07.12.2017 07:00 Das Google-Märchen

Gruner + Jahr haut das Online-Portal art-magazin.de in die Tonne

art-magazin.de stellt die Redaktion ein. Also, keine Reichweite, kein traffic, keine Werbeeinnahmen

art-magazin.de stellt die Redaktion ein. Also, keine Reichweite, kein traffic, keine Werbeeinnahmen, "keine im Markt relevante Größe" wie der Verlag ja mitgeteilt hat. Foto: GFDK

Von: Gottfried Böhmer

Der Verlag Gruner + Jahr stellt sein Online-Portal art-magazin.de ein. Gewinner wird wohl das monopol-magazin.de sein. Gruner + Jahr spart die redaktionelle Betreuung der Website zum Anfang des kommenden Jahres ein. Die Website von "Art" sei "keine im Markt relevante Größe", begründete der Verlag das Aus.

Somit wird das monopol-magazin.de zum wichtigsten Nachrichtenportal für die deutschsprachige Kunstwelt, teilt der Monopol-Herausgeber Christoph Schwennicke mit.

Das Aus für das art-magazin.de ist denoch keine große Überraschung. Der Online-Auftritt und die Redaktion werden schon seit Jahren von Gruner + Jahr quersubventioniert, ohne dass eine wirtschaftliche Größe erreicht werden konnte. Die Printausgabe der Kunstzeitschrift wurde im November 1979 von Wolf Uecker gegründet und hat heute eine Auflage von ca. 60.000 Exemplaren.

Nischenportale mit wenig Chancen in den Suchmaschinen

Die Probleme für die Nischenportale, und Kunst und Kultur sind nun einmal keine großen traffic bringer, haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ständige Panda und Penguin Updates von Google, immer höhere Investitionen in SEO Maßnahmen und die sinkende organische Reichweite haben schon vielen Portalen das Genick gebrochen.

Nicht nur die Panda Updates 4.0 und 4.1 im Jahr 2014 hatten einen erheblichen Einfluss auf Website-Rankings in den Suchergebnissen gehabt. Zudem ändert Googel ständg den Suchalgorithmus, und so muß der Webseitenbetreiber diesem mit viel Geld und Personal oder externen Agenturen hinterherlaufen.

Google füttern, sonst gibt es keine im Markt relevante Größe

Wer bei Google mit seinen Veröffentlichungen unter den Suchbegriffen auf der ersten Seite landen will, muß tief in die Tasche greifen, oder die Suchmaschiene ständig mit Anzeigen füttern, damit ein Portal eine nennenswerte Reichweite erreicht, um sich finanzieren zu können.

Also, keine Reichweite, kein traffic, keine Werbeeinnahmen, "keine im Markt relevante Größe" wie der Verlag ja mitgeteilt hat.

Das Google-Märchen

Die Portalbetreiber sollten sich von dem Google-Märchen verabschieden, das Google für die User relevante, einzigartige und gute Inhalte besser rankt. Das ist eine glatte Lüge des Internet-Giganten. Wenn es darum ginge, hätte art-magazin.de aufgrund seines hervorragenden Contents zig Millionen Besucher haben müssen.

Google vernichtet deutsche Kultur

Die Reichweitenabhängigkeit von Google, eines US-Unternehmens, blutet die deutsche Kulturlandschaft aus. Auch die GFDK-Redaktion von freundederkuenste.de, die schon über zehn Jahre, über Kunst und Künstler berichtet, kämpft mit den gleichen Problemen wie das "art-magazin".

Wenn sie mich heute fragen wieviele Kunst und Kulturportale die kommenden Jahre überleben, würde ich sagen, vielleicht zwei oder drei. PS: Ich habe in über zehn Jahren keine einzige Verbesserung in den Suchergebnissen feststellen können und vermute dass es sich um reine Geldschneiderei von Google handelt. Die Milliarden-Gewinne müssen ja irgendwoher kommen.

Gottfried Böhmer

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