17.07.2015 09:14 Die tapferen stolzen Griechen

In Europa gibt es nur Verlierer - Die Banken, der IWF, die EZB und die Zocker haben gewonnen

Der Anfang vom Ende in Europa

Ist das das Europa unserer Gründerväter? NEIN.

Griechenland wurde gedemuetigt

Niederlagen kann ein Volk vergessen, Demütungen wird es nie verzeihein.

Von: Rainer Kahni - Gottfried Böhmer

Der Erfurter Wirtschaftswissenschaftler Prof. Helge Peukert kritisierte in der "Thüringer Allgemeine " den Kompromiss und sieht in einem Schuldenschnitt den einzigen Ausweg, und sagte "„Die EU macht Griechenland zum Protektorat".

Herr Prof. Peukert, Ihre erste Reaktion auf die Einigung in Brüssel?
Entsetzen. Die EU-Länder, vor allem Deutschland, machen Griechenland zu ihrem Protektorat und hebeln die dortige Demokratie aus. Jede Entscheidung, die im Parlament getroffen wird, muss die Troika billigen. Damit wird sich der Abschwung fortsetzen. Das ist kein Hilfsprogramm, sondern ein Armutsprogramm. Die Mehrwertsteuererhöhung ist Gift für jede Konjunktur.

Das "Reformpaket-Hilfspaket" beinhaltet die Erhöhung der Mehrwertsteuer, eine Rentenreformen und einen Treuhandfonds, der den staatlichen Besitz der Bürger von Griechenland veräußern soll.

Die Deutschen Medien ziehen über die Griechen und deren Regierung her. "WELT-Online" titelt "Tsipras ist eine einzige Katastrophe" Im Getrommel der Deutschen-Presse heißt es über die Griechen "Pleite-Griechen" ("Bild"), Italiens Premier Matteo Renzi sei ein "Weichspüler" (der "Focus") und Alexis Tsipras ein "Umkipper" (nochmals der "Focus"). Weiter heißt es: Schummel-Griechen“,Yanis Varoufakis der „Griechen-Raffke“,“Gierige Griechen usw.

Und Thomas Strobl, Stellvertreter von Angela Merkel im CDU-Parteivorsitz, und Schäubles Schwiegersohn sagte "Der Grieche hat jetzt lang genug genervt“.

Wie hat die "Neue Zürcher Zeitung" über die führenden Deutschen Leitmedien, Zeitungen und Rundfunkanstalten, geschrieben. "Sie grenzen aus. Sie operieren mit Verdachts-Berichterstattung. Sie lehnen sich an das politische Establishment an. Und sie benehmen sich gegenüber ihrem Publikum wie strenge Kolonialoffiziere".

Fundamentale Bruchlinie durch Europa

In Spanien heißt es überraschend dass der Deal ein deutscher Putsch gegen Athen und die Syriza-Regierung sei. Die "Deutschen Wirtschafts-Nachrichten" melden am 15. July 2015 "Spanien wendet sich von Merkel ab und trägt EU-Deal nicht mehr mit".

"Der Bruch durch Europa erhält eine neue Facette: Spaniens Premier Rajoy hat völlig überraschend angekündigt, den EU-Deal mit Griechenland im Parlament zur Abstimmung zu bringen. Der Bruch durch Europa erhält eine neue Facette: Spaniens Premier Rajoy hat völlig überraschend angekündigt, den EU-Deal mit Griechenland im Parlament zur Abstimmung zu bringen.

Der Grund: In Spanien ist die Stimmung gekippt, der Deal wird als deutsches Diktat gesehen. Mit Rajoy, der sich in erster Linie auf die anstehenden Wahlen konzentriert, könnte Angela Merkel einen wichtigen Verbündeten verlieren".

Ein Kommentar von Rainer Kahni

Der Literaturnobelpreisträger Sir Winston Churchill sagte einst: „Niederlagen kann ein Volk vergessen, Demütungen wird es nie verzeihein.“

Was sich gestern in Brüssel abgespielt hat ist eine Demütigung der Griechen und eine Warnung an andere EU – Staaten, sich niemals gegen die Macht der Banken aufzulehnen. In Europa gibt es nur Verlierer! Die grossartige Idee eines vereinten und friedlichen Europas hat verloren.

Die EU – Technokraten haben verloren, weil sie die europäische Idee verraten haben. Deutschland hat verloren, weil es sich wie weiland Wilhelm zwo wieder als grössenwahnsinniger Zuchtmeister Europas aufgespielt hat nach dem Motto: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ Und schliesslich haben die Griechen verloren, weil sie das angebliche Hilfsprogramm in noch grösseres Elend stossen und restlos entmündigen wird.

"Dies ist nicht das Ende. Es ist nicht einmal der Anfang vom Ende. Aber es ist, vielleicht, das Ende des Anfangs." Winston Churchill

Es gibt aber auch Gewinner. Die Banken, der IWF, die EZB und die Zocker der internationalen Finanzmafia wurden vor einem Totalverlust ihrer Kredite bewahrt, die Kreditausfallversicherungen ( SWAPS) müssen nicht bezahlt werden und es kann weiter viel Geld am Elend eines ganzen Volkes verdient werden. Denn eines muss dem letzten Stammtisch – Proleten langsam klar werden: Die Griechen werden keinen Cent dieses sogenannten „Rettungsprograms“ sehen.

Die Banken werden mit diesen Steuergeldern gerettet und nicht Griechenland. Die Demütigung wird komplett, wenn das griechische Staatseigentum in einen Treuhandfond eingebracht werden muss. Aus dem Erlös der nun folgenden Privatisierungen werden eben wieder nur die Banken befriedigt und nicht die soziale und humanitäre Katastrophe der Griechen abgewendet.

Ist das das Europa unserer Gründerväter? NEIN

Europa ist in die Hände der internationalen Finanzmafia und deren willfährige Marionetten in der Politik gefallen. Wir alle müssen uns fragen, wie lange noch wir dieses schmutzige Spiel ertragen wollen. Der kleine Hoffnungsschimmer einer neuen sozialen Weltordnung ist im Keim erstickt worden.

Die Geschichte der französischen Revolution, die alljährlich am 14. Juli gefeiert wird, lehrt uns, dass jedes Volk ein grosses Mass an Demütigungen, Erniedrigungen, Ungerechtigkeiten, Blut, Leid und Elend eine Weile lang erduldet, aber irgendwann ist es genug. Wenn sich aber der Unmut der Bürger entladen sollte, dann Gnade euch Gott, ihr mafiosen Finanzhaie, ihr korrupten Politiker, ihr Lobbyisten und Staats – Verbrecher.

Die tapferen stolzen Griechen

Griechenland lehnte sich auf gegen die Diktatur der EU – Technokraten und blamiert damit die gesamte undemokratische Konstruktion Europas. Das alleine war es wert, diese Volksabstimmung in Griechenland durchzuführen. Die Gründerväter Europas de Gasperi, Charles de Gaulle, Konrad Adenauer, Robert Schumann und viele andere Wohlmeinende, die nach den traumatischen Erfahrungen zweier verheerenden Weltkriege ein friedliches, vereintes und feiheitliches Europa wollten, würden es dem tapferen und stolzen Volk der Griechen heute danken.

Aufschrei der Demokratie

Europa wurde durch die Volksabstimmung in Griechenland nicht geschwächt, sondern gestärkt. Selbst die borniertesten und von niemand demokratisch legitimierten EU – Politiker und EU – Technokraten werden an diesem Aufschrei der Demokratie nicht vorbeikommen und sich sehr schnell hin zu einer grundlegenden Reform Europas entschliessen müssen, sonst ist der gute Grundgedanke für Europa verloren.

Bürger anderer Länder werden sich durch die Volksentscheidung der Griechen ermutigt fühlen und sich anschliessen. Dann wird Europa zu einem Flächenbrand in der ohnehin katastrophalen Weltlage. Das genau darf Europa nicht werden, denn wir brauchen ein geeintes demokratisches Europa, um die Agressionspolitik der USA zu beenden und unseren ausgestreckten Arm den friedliebenden Menschen dieser Erde entgegen zu strecken.

Wir dürfen uns nicht länger zum Handlanger und zu Marionetten des Hegemonialmachtstrebens der USA machen lassen. Niemand in Europa ist demokratisch dazu legitimiert, ein geheimes Freihandelsabkommen mit den USA abzuschliessen. Niemand ist dazu demokratisch legitimiert, Europa zur Basis von Drohnenmorden, zu Sanktionen gegen Russland zu machen.

Niemand ist dazu legitimiert, Spionageangriffe fremder Mächte auf europäischem Boden zu dulden. Niemand ist dazu demokratisch legitimiert, verlogene Kriege in aller Welt unter fadenscheinigen Gründen anzuzetteln oder sie zu begünstigen.

Es steht ausserhalb jeder Frage, dass Griechenland niemals die Bedingungen der Maastricht – Verträge erfüllt hat oder erfüllen kann. Die von den Griechen mit Unterstützung der US – Grossbank Goldmann – Sachs gefälschten Zahlen, die zum geo – politisch gewollten Eintritt in die Euro – Zone geführt haben, wurden von allen EU – Finanzministern als Fälschung erkannt.

Wenn eine Fälschung aber erkannt ist, dann darf eben kein EU – Politiker der Aufnahme eines Landes zustimmen, sonst macht er sich der Beihilfe zum Betrug schuldig und kann sich hinterher nicht darüber beklagen, dass er getäuscht wurde. Die Sparauflagen der Troika haben die griechische Mesere verstärkt und nicht verbessert.

Am Anfang der Tätigkeit der Troika war Griechenland mit 120 % des Bruttoinlandsproduktes verschuldet. Beim Rauswurf der Troika war Griechenland mit 170 % des BIP verschuldet, das Gesundheits – und Sozialsystem ist zusammengebrochen, die Arbeitslosigkeit hat sich dramatisch erhöht. Griechenland ist bankrott!

Hören wir bitte auf, mit chauvinistischen Parolen gegen die „faulen“ Griechen zu polemisieren. Nicht der griechische Bürger, sondern eine kriminelle Vereinigung von griechischen Oligarchen, korrupten griechischen Politikern und internationalen Institutionen der Finanzmafia haben das Land ruiniert und kräftig daran verdient.

Griechenland braucht jetzt einen kapitalen Schuldenschnitt, den Austritt aus dem Euro, eine eigene Währung, die zur Abwertung führen wird, aber gleichzeitig die griechische Wirtschaft wieder konkurenzfähig macht. Das wird ein bitterer Weg für dieses liebenswerte und tapfere Volk, aber auch für die verlogenen Europa – Politiker, die endlich vor dem Scherbenhaufen ihrer eigenen Lügen stehen und ihren Bürgern zu Hause gestehen müssen, dass sie ihr Volk jahrelang belogen und betrogen haben!

Eine grundlegende demokratische Reform von Europa ist die conditio sine qua non für das Fortbestehen der grossartigen europäischen Idee.

 

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

 

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