20.03.2013 09:05 Leidenschaft für Heimat und Kultur

Familienmitglied - Ein Interview zwischen Regina Dwomoh und Stefanie Tendler (Serwaa )

Stefanie Tendler sprach mit Regina Dwomoh über ihre Idee Serwaa- African Home

Stefanie Tendler sprach mit Regina Dwomoh über ihre Idee Serwaa- African Home

Von: GFDK - Stefanie Tendler - 6 Bilder Profil bei Google+

Regina Dwomoh wurde in Kumasi geboren und wuchs in Mönchengladbach auf. Dort machte sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester. 2002 kam sie nach Berlin, um hier eine Ausbildung an der Schauspielschule Charlottenburg zu absolvieren.

Sich stets als sehr heimatverbunden fühlend, wurde der Wunsch in ihr immer größer sich mehr mit der kulturellen Vielfalt ihres Heimatlandes Ghana zu beschäftigen zu denen vor allem die bunten Stoffe gehören und so entschloss sie sich dazu Serwaa zu gründen.

Schnell wurde ihr bewusst, dass sie sich intensiver mit dem Thema Unternehmensgründung auseinander setzen musste und  vor zwei ein halb Jahren nahm sie deshalb ein Wirtschaftsstudium auf, das sie im Juli abschließen wird. Serwaa ist ein Modelabel dessen Fokus auf Bettwäsche liegt, die aus hochwertigen afrikanischen Stoffen handangefertigt wird.

Regina’s Wunsch ist es mehr Aufmerksamkeit auf die afrikanischen Stoffe und ihre Geschichten zu lenken. Afrika, den immer noch als exotisch angesehenen Kontinent, einen anderen Stellenwert zu geben und mehr Verständnis für die vielen kulturellen Nuancen der Kultur zu schaffen.

Bisher produziert Regina Serwaa mit ihrem Team in Ghana In kleinem Rahmen. Doch nach abgeschlossenem Studium möchte sie nach Ghana auswandern, um sich dort ihrer Idee Serwaa- African Home ganz zu verpflichten.

MADE IN GHANA -Bewusst wählt sie Ghana als Produktionsort um die Produkte durch die Stoffwahl authentisch gestalten zu können. Zudem ist es ihr wichtig im Laufe der Zeit eine vergütete Schneiderausbildung in Ghana zu etablieren. Der Status Quo sieht aktuell anders aus. In Ghana muss man für seine Lehre bezahlen. Damit sie diese Wege ebnen kann, will sie ihr Geburtsland in allen Facetten verstehen, um unterstützend wirken zu können.

Regina Dwomoh ist der persönliche Kontakt zu den Kunden sehr wichtig, da sie nicht nur Bettwäsche verkaufen möchte, sondern auch ein Stück ihrer Kultur. Sofern es ihr möglich ist,  trifft sie sich persönlich mit ihren Käufern. Bei Fragen oder Bestellungen kann sie unter: serwaa.bettwaesche@remove-this.googlemail.com kontaktiert werden oder über ihre Facebook Seite:

Serwaa Bettwäsche- afrikanische Inneneinrichtung

„Serwaa steht dir gut", so lautet der Slogan von Serwaa-African Home. Um herauszufinden was Serwaa ist, habe ich mich mit Regina Dwomoh getroffen.

Wie würdest du Serwaa beschreiben?

Mit Serwaa bist du ganz sicher kein Mauerblümchen. (beschreibt Regina keck ihr „Baby") Serwaa ist frech, stolz und selbstbewusst. Für mich ist es eine weibliche Schnittstelle der Kontinente, die räumliche Grenzen überschreiten möchte.

WelcheBedeutung hat Serwaa für dich?

Serwaa steht für meine persönliche Selbst­verwirklichung. Wünsche, Hoffnung und Neugier, gepaart mit Leidenschaft für Heimat und Kultur.

Gibt es etwas, dass du anderen Menschen mit auf den Weg geben würdest, wenn es um ihre Ideen geht?

Eine Idee kann zum Lebenselixier werden und da ein solches Rezept selten vom Himmel fällt, ist es wichtig geduldig zu sein und die Umsetzung mit Liebe und Ehrgeiz zu verfolgen.

Wann kam für dich der Schlüsselmoment, um mit Serwaa zu beginnen?

Das Leben kann dich ganz plötzlich wie ein Lastwagen überrollen, nur dass er dich nicht umbringt! Vor ca. 3 Jahren hatte ich dieses Erlebnis! (Regina lacht laut-natürlich mein ich das im übertragenen Sinne.) Ich wollte selbstständig sein, etwas gründen, das Freude macht, kreativ und vielseitig ist. Mein Hauptaugenmerk galt und gilt vor allem aber der Gestaltung eines fairen Unternehmens.

Hast du ein langfristiges, nachhaltiges Ziel, dass du mit Serwaa erreichen möchtest?

(Runzelt die Stirn) Nachhaltig: dieses moderne, auf alles übertragbare Wort ist immer sehr irritierend für mich.

Mein Ziel ist es mit Serwaa zu wachsen. Der Gesellschaft in Ghana möchte ich gerne etwas zurückgeben. Einen vergüteten Ausbildungsberuf für Schneider schaffen, statt dass sie landesüblich für die Ausbildung bezahlen müssen. Ich finde es schade, dass die afrikanischen Stoffproduzenten immer mehr an Wert verlieren. Die Globalisierung hat hier viel kaputt gemacht und die Wertschätzung für Kultur ist verloren gegangen.

Warum hast du dich für Bettwäsche entschieden und nicht vorrangig für Kleidung?

An Kleidern versucht sich irgendwie jeder! Bettwäsche haucht einem Schlafzimmer Leben ein, weg von dem Lifestyle: „außen hui innen pfui" – Schlafen mit Stil.

Wie finanziert sich Serwaa?

Eigenfinanzierung - im kleinen Rahmen!

Welche Bedeutung hat Schlafen für dich?

Ca. 1/3 meiner Lebenszeit verbringe ich im Bett, deshalb bin ich der Meinung, dass gerade dies ein Ort der Freude und  des Wohlfühlens sein sollte.

Worum geht es dir mit "Serwaa steht dir gut"?

Für mich ist die Kombination mit dem Bunten ausschlaggebend, denn Serwaa – die bunte Eleganz bedeutet nicht, dass man aussehen muss wie ein Paradiesvogel, es sei denn man steht darauf. Serwaa ist stillvoll und stolz und macht Spaß.

Wie wählst du die Stoffe aus, die du für deine Bettwäsche und deine Kollektion nutzt?

Die Geschichten der Stoffe sowie die Muster und Farbzusammensetzungen sind ausschlaggebend.

Worüber erzählen manche Stoffe?

Einer meiner liebsten Stoffe heißt „Familienmitglied": Kleine Steinchen sind hierauf zu sehen, die man unter seinen Schuhsohlen von den Straßen mit nach Hause trägt. Sie gehören zum Alltag dazu -sind ein Teil der Familie.

Was möchtest du Menschen, die mit Serwaa das erste Mal in Berührung kommen mit auf den Weg geben?

Ein entspanntes, buntes Aufstehen ist wie ein gutes Frühstück! Unersetzlich!

Stefanie Tendler schreibt für die Freunde der Künste Berliner Geschichten