13.03.2014 09:25 Der Uli ist ein ehrenwerter Mann

Konstantin Wecker fordert Freiheit für Uli Hoeneß! - Fussballmanager ist nicht schuldfähig

Konstantin Wecker wuenscht niemandem den Knast, auch dem Herrn Uli Hoeneß nicht.

Konstantin Wecker wünscht niemandem den Knast, auch dem Herrn Uli Hoeneß nicht. Foto (c) Konstantin Wecker

Von: GFDK - Konstantin Wecker

Bei Uli Hoeneß passt einfach alles. Er ist Wurstfabrikant, Spekulant, Präsident der derzeit spektakulärsten Fußballmannschaft der Welt und wohnt in einer Villa am Tegernsee. Er ist ein Bilderbuchkapitalist, hat steuervergünstigt Millionen gespendet und etliche Millionen mehr hinterzogen. Business as usual. Ein Bankensystem, das spezialisiert ist auf den Steuerbetrug superreicher Schwerverbrecher hat es ihm leicht gemacht.


Ich weiß nicht genau, was man als Hilfsarbeiter in einer Wurstfabrik verdient, aber man muss schon ein paar Stunden schuften, um sich ein Ticket in der Allianz Arena zu erarbeiten. Nirgendwo in Europa klafft die Schere zwischen arm und reich so weit auseinander wie in Deutschland.


Gut für Menschen wie Hoeneß, der sich seinen Reichtum ja auch hart erarbeitet hat. Zum Beispiel durch kräftezehrendes Zocken am Handy. So funktioniert nun mal das System.


Der Uli ist ein ehrenwerter Mann

82 Prozent der Deutschen wünschten sich noch vor zwei Jahren mehr Hoeneß in der Politik.
Das sagt mehr über uns Deutsche aus, als die meisten soziologischen Abhandlungen.
Ich habe ihn mal in einer Talkshow fragen hören, warum es denn überhaupt noch andere Parteien als die CSU brauche.


Mehr Hoeneß in der Politik?

Dieser Mann - und das kann man ihm gar nicht übel nehmen, wenn man bedenkt, wie er jahrzehntelang hofiert und angeschleimt wurde- dieser Mann wird nie verstehen, dass er irgend etwas falsch gemacht haben soll. In seinem Universum hat er auch nichts verbrochen. So funktioniert nun mal das System und der Uli ist ein ehrenwerter Mann.


Ich wünsche niemandem den Knast. Verständlicherweise. Und auch dem Herrn Hoeneß nicht.
Warum auch. Der Mann ist sowieso nicht resozialisierbar. Ebensowenig wie seine Freunde von den Banken und Automobilkonzernen und Versicherungen. Aber ich fordere ab sofort die Möglichkeit zur straffreien Selbstanzeige für alle Opferstockdiebe, Drogenkonsumenten, Bankräuber, Hausbesetzer, Demonstrationsvermummer, Sitzblockierer - ach, mir fielen noch viele ein.


Ich halte den Fussballmanager für nicht schuldfähig

Er ist wie das System, das er verkörpert, verteidigt und liebt. Ulli Hoeneß ist - und das trägt er schon lange zur Schau -der fleischgewordene Kapitalismus. Eine wandelnde Wurstfabrik.
Und wenn man ihm eines vorwerfen kann, dann nur seinen sattsam bekannten vergeigten Elfmeter.
Wir linksradikalen Häuserbesetzer, Kryptokommunisten, Steinewerfer, Gutmenschen und Friedensdeppen sehen das eventuell anders. Aber für jeden aufrechten Kapitalisten gibt es nur einen möglichen Kampfruf:


Freiheit für Uli Hoeneß!

PS: Zwei Drittel der Deutschen fordern nun den Rücktritt von Uli Hoeneß

Knapp zwei Drittel der Deutschen fordern den sofortigen Rücktritt von "Steuersünder" Uli Hoeneß als Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München. Das ergab eine "repräsentative" Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von Montag bis Mittwoch dieser Woche.

Wir vermuten, das es sich bei den "zwei Drittel der Deutschen" um die Gruppe handelt, die kaum Steuern zahlen. Wir wollen doch mal festhalten. 20 Prozent der Deutschen zahlen 80 Prozent aller Steuern und genau diese 20 Prozent haben sich nach der von uns gestern Abend erhobenen Umfrage im Freundeskreis immer noch positiv zu Uli Hoeneß geäußert. Soviel zum Wert von sogenannten "repräsentativen Umfragen".

Rainer Kahni schreibt zu dazu:

Die mediale Hinrichtung eines Menschen, egal, gegen welche Norm oder welches Gesetz er verstossen hat, ist abstossend und erinnert an die längst vergessen geglaubte Lynch - Justiz der vorigen Jahrhunderte.

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Autor von Romanen, Polit- und Justizthrillern. Auch seine Sachbücher und Kolumnen finden eine breite Leserschaft. Als Journalist und Mitglied von Reporters sans frontières hat er viele Reportagen publiziert !

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