06.02.2018 14:46 wo bleibt der Tierschutz

Die GroKo aus CDU, CSU und SPD halten nichts vom Tierschutz

Heftige Kritik an GroKo-Plaenen für Nutztierhaltung. Ferkeln wird weiterhin routinemäßig der Schwanz abgeschnitten

Heftige Kritik an GroKo-Plänen für Nutztierhaltung. Ferkeln wird weiterhin routinemäßig der Schwanz abgeschnitten. Foto:© VIER PFOTEN, Fred Dott

Von: GFDK - Reden ist Silber

Den Tierschützern steht das Entsetzen im Gesicht geschrieben. Auch die GFDK-Redaktion ist von den GroKo Verhandlungen wenig begeistert. Die Deutschen wollen, das ist in unzähligen Umfragen bestätigt, einen viel besseren Tierschutz und eine viel bessere Tierhaltung.

Warum geht die Poitik nicht darauf ein? Nun bei der CDU/CSU liegt es ja auf der Hand, die großen Tierverarbeiter und Fleischpoduzenten, gehören seit eh und je zu ihrem Wahl Klientel. Aber was treibt die SPD? Warum geht die SPD dem Thema aus dem Weg?

LIDL macht es vor - So kann man Tierschutz unterstützen

Erst vor wenigen Tagen hat der Discounter LIDL die CDU/CSU und SPD blamiert indem das Unternehmen mitteilte, das es ab April 2018, freiwillig alle Frischfleischprodukte (Schwein, Rind, Pute, Hähnchen) seiner Eigenmarken nach dem Vorbild der Eierkennzeichnung durch ein 4-stufiges Modell kennzeichnen will, damit der Verbraucher weiß woher das Fleisch kommt.

Der sogenannte „Haltungs-Kompass“ soll vom gesetzlichen Mindeststandard in der niedrigsten Stufe bis zu Tierhaltung nach Bio-Standards auf dem höchsten Level reichen.

Koalitionsvertrag noch schlechter als vor vier Jahren

Hamburg, 5. Februar 2018 – Die Koalitionäre aus CDU, CSU und SPD haben sich auf ein gemeinsames Regierungsprogramm für die nächsten vier Jahre geeinigt. Die internationale Tierschutzstiftung VIER PFOTEN kritisiert, dass der Koalitionsvertrag im Bereich Tierschutz noch ernüchternder ausfällt, als vier Jahre zuvor bei der letzten GroKo.

Kristin Karnbach, Politische Referentin von VIER PFOTEN:
„Keine der großen Missstände im Tierschutz werden von den Koalitionären angesprochen. Weder in der Nutztierhaltung noch in anderen Bereichen. Wir brauchen dringend Maßnahmen gegen den illegalen Welpenhandel und eine Regulierung des Verkaufs von Tieren im Internet und auf Tierbörsen.

Es gibt noch immer kein Wildtierverbot in Zirkussen – Deutschland ist hier absolutes Schlusslicht in Europa. Mit diesen wenig ambitionierten Vorhaben zeigt die GroKo, welche geringe Rolle das Wohl der Tiere in den nächsten vier Jahren spielen wird. Das ist schon jetzt ein Armutszeugnis.“

Heftige Kritik an GroKo-Plänen für Nutztierhaltung
VIER PFOTEN kritisiert die GroKo-Pläne im Bereich der Nutztierhaltung. Sauen dürfen weiterhin wochenlang in Kastenständen eingesperrt werden, Ferkeln dürfen weiterhin routinemäßig die Schwänze abgeschnitten werden.

Freiwilliges Tierwohllabel: keine Verbesserungen im Stall
Das von den Koalitionären vorgeschlagene freiwillige Tierwohllabel wird dem Wunsch nach Transparenz nicht gerecht und wird kaum zu Verbesserungen im Tierschutz führen.

Deswegen fordert VIER PFOTEN eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für Fleisch, Milch sowie für Produkte mit verarbeiteten Eiern, nach dem Vorbild der Frischeier-Kennzeichnung (0-3).

Diese verpflichtende Haltungskennzeichnung bietet langfristig nicht nur eine flächendeckende Verbesserung des Tierschutzes in der Nutztierhaltung und Transparenz für Verbraucher, sondern schafft ebenfalls eine Planungssicherheit für Landwirte.

Stall-TÜV: Alter Hut
Das als "Stall-TÜV" bezeichnete bundeseinheitliche Prüf- und Zulassungsverfahren für serienmäßig hergestellte Tierhaltungssysteme stand bereits im letzten GroKo-Koalitionsvertrag, wurde aber nicht umgesetzt.

Ein Stall-TÜV ist notwendig, um tierschutzrelevante, serienmäßig hergestellte Stallhaltungssysteme und -elemente gar nicht erst auf den Markt zu bringen. Eine Bewertung nach Tierschutzkriterien würde nur positiv geprüfte Stallhaltungssysteme zulassen.

Küken-Töten bleibt
Statt das längst überfällige Verbot des Tötens männlicher Küken auszusprechen, setzt die Politik weiterhin auf eine freiwillige Vereinbarung mit der Wirtschaft und wartet auf die Praxisreife der Geschlechts-Früherkennung im Ei. Diese wird vermutlich erst 2019 marktreif sein.

Richtiger wäre laut VIER PFOTEN eine Förderung in Richtung Zweinutzungshuhn. Dies würde einen Weg bereiten, der weg von der Hochleistungszucht mit ihren vielfach tierschutzrelevanten Nachteilen für die Tiere hin zu einer nachhaltigen Tierzucht führt. Viele Hochleistungsrassen leiden an schmerzhaften Entzündungen der Lege-Organe.

Die Zucht auf extrem hohe Ei-Leistung macht die Tiere systematisch krank. Männliche Tiere dieser Legelinien werden getötet, sie setzen zu wenig Fleisch an und eignen sich daher nicht zur Mast, da Legeleistung und Fleischansatz negativ korreliert sind.

Zweinutzungshühner dagegen legen weniger Eier, bleiben dadurch länger gesund und die männlichen Küken setzen besser Fleisch an und könnten zur Mast genutzt werden.

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