16.05.2017 11:50 ungarische Kunst

Kunst der Verselbständigung

Sandor Bortnyik, El nuevo Adan, 1924, The new Adam

Sandor Bortnyik, El nuevo Adan, 1924, The new Adam, Budapest, Galerie Nacional de Hungaria, Ausstellung im Museo Thyssen-Bornemisza Madrid

Von: GFDK - Herwig Nowak

Es ist gleichermassen erfreulich wie erbaulich, wenn sich grosse Museen auch um Kunst bemühen, die nicht in den Kunstzentren der alten oder der neuen  Welt zu Hause ist, sondern eher in kleinen und weniger bedeutenden Ländern ihre Heimstatt findet.

In Madrid ist dies derzeit der Fall, wo das Museum Thyssen-Bornemisza im Rahmen einer Sonderschau unter der Bezeichnung "Budapest"den Besucher auf Kunstwerke hinweist, die dem "Museum für schöne Künste" in Budapest entstammen.

"Erfreulich" ist dies, weil das Museum dem Besucher damit die Möglichkeit bietet, sich mit Künstlern auseinander zu setzen, die gemeinhin vielleicht etwas im Windschatten stehen. "Erbaulich" ist der Ausstellungsbesuch, weil der Besucher auf diese Weise Neues und Wertiges entdeckt. Dabei ist die Ausstellung so aufgebaut, dass zunächst die enge Anlehnung an die Kunst des übrigen Europa sichtbar wird und dann eine allmähliche Verselbständigung zu verspüren ist, die den obigen Titel dieser Kulumne rechtfertigt.

Werden also in einem gedachten ersten Teil der Ausstellung mittelalterliche Werke von Lucas Cranach dem Älteren, von Rafael und Goya gezeigt, so überrascht die Ausstellung in einem gedachten zweiten Teil mit einer grossen Anzahl ungarischer Maler des späten 19. und 20sten Jahrhunderts, die man mit Entdeckerfreude zur Kenntnis nimmt: Josef Rippl-Ronai, Pal Szinyei, Karoly Ferenczy, Sandor Bortnyik, um einige zu nennen. Eigentlich allen Genannten und den Ungenannten kommt eine eigene malerische Aussage zu gute.

Sandor Bortnyik sticht besonders hervor, weil er mit den Mitteln des Kubismus zu einer ebenso abstrakten wie sehr ironischen Malweise findet. Die Verselbständigung hat stattgefunden und ist geglückt!

 

Herwig Nowak