Damit man uns zum Bundespräsidenten befragt? Damit man wegen uns Talkshows macht? Damit man uns zu Integrationskonferenzen und Gipfeln zum Cafe-Schlürfen, Kuchen-Fressen und Blödsinn-Schwätzen nach Berlin einlädt?

Ist es das, was Sie unter Integration verstehen? Mit Verlaub: Sind Sie irre???

Im Namen aller Einwanderer, die sich in diesem Land integriert haben, fordere ich Sie auf: Stoppen Sie endlich diese dumme, verächtliche und diskriminierende Form der Berichterstattung! Fragen Sie diejenigen, die integriert sind. Und nicht diejenigen, deren Lebenswerk – wie im Falle Kenan Kolats – die organisierte Integrationsverweigerung ist!

Mit freundlichen Grüßen,

Marco Pino

Marco Pino Unter dem Pseudonym Frank Furter machte sich der Sohn einer Deutschen und eines Spaniers einen Namen in der politischen Bloggosphäre der Republik. In seiner Kolumne auf Citizen Times kommentiert der Frank Furter so ziemlich alles, was in Sachen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nicht spätestens bei Drei auf die Bäume ist.

http://www.blu-news.org/