25.11.2014 10:50 Die ZEIT - "Putins grosser Plan"

Nach Putin-Interview verfallen Deutsche Medien in Hysterie

Wladimir Putin der boese Onkel vom Ural

Ist Wladimir Putin der böse Onkel vom Ural der die Welt bedroht ? - Screenshot: ARD

Von: Gottfried Böhmer und Rainer Kahni

Die ZEIT, FAZ, Spiegel-Online, Bild und WELT.de reagieren schon fast hysterisch auf das von Putin gegebene Interview. "ARD verwandelt sich in Putins Kreml-TV" vom 17.11.2014 schrieb die Welt. Wie Putin die Welt sieht - „Russlands Präsident zeigt offen, dass er bereit ist, seine Interessen mit Gewalt durchzusetzen.“, so der erste Satz des Artikels in der Süddeutschen Zeitung.

"Putins Propaganda" titelte die FAZ. "Auftritt in der ARD: Wie Putin die Fakten verdreht", konnte man auf Spiegel-Online lesen. Und Bild kam mit dem Aufmacher "Wie Putin die ARD narrte".

Eine Räuberpistole der "ZEIT"

Am 20. November 2014 titelte ZEIT - Online "Putins großer Plan". Gleich acht Redakteure bot die ZEIT auf, um den Lesern eine wirre Räuberpistole auf 4 Seiten zu präsentieren. Anlass dürfte das von dem Journalisten Hubert Seipel geführte Interview mit Wladimir Putin gewesen sein, das am 16. September in der Jauch Sendung ausgestrahlt wurde.

Deutsche wollen keine Sanktionen gegen Russland

Entgegen den Erwartungen der Medien hat Putin bei den Deutschen besonders gut abgeschnitten. Die Mehrheit der Deutschen wollen keine schärferen Sanktionen gegen Russland und 27% plädieren sogar für eine totale Aufhebung aller Sanktionen. Nur noch eine kleine Minderheit von 19% befürwortet eine härtere Gangart gegenüber Russland. Das ergab eine Umfrage im "Deutschlandtrend" für das ARD-Morgenmagazin.

Für die Medien und Merkels Politik ist das eine totale Niederlage.

Tausende und abertausende Artikel haben Deutschlands "Vorzeigemedien" in den letzten Monaten gegen Russland geschrieben. ARD und ZDF haben sich gegenseitig mit Anti-Russland-Artikeln überboten. Unzählige angebliche "Russland-Experten" wurden in den Talkshows von Maischberger bis Beckmann rumgereicht, um den Deutschen zu erklären, dass der böse Onkel vom Ural die Welt bedroht. Geholfen hat es nichts. Auch nicht, dass wer pro-Putin ist, aus den Talkshows verbannt wurde.

Die Medien dichten, die Deutschen denken

Putin hatte in dem Interview den Standpunkt Russlands klar, verständlich und nachvollziehbar für das Deutsche TV-Publikum vorgetragen. Er hat Informationen offengelegt, die wenn man nicht gerade auf Freunde der Künste liest, von den Qualitätsmedien unterschlagen wurden.

Putin hatte in dem Interview vorgetragen, dass am 21. Februar 2014 mit der seinerzeit ukrainischen Regierung unter Präsident Viktor Janukowitsch, mit den Außenministern Polens, Deutschlands und Frankreichs ein Abkommen mit Garantiezusagen unterschrieben wurde. Die drei NATO-Staaten hatten dafür gebürgt, dass es in der Ukraine zu einer friedlichen, völkerrechtlichen Entwicklung kommen sollte, die alle Ukrainer, also auch die russisch sprachige Bevölkerung miteinbezieht.

Hass auf alles russische

Diese Bürgschaft der Garantiestaaten, vorneweg Deutschland hat keine 24 Stunden gehalten. Der gewählte Präsident wurde gestürzt und der russisch-sprachigen Bevölkerung der Ukraine wurde von den "neuen Herren" gedroht, sie auszulöschen. Julia Timoschenko, die Lieblingsfreundin von Angela Merkel, erklärte öffentlich ihren Hass auf alles Russische.

Legitimität und Legalität waren in der Ukraine nie sicher

Aber Janukowitsch war der rechtmäßig gewählte Präsident der Ukraine. Die politischen Entwicklungen bezeichnete Janukowitsch als Staatsstreich. Die Beschlüsse des Parlaments in Kiew seien gesetzwidrig. "Alles, was derzeit in diesem Parlament geschieht, ist Banditentum" sagte er damals. Das war die Ausgangslage am 22. Februar 2014. Und schon am gleichen Tag haben die Östlichen Landesteile der Ukraine die "Legitimität und die Legalität" des Parlaments in Kiew infrage gestellt.

Polens Außenminister Radoslaw Sikorski war hoch erfreut über die neue Entwicklung in der Ukraine, und der britische Außenminister William Hague kündigte eine enge Zusammenarbeit mit den anderen EU-Staaten bei der Unterstützung einer neuen Regierung in Kiew an.

Die Russen wurden nicht einmal gefragt, was sie davon halten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte der Opposition vorgeworfen, gegen das am Vortag geschlossene Abkommen zu verstoßen. Er forderte Deutschland, Polen und Frankreich auf, für dessen Einhaltung zu sorgen. Und genau das haben sie nicht getan, und sehr wahrscheinlich auch nie gewollt.

In der anschließenden Diskussionsrunde bei Jauch wurde auf alle von Putin vorgebrachte Argumente nicht eingegangen oder sie wurden pauschal relativiert. Während Putin in diesem Interview reichlich Ansätze geliefert hatte, über die es sich gelohnt hätte zu diskutieren, machte man - oder besser Frau von der Leyen - es mit einem Wisch weg: "Man solle sich nicht mehr mit der Vergangenheit beschäftigen" und damit ist das erledigt.

Wut. Hass und Aggression der Bundeskanzlerin?

Angela Merkel hat das Tischtuch zwischen Deutschland und der russischen Führung zerschnitten. Merkel war am 17. November vor dem "Loowy Institut für Internationale Politik" im australischen Sydney auf die Situation in der Ukraine eingegangen, und hat dabei ein vernichtendes Urteil über Russland, Putin, und die russische Politik gefällt.

Die Deutschen Leitmedien vervielen in einem Jubeltraumel. Merkel habe eine "Brandrede" gehalten und Putin die "Leviten" gelesen. Und, Merkel habe eine deutliche Warnung, an Putin gerichtet, ausgesprochen. Einzig das "Handelsblatt" sah es richtig, in dem es Merkels Rede als "Wutrede" bezeichnete.

Die viel größeren Fehler hat der Westen gemacht

Gleichfalls im "Handelsblatt" schrieb Hans-Dietrich Genscher von einer "bellizistischen Ost-West-Debatte". Weiter meinte Genscher, "Natürlich ist auch die Politik Moskaus nicht frei von Fehlern". Den weiteren Satz hat er sich erspart: er könnte lauten, aber die viel größeren Fehler hat der Westen gemacht.

Putin wirft dem Westen "Heuchelei" vor

Im Ukraine-Konflikt hat Kremlchef Wladimir Putin dem Westen in scharfem Ton "Heuchelei" gegenüber Russland vorgeworfen. Moskau werde von den USA und der EU nur als Partner akzeptiert, wenn es "brav" sei. "Wenn sich Russland das Recht nimmt, seine Interessen zu schützen, ändert sich das Verhältnis sofort", sagte Putin in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Agentur TASS.

Sanktionen sollen die russische Wirtschaft zerstören

Die westlichen Staaten, die Sanktionen gegen Russland beschlossen haben, verhehlen nicht, dass sie damit das Ziel verfolgen, die Regierung in diesem Land zu wechseln, so Außenminister Sergej Lawrow.
„Öffentlich erklären die westlichen Top-Politiker, die Sanktionen sollen die Wirtschaft zerstören und Volksproteste hervorrufen“, betonte Lawrow. Damit zeige der Westen „eindeutig, dass er nicht die Politik der Russischen Föderation ändern möchte, was an sich illusorisch ist, sondern dass man das Regime wechseln will“, so Lawrow.

Merkel will Matthias Platzeck und Lothar de Maizière kaltstellen

Merkel will laut Medienberichten den Petersburger Dialog reformieren. Matthias Platzeck soll genauso wie Lothar de Maizière an Einfluss verlieren.

Die Bundesregierung will den früheren Ministerpräsidenten von Brandenburg nach dessen Kritik an der deutschen Russlandpolitik offenbar vom Petersburger Dialog ausschließen. Das bilaterale Diskussionsforum solle durch eine Reform von dem von Matthias Platzeck (SPD) geleiteten Deutsch-Russischen Forum getrennt werden, berichtete der "Spiegel". Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe der Reform auf Drängen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugestimmt, heißt es in dem Bericht.

Günther Jauch und seine Gäste knabbern sich an Putin ab

Am Sonntag den 23. November wurde bei Günther Jauch nachgeschoben. In der Sendung "Antwort an Putin: Nachgeben oder Härte zeigen" durften die geladenen Gäste, Wolf Biermann, Gabriele Krone-Schmalz, Alexander Graf-Lambsdorff und Matthias Platzeck sich über Wladimir Putin und Russland auslassen.

Biermann bezeichnete den gewählten russischen Staatspräsidenten als Diktator. "Putin der Despot", "Putin lügt dreist", "Putin sei die blutige Nachgeburt des Stalinismus", usw. Damit wollen wir uns nicht beschäftigen, weil wir das seit Monaten hören und lesen. Unser Augenmerk liegt auf einem ganz anderen Punkt, der in der Jauch Sendung mit keinem Wort eine Erwähnung fand. Und das ist das Bemerkenswerte, weil es wohl den wenigsten Zuschauern aufgefallen ist.

Deutschland ist nur ein Handlanger

In der Jauch Runde wurde so getan, als ob Deutschland, oder die EU, einen Einfluß auf die Entwicklung in der Ukraine Krise gehabt hätten, oder haben. Dabei agieren sowohl die EU als auch Deutschland nur als Handlanger fur die Interessen der USA, und genau diese USA wurde mit keinem einzigen Wort erwähnt.

Auch mit keinem Wort sind bei Jauch die CIA und Blackwater Aktivitäten in der Ukraine zur Sprache gekommen. Wir könnten die Liste dessen, was alles nicht zur Sprache gekommen ist nun unendlich erweitern, dann können wir aber auch direkt ein Buch schreiben. Festzuhalten bleibt, das in beiden Jauch Sendungen die USA unter den Teppich gekehrt wurden, obwohl gerade sie die größten Scharfmacher gegen Russland sind. Das spricht Bände, aber nicht für Jauch.

Die Machenschaften von Jo Biden oder Georg Soros, der im übrigen am 24. November frech und frei zum wiederholten Mal weitere 20 Milliarden Euro für die Ukraine von der EU forderte, waren natürlich kein Thema bei Jauch.

Der US-Milliardär warnt Angela Merkel, auf Linie zu bleiben

"Die EU müsse kapieren, das Putins Angriff indirekt Europa gelte". Das muß man sich mal vor Augen halten. Ein lausiger US-Anlage-Krimineller, der den Putsch auf dem Maidan mitfinanziert hat, also maßgeblich für die heutige Krise mitverantwortlich ist, fordert von uns, auf Linie zu bleiben, und mit unserem Steuer-Geldern seine Investments in der Ukraine zu retten. Die Europäer sollen wohl für die Amerikaner die Drecksarbeit machen.

Für die Deutschen Unternehmen kein Verstädnis

Für die Klagen der deutschen Unternehmen über die Sanktionen gegen Russland hat Soros kein Verständnis. „Die deutschen Unternehmer, die jetzt die Sanktionspolitik kritisieren, wussten, dass sie mit ihren Investments ein hohes Risiko eingingen.“ Das ganze Interview könnt ihr im Magazin "Cicero" (Dezemberausgabe) lesen. Wir fragen uns schon länger: Was haben die US-Boys gegen Angela Merkel in der Hand?

Das zweierlei Maß

Zum Schluß gehen wir noch einmal auf das ARD - Putin Interview ein: Putin sagte, der Westen verlangt von mir, uns, das wir Einfluß auf die Separatisten in der Ukraine nehmen sollen. Das machen wir, im Rahmen unserer Möglichkeiten. Ich frage sie, warum nimmt der Westen keinen Einfluß auf die Ukrainische Regierung in Kiew?

Wer will den totalen Krieg?

Das gibt der neue Freund des Goldenen Westens, unwidersprochen zum besten, ohne dass Merkel und co ihm da deutlich widersprechen. Stellen sie sich mal vor, Putin würde so etwas sagen:

"Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat nach eigenen Worten keine Angst vor einem Krieg seines Landes mit Russland wegen des Konflikts mit den moskautreuen Separatisten. „Wir haben uns auf das Szenario für einen totalen Krieg vorbereitet“, sagte Poroschenko der „Bild“-Zeitung".

Der Kommentar von Rainer Kahni

Der elende Rest der deutschen Rätsel - Onkel und Möchte - Gern - Talk - Show - Master versucht sich jeden Sonntagabend erneut an brisanten politischen Themen abzuarbeiten. Irgendwie muss ja das mehr als bescheidene Einkommen von nur etwas mehr als zehn Millionen Euro jährlich für den Dampfplauderer Günter Jauch gerechtfertigt werden.

PUTIN ist ein Quotenbrüller, also wird das Thema nocheinmal aufgewärmt. Dass sich seriöse Journalisten wie die langjährige ARD - Korrespondentin in Moskau und der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg für so ein Schmierentheater hergeben, bleibt unerfindlich. Vielleicht glauben sie immer noch, gegen die Lügenpropaganda der Mainstreammedien anzukommen.

Das ist vergebliche Liebesmühe, denn 70 % der Deutschen lieben ihre Russland - Phobe Elite im Kanzleramt und im Schloss Bellevue. Goebbels hätte seine helle Freude gehabt an den heutigen Methoden der Propaganda. Nun gut.

Um den sachlichen und profunden Argumenten der seriösen Gäste etwas "Glämmer" zu verleihen, hat der Möchte - Gern - Talkmaster Jauch einen schon etwas senil wirkenden Bänkelsänger eingeladen. Der erfüllte auch prompt die in ihn gesetzten Erwartungen und bemängelte die fehlende Ähnlichkeit zwischen Hitler und Putin. "Nicht einmal eine Autobahn zwischen Moskau und Sankt Petersburg hat Putin hingekriegt." Und damit hat sich diese Show endgültig in der lange Reihe der medialen Pissrinnen für nachtröpfelnde geistige Inkontinenz etabliert.

Aber nun zurück zu den Hysterikern der ZEIT-Online und "Putins großer Plan".

"Geheimdienstoperationen, Zollkriege, Grundstückskäufe, Propaganda und militärische Intervention: Wie Russland von der Ostsee bis zur Adria seine Macht ausbaut". Liebe Freunde, das kann man nicht kommentieren, den Scheiß müßt ihr selber lesen. Hier geht es zum Artikel.

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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Weiterführende Links:
Krisen-Talk bei Jauch: Biermann, Putin und Hitlers Autobahn
http://www.spiegel.de/kultur/tv/jauch-talk-zu-ukraine-konflikt-biermann-putin-und-hitlers-autobahn-a-1004592.html