23.04.2016 13:10 "Was habe ich falsch gemacht?"

Erbärmlicher geht es nicht mehr - Anne Wills Eiertanz um die Rente

Die Supermoderatorin Anne Will

Die Supermoderatorin Anne Will weiß keine Antwort auf die Frage "Was habe ich falsch gemacht?". Stattdessen dürfen die Herrschaften in den feinen Anzügen uns die Welt erklären.

Rainer Kahni und Gottfried Boehmer klaeren aufAngela Merkel weiss auch nichts
Von: Rainer Kahni und Gottfried Böhmer

Das war erbärmlich - Mangels anderer Alternativen war Rainer Kahni gezwungen, am Sonntag abend die allsonntagabendliche Talkshow der Supermoderatorin Anne Will anzusehen. Das Thema war wichtig, die Präsentation war trostlos.

Auf die verzweifelte Frage der Putzfrau "Was habe ich falsch gemacht?" wurde die einfache Frau von elegant gekleideten Politikern, Journalisten, Unternehmern und Wissenschaftlern mit Statistiken zugeschüttet. Sie hat 45 Jahre gearbeitet und erwartet eine Rente an der Armutsgrenze. Die Renten sind eben nicht sicher. 50 % der Rentner erwarten eine Rente unterhalb der Armutsgrenze.

Die Rentner in die Trostlosigkeit entlassen

Die Sozialdemokraten in enger Zusammenarbeit mit den Grünen haben es fertiggebracht, die Rentner in die Trostlosigkeit zu entlassen. Während sie selbst Renten kassieren, für die sie niemals eingezahlt haben und für die ein Arbeiter rund 300 Jahre gearbeitet haben müsste. Um die gescheiterte Riesterrente wurde herumgeeiert, als ob eine Krankenschwester noch das Einkommen hätte, in die Riesterrente einzubezahlen. Die EZB hat mit ihrer Null-Zinspolitik die Sparer kalt enteignet.

So sieht also die Solidarität bei den Alten, Kranken, Rentnern und sozial Schwachen in der Bundesrepublik Deutschland aus. Auf die nächstliegende Idee, alle Erwerbstätigen, auch Beamte und Selbständige, gesetzlich zu verpflichten, in die Rentenkassen einzubezahlen, kam niemand der Gäste.

Das wäre Solidarität. Das ist in Österreich, in der Schweiz, in Frankreich und in vielen Ländern Europas so. Deutschland schont diese Klientel. Das ist der eigentliche Skandal. Und was ist die Lösung für die Herrschaften? "Anpassung an Lebenserwartung Schäuble fordert höheres Rentenalter"

SPD feiert Mindestlohn

Einer der Wissenschaftler rechnete bei Anne Will vor, das bei einem Mindestlohn von 13 Euro ein Arbeiter/in 45 Jahre Knechten muß um eine Rente von 840 Euro zu erhalten. Davon könnte er niemals leben. Darauf können sie sich ein Ei schlagen, und den politikern in die Fresse. Die SPD läßt sich heute noch für einen Mindestlohn von 8.50 feiern, einen der niedrigsten in ganz Europa.

Hat Anne Will nur ein Herz für die Oberen 100.000?

Hat es Tucholsky noch erlebt? Hat es Lichtenberg noch erlebt? Hat es Heinrich Heine noch erlebt? Hat es Brecht noch erlebt? Hat es Schopenhauer noch erlebt? Haben es Goethe und Schiller noch erlebt? Ich wage es nicht, mich mit diesen grossen Deutschen zu vergleichen. Doch auch ich werde es nicht mehr erleben, dass sich die Deutschen gegen das offensichtliche Unrecht erheben.

Gleichwohl muss ich weiterarbeiten, weil ich einfach nicht einsehen mag, dass sich die Oberen 100 000, die Politiker, die Lobbyisten, die Medienzaren und die arroganten Pinsel der New Economy über das arbeitende Volk erheben und lustig machen. Es kann nicht sein, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung in Ihrer Dumpfheit sich eine Demokratie vorspielen lässt, die keine ist.

Es darf nicht sein, dass die Mehrheit der Deutschen sich mit einem Almosen als Lohn zufrieden gibt, ihre Löhne, Steuern und Abgaben in die Rentenkassen entrichtet, während Selbständige und Beamte nie in die Sozialkassen einbezahlt haben und im Alter leben, wie Gott in Frankreich.

Wann, Deutsches Volk, wehrt ihr Euch gegen dieses Unrecht, wann erhebt ihr Euch, wann steht ihr auf? Wollt ihr ewig als dummes Volk von der ganzen Welt ausgelacht werden? DEMOKRATIE JETZT ODER NIE, oder ihr bleibt ewig Untertanen. Das Buch wird Ende April lieferbar sein.

Deutschland ist ein sehr ungerechtes Land

Aber nicht nur die Rentner sind betrogen. Die Deutschen zahlen einen Spitzenwert an Steuern und Abgaben und so bleibt kaum etwas übrig, um sich gegen die Altersarmut zu schützen. Das ist den Herren in den feinen Anzügen aber auch egal. Arbeitnehmer müssen in Deutschland deutlich mehr Steuern und Abgaben zahlen als in den meisten anderen Ländern der ganzen Welt.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am 12. April 2016 veröffentlicht wurde. Nur Belgier und Österreicher müssen mehr Steuern und Abgaben abführen.

Der Generalsekretär der OECD Angel Gurría sagte schon am Dienstag, 13. Mai 2014 in Berlin: Gute Löhne. Ein faires Steuersystem. Gleiche Chancen. Ausreichende Bildungsinvestitionen. Nichts von dem sieht die OECD in Deutschland mehr gewährleistet.

Jakob Augstein schrieb am 15. Mai 2014, "Ob die Sozialdemokraten in der Regierung saßen oder nicht - die soziale Schere hat sich in Deutschland immer weiter geöffnet. 1970 verfügte das oberste Zehntel der Gesellschaft über 44 Prozent des gesamten Nettogeldvermögens. 2011 waren es 66 Prozent. (Anmerkung der Redaktion, 2016 sind es vieleicht schon über 80 Prozent.)

Kein Wunder. Unser Steuersystem begünstigt die Unternehmen und die Reichen. Achtzig Prozent des Steueraufkommens stammen aus Lohn- und Verbrauchssteuern. Nur zwölf Prozent aus Unternehmens- und Gewinnsteuern. Die Arbeitnehmer wurden im Stich gelassen. Am schlimmsten haben die Gewerkschaften versagt".

Um es gleich noch mal zu sagen, das hier ist keine Neiddebatte. Hier geht es um Gerechtigkeit und das was in Deutschland passiert, immerhin haben wir mittlerweile eine Staatsquote von 81 Prozent, und das hat mit Gerechtigkeit nichts mehr zu tun. Das ist Ausbeutung.

4 Jahre im Bundestag bringen mehr als ein Leben lang arbeiten

Nach nur einer Legislaturperiode bekommt ein Bundestagsabgeordneter im Ruhestand mehr Bezüge als ein Geringverdiener durch seine gesamte Lebensleistung erwirtschaften kann. Das bedeutet, das ein Abgeordneter innerhalb einer einzigen Legislaturperiode bereits Anspruch auf 932 Euro Ruhegeld erwirtschaftet, wie Focus Online berichtet. Die aktuellen Diäten der 630 Bundestagsabgeordneten steigen dann ab Juli 2016 von 9082 auf 9327 Euro brutto im Monat.

Fast schon süffisant hat Augstein angemerkt, dass der Bürger sich darauf verlassen hat, dass die Parteien, die Gewerkschaften und die Medien sich der Sache der Gerechtigkeit annehmen würden. Alle drei haben nach unserer Meinung die Bürger, den Steuerzahler regelrecht in die Pfanne gehauen.

Dazu ein paar schöne Zahlen: 1989 hat ein DAX Vorstand durschnittlich 500 000 DM verdient. 2010 verdiente ein DAX Vorstand im Durchschitt 6 Millionen Euro (12 Millionen DM) 1998 war das zwanzigmal so viel wie das Einkommen eines Arbeitnehmers, heute verdienen die Herren das zweihundertfache.

DAX, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her, sagen wir.

Augstein schrieb: Die Medien und Gewerkschaften haben den Weg in die Ungleichheit freundlich begleitet. Ich gehe da noch weiter: Politiker, Gewerkschaften und die Leitmedien haben in gemeinsamer Zusammenarbeit dafür gesorgt, dass es ihnen sehr prächtig geht. Und man war sich einig, dass der Reichtum der "ihren" nur zu steigern ist, wenn die anderen (das Volk, der gemeine Bürger) arm werden und auch bleiben. GESCHAFFT.

Einkommens-Armut in Deutschland

In Deutschland, leben Millionen Menschen mittlerweile in (Einkommens-Armut) Der Großteil ihres Einkommens dient der Absicherung elementarer Lebensbedürfnisse, aber zu mehr reicht es auch nicht. Fast 40 Prozent der Deutschen verfügen trotz harter Arbeit über kein Vermögen, also nicht mal ein paar Spargroschen. Dank an die Bundesregierung und ihrer Vorgänger.

Und die nächste Schweinerei wird gerade hinter unserem Rücken vorbereitet. Das transatlantische Freihandelsabkommen kurz TTIP für Transatlantic Trade and Investment Partnership wird uns noch ärmer machen. VERSPROCHEN. Dass alle deutschen Großkonzerne das Abkommen lieber heute als morgen hätten, sollte nun niemanden verwundern.

Und warum werden auf Verlangen der USA die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen GEHEIM geführt und nicht, wie in einer Demokratie üblich, öffentlich diskutiert, fragte unlängst unser Autor Rainer Kahni.

"Die Menschen sind grundsätzlich unzufrieden, weil sie den Eindruck haben, im Bundestag gibt es keine Unterschiede mehr zwischen den Parteien." Das sagte vor einigen Tagen Carsten Linnemann (CDU) Chef der Mittelstandsvereinigung.


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Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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