14.11.2017 17:25 expressiv und staatsumgestaltend

Geniale Dilletanten in Dresden - Kunst versus Politik

Subkultur hin oder her, von einem Porsche haben sie in West und Ostdeutschland doch alle getraeumt. Auch die Musikbands, Kuenstler, Filmemacher und Designer aus den frühen 1980er Jahren

Subkultur hin oder her, von einem Porsche haben sie in West und Ostdeutschland doch alle geträumt. Auch die Musikbands, Künstler, Filmemacher und Designer aus den frühen 1980er Jahren. Bild: (c) Dorothea Schüle

Von: GFDK - Herwig Nowak

Herwig Nowak berichtet aus Dresden für die GFDK. Es ist Deutsche Geschichte, gemeinsam erlebte Deutsche Geschichte, und dennoch ist sie weitgehend unbekannt. Gemeint sind jene Jahre, in denen sich im Westen Deutschlands, etwa ab 1968, und im Osten des Landes etwas später eruptive Kräfte entwickelten, die die bestehenden Staaten in Frage stellten und im Osten auch massgeblich zum Untergang der DDR beitrugen.

Diese Jahre werden in einer absolut sehenswerten Ausstellung unter dem Titel „Geniale Dilletanten“ in Dresden in diesen Wochen aufgearbeitet. Zugegeben, die Ausstellung schilderte die damaligen Zeiten “ostenlastig“, also vornehmlich aus ostdeutscher Sicht. Aber das trägt massgeblich dazu bei, eine Wissenslücke zu schliessen.

Die revolutionäre Entwicklung kam aus der Kunstscene, der Scene der jungen Kunst, und es ist vielleicht das erste Mal, dass die Kunst so expressiv „staatsumgestaltend“ wirkte. Alles hat seinen Ausgangspunkt in der englischen Punk Scene, die sich allerdings wohl weniger politisch verstand, als sie dann in Deutschland auftrat.

Sie verbreitete sich in den Westen Deutschlands und fasste trotz Eisernen Vorhangs dann in
Ostdeutschland Fuss. Dabei war sie primär-zunächst jedenfalls- nicht politischen sondern „kunstrevolutionären“ Inhalts. Sie agierte gegen die gängigen Vorstellungen von Kunst und Kultur.

Alles das, ohne dass die Bewegung eine feste organisatorische Form hatte, sie war eben, was man durchaus „dilletantisch“ nennen kann. Es taten sich zunächst Bands zusammen, die in Musik vor allem aber in –deutschsprachigen-Texten unkonventionell und später revolutionär argumentierten. Die Scene war musikalisch angesiedelt zwischen Free jazz, Anarcho  jazz ,Free style, Noise, Punk und Elektro.

Sie gab sich mit wilden Gesten, infernalischen Auftritten, aber auch mit subtilen Darstellungen mit
verborgenem Hintersinn Sie hatte ihren ganz grossen Auftritt  in einem Event ,das im Juni 1985 in Coswig bei Dresden vor mehr als 1000 Besuchern stattfand.

Der Musik folgte die Literatur, der Film, das Theater mit staatskritischen Werken. Von den Künstlern sind heute nur noch wenige bekannt. Dabei unterlag solches Tun im Osten Deutschlands regelrechten Gefahren, die bis zu Bestrafungen und Inhaftierungen der Künstler führen konnten. Der Staat hatte zu Recht in den Künstlern einen ihn gefährdenden Gegenpol entdeckt, der ihn am Ende sogar besiegte.

Herwig Nowak

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