01.08.2012 11:29 Klamauk, rote Haare und eine grandiose Stimme

Auftakt der 10. Thurn & Taxis Schlossfestspiele 2012 - Wie im Märchen: Die Zauberflöte im Schlosshof

Liane Bednarz war für die Freunde der Künste in Regensburg (c) Bild 1 bis 4 Günter Staudinger

Von: Liane Bednarz - 6 Bilder

Die Zauberflöte im fürstlichen Schlosshof. Prinz Pamino und Prinzessin Pamina in der Märchenkulisse St. Emmerams. Was für ein Auftakt für die Thurn & Taxis Schlossfestspiele, die heuer zum 10. Mal einluden. Und auch diesmal ein zauberhaftes kulturelles Potpourri boten, von Katie Melua über Roger Cicero und Peter Kraus bis hin zu Vittorio Grigolo.

Oper für jedermann, für die ganze Familie hieß es also. Aufgeführt von der Oper Chemnitz. Die Inszenierung von Dominik Wilgenbus betonte passend dazu die lustigen Seiten des märchenhaften Stücks. Und die Gegensätze. Edle und filigrane (Guibee Yang als Pamina) bzw. ausdrucksstarke (Julia Bauer als Königin der Nacht) Frauenfiguren kontrastierten auffällig mit den männlichen Protagonisten, die - rollengemäß – mal eher derb (Andreas Kindschuh als Papageno) und- nicht rollengemäß – mal eher facettenlos (André Riemer als Tamino) waren.

Anmut und Abgrund – Pamina und die Königin der Nacht

Guibee Yangs Pamina be-, ja verzauberte die Zuschauer. So viel Anmut, so viel Grazie, so viel Zartheit und Feenhaftigkeit sind selten. Eine wahre Prinzessin im weißen, chiffondurchzogenen Gewand. Stimmlich unterstrichen durch ihren hellen, glasklaren und unschuldig wirkenden Sopran. Und die perfekte Antipode ihrer Mutter, der Königin der Nacht. Dominik Wilgenbus widerstand der Versuchung, jene durch eine überbordende gothichafte Optik zu überzeichnen.

Gewiss trug sie ein dramatisches schwarzes Gewand, gewiss wirkte sie düster. Aber wirklich ausgefüllt wurde die Figur durch Julia Bauers nahezu perfektes Mimikspiel, durch ihre zugleich subtile und dramatische Körpersprache. In jeder Sekunde spürte man die Boshaftigkeit und den Hass, sah man das rachsüchtige Herz der nächtlichen Königin, das die eigene Tochter zum Vatermord verführen will.

Auch Julia Bauers stimmliche Leistung war herausragend, unterstrich die Verdorbenheit, die Verlorenheit, den abgründigen und manipulativen Charakter, wenngleich ihrer Arie der Königin der Nacht vielleicht der allerletzte Tick Strahlkraft fehlte. Allerdings machten es die kühlen Temperaturen und der ab der Pause einsetzende Platzregen den Sängern auch alles andere als einfach.

Klamauk, rote Haare und eine grandiose Stimme: Kindschuhs Papageno

Bei den männlichen Charakteren Papageno und Tamino zeigte Wilgenbus ein Faible für leuchtend rotes Haar, gepaart mit einem Schuss Ironie – trugen doch zwei weiße Bauern des Schachspiels ebenfalls leuchtend rote Perücken. Der lustige Vogelsänger Papageno machte in seiner Schusseligkeit und fehlenden Tollkühnheit seiner Rolle alle Ehre, rutschte aber bisweilen arg ins Klamaukhafte ab. Stimmlich aber war Andreas Kindschuh herausragend und fing vor allem die hinter allen Albernheiten versteckte Wehmut des einsamen Papageno ein. Das Publikum dankte es ihm mit langem und begeistertem Applaus.

Sarastro als esoterische Fantasyfigur

Schade, dass demgegenüber der in der Oper eigentlich angelegte heldenhafte Charakter Taminos kaum zum Vorschein kam. André Riemer sang ihn zwar gut, wirkte aber inszenatorisch oftmals auf der Bühne etwas verloren. Sarastro (Kouta Räsänen) hingegen hatte zwar eine große Bühnenpräsenz, erinnerte allerdings in seinem weißen Gewand, mit seinen langen Haaren und der ornamentalen Esoterikkette an den Anführer einer nach Erleuchtung suchenden Hippiekommune oder den Helden eines Fantasy-Epos. Sein tiefer, sonorer Bass glich dies jedoch aus und verschaffte ihm die notwendige Gravitas.

Kontrastreiche Bühne im Schlosshof

Kontrastreich war auch das Bühnenbild: mal elegant-puristisch, mal kindlich-märchenhaft, und manchmal auch etwas naiv. Dreh- und Angelpunkt war die bereits im Libretto angelegte weiße Pyramide, die sich beliebig öffnen, schließen und ausdehnen ließ. Mit fortschreitender Dunkelheit zogen die irisierenden Lichtspiele das Publikum in den Bann. Mal tauchte die weiße Pyramide in ein sattes Grün, mal in ein strahlendes Rot und mal in ein tiefes Blau ein. Im Kontrast dazu stand das düstere schwarz-graue Weltall, das den Hintergrund für die Auftritte der nächtlichen Königin bot. Ein bisschen weniger Dampf aus der auf Hochtouren laufenden Nebelmaschine hätte es allerdings auch getan.

Kindlich-märchenhaft hingegen waren zumeist die Kulissen für Papagenos Szenen. Hier sah man einen schlaraffenlandartigen Baum, an dem überdimensioniertes Obst aller Art wuchs. Zu klamaukhaft hingegen wirkte der Kinderwagen mit den Babypuppen, den die schwerstverliebten Papageno und Papagena in Vorfreude auf künftigen eigenen Nachwuchs euphorisch über die Bühne zogen. Alles in allem jedoch war diese Zauberflöte ein schönes Erlebnis für das buntgemischte Premierenpublikum.

Keine hochintellektuelle Inszenierung, aber das muss ja gerade bei diesem Stück auch nicht immer sein. Schikaneders Libretto nämlich zeigt durchaus auch Singspiel-Züge. Und nur wenige Opern haben ähnlich viele weltberühmte Melodien hervorgebracht, wurden allgemeines Kulturgut. Nicht nur für die hochkulturelle Elite. Mozart, das Genie, begeistert einfach alle. Und deshalb gilt auch weiterhin: Rock me, Amadeus.

Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."