11.02.2018 12:34 Beeindruckend und aufregend

Portrait des Monats - Catrine Val - Die Mode vom Sockel stürzen - WAYS OF ESCAPE! politics of the body

Die Mode vom Sockel stuerzen

Die Mode vom Sockel stürzen (c) Catrine Val, Fotos: Jan Friese

Die Aura der Mode ordnet sich in ihrer unterschiedliche Funktionalitaet und AEsthetik zugunsten des Unheimlichen, unter

Die Aura der Mode ordnet sich in ihrer unterschiedliche Funktionalität und Ästhetik zugunsten des Unheimlichen, unter.

Das  moderne Leben hat sich von der Echtheit und Solidität weit entfernt

Das moderne Leben hat sich von der Echtheit und Solidität weit entfernt.

Mit der Gewissheit, das man tut, was die anderen tun, weil die Mode sich ohnehin aendert

Mit der Gewissheit, das man tut, was die anderen tun, weil die Mode sich ohnehin ändert.

Von: GFDK - Portrait des Monats - Gottfried Böhmer

Catrine Vals künstlerische Position entwickelt sich aus einer bedingungslosen Neugierde am Diskurs im Umgang mit Kommunikationsmedien und den damit einhergehenden Hinterfragung einer medienkulturellen Identität, die sich ihrer sozialen, politischen, ästhetischen und ethischen Eingebundenheiten bewusst ist. 

Der Schwerpunkt ihrer Arbeiten liegt in der Videokunst, wie in der konzeptuellen inszenierten Fotoarbeit. Thematisch stellen sie sensible, gesellschaftliche Beobachtungen an, die oft zum Environment inszeniert, das Verhältnis der Betrachter zum Videobild, untereinander gestalten.

Im Vordergrund trat in den letzten Arbeiten wie  „Ich bin ein Anderes oder der hybriden Installation von „YouPrompt die produktive Gestaltung des Spannungsfeldes von virtuellen und realen Beiträgen im Experiment.

Im Kern bezogen sich die Installationen auf das ständig wachsende und auf YouTube abgelegte Videomaterial, in seiner ambivalenten und zuweilen belanglos erscheinenden Vieldeutigkeit. Aus den vorangegangenen Ansätzen und der bisherigen Arbeit entwickelt sie gerade das Konzept SHEPARL.

Gegenstand  der Hinterfragung wird auch hier die gesellschaftliche Funktion von Medien und deren kulturelle Bedeutung. Das Projekt SHEPARL überträgt die neuen partizipatorischen Kulturen, die sich im Internet entwickelt haben, auf politische Prozesse und untersucht, welche Rolle moderne Kommunikationsmedien im politischen Diskurs der Zukunft spielen können.

Kann man eine Verwirklichung der medienkulturellen Identität, die sich ihrer sozialen, politischen, ästhetischen und ethischen Eingebundenheiten bewusst ist, alleine nur durch das Nachahmen erzeugen? Doch ihr Hauptfokus liegt gerade  bei der Fortsetzung der inszenierten Modefotographie unter dem Titel „ WAYS OF ESCAPE“ mit aus Modekampagnen bekannten Haltungen und Posen in der Vervielfältigung einer einzigen Person.

Zum Thema:

Unsere Zeit wird von einer Welle des Narzissmus und einem Kult der Selbstdarstellung heimgesucht. Bezogen auf den Prozess des Sich-Selbst-Seins thematisiert der neue Fotozyklus von Catrine Val den Blick auf Fiktion zwischen Individuation und Sozialisation, zwischen Emotion und Kognition.

In diesem Sinne entspricht Catrine Val genau dieser Definition. In den neuen Fotoarbeiten WAYS OF ESCAPE! schlüpft Catrine Val in jedes einzelne Model. Aus den Schablonen des Jugendcodexes heraus konfrontiert sie den Betrachter

mit ihren körperlichen Abweichungen. Bei den Hochglanzaufnahmen handelt es sich wie bei dem vorangegangenen Fotozyklus „BIG BANG“ um ein Re-enactment in jeder Hinsicht. Das Modell als abstrakte Idee ist nicht mehr als eine Form.

Die Mode vom Sockel stürzen

Das Triptychon INGENIEUR thematisiert in ihrem Medium der Fotografie das Diktat des Flüchtigen in scheinbar, leeren dem Menschen übergeordneten, codierten Räumen. Die Aura der Mode ordnet sich in ihrer unterschiedliche Funktionalität und Ästhetik  zugunsten des Unheimlichen, unter.

Die zitierten Kleidungsstücke: der erotisierende Bikini, das wallend aufgeladene Chiffonkleid und die Konzeptualität eines Martin Margilia, dienen lediglich als Orientierungshilfe.

Die Isolation der Figuren von INGENIEUR steigert sich durch die graphische Dominanz in ihrer räumlichen Erinnerungen, in eine Verlorenheit, die als Schmerz empfunden werden kann. Voran marschieren, angetrieben von ihrer klassischen Stärke: der Körperlichkeit.

Der Blick des Zuschauers ist der des Exerzierens eines Objektes, als Lehrgegenstand. Die skulpturale oberflächliche Maskerade spricht gegen die Individualität und zerstört in ihren Formen und Kleiderhüllen, die Illusion von der andauernden Jugend.

eide Geschlechter agieren. Der weibliche Körper als männliche Statue mit dem Gewicht

Attitüden und Posen

Das  moderne Leben hat sich von der Echtheit und Solidität weit entfernt. Mit der Gewissheit, das man tut, was die anderen tun, weil die Mode sich ohnehin ändert.

Das Konzept der Fotoarbeit ICH UND ES sieht erneut eine Gratwanderung entlang Irritation, Persiflage und Verletzbarkeit vor und bedient sich dabei einer Vorlage von Gianni Versace, in der besetzung einer gleichzeitig von ihr imitierenden Claudia Schiffer.

TEAM:

Fotograf: Jan Friese

Fashion & Styling: Ekachai Eksaroj

Hair& Makeup: Rebecca Keim

Postproduction: Jens Greber 

inszenierte Wirklichkeit

Mit der Erweiterung unserer zwischenmenschlichen Kommunikation durch die verschiedenen Dienste des Internets wächst die Bedeutung virtueller sozialer Netzwerke. Das Tempo, in dem man sich über Grenzen, und Zeitzonen hinweg bewegt, ist rasantund steigt beständig.

In der großformatigen Farbphotographie TREAP entwickelt Catrine Val eine Interdependenz zwischen realen, kopierten und inszenierten Wirklichkeiten. All diese metaphysischen Mysterien werden durch die unmittelbare Verdopplung der Welt – das Mitlaufen des perfekten Doubles der Realität in Echtzeit – in Facebook, MySpace oder You- Tube neu definiert.

Modefotografie

TREAP

Den Ausgangspunkt für das Motiv von TREAP bilden die auf YouTube geposteten Videobotschaften der Miss World Wahl 2008. Catrine Val imitiert stellvertretend 11 Miss-World-Anwärterinnen aus unterschiedlichsten

Nationen in einer Collage. Da die medialen Fiktionen rund um die Schönheitsköniginnen einer „Miss Rushia“, „Miss Ethiopia“ oder „Miss Turkey“ im gleichen Maße um die Verführungskunst oberflächlicher Scheinwelten kreisen wie in der Mode, zitiert TREAP exemplarisch die viel beachtete

Anzeigenkampagne der Herbst-/Winterkollektion 2006 der deutschen Modefirma Escada. Mit vielen echten Fellen und grellen Farben steht diese Kampagne - aus heutiger Sicht in Zeiten der Rezession – für den Zenit eines längst vergangenen expressiven Luxus.

Camouflage

Das Styling in TREAP orientiert sich an der von den 11 Schönheitsköniginnen während ihrer Interviews auf YouTube getragenen privaten Kleidung. Man erkennt ansatzweise unterschiedliche,landestypische Modevorlieben und Auffassungen.

Dicht gedrängt werden in TREAP 11 Nationen gleichberechtigt nebeneinander gestellt. Die Nachahmung birgt ein unheimliches wie auch sinnliches Potenzial. Am Ende hinterfragt TREAP als glamouröse Camouflage

getarnt, das alltägliche Verwirrspiel von realen, kopierten und inszenierten Wirklichkeiten. Der Titel der Fotoarbeit „TREAP“ zitiert einen Begriff aus der Informatik: Dort bezeichnet dieser einen binären Suchbaum mit einem genau definierten Procedere für die Datenstruktur

TREAP

Catrine val

Digitalprint, 2009

306 x 94 cm

Foto: Jan Friese

Hair & Make-up: Rebecca Keim

Stylist: Ekachai Eksaroj

Postproduktion: Jens Greber

WAYS OF ESCAPE!

Romy Schneider, die ihrerseits im Film „L‘important c‘est d‘aimer“ (1975) von Andrzej Żuławski eine erfolglose Schauspielerin  verkörpert. In dem Videoloop  wird nur  eines Szene des Filmsets  komplett nachgestellt:

Romy Schneider als Nadine Chevalier steht isoliert vor der Leinwand und bittet alle anwesenden Fotographen und Kameramänner, kein einziges Abbild mehr von ihr zu machen: „ S‘il vous plaît pas de photos, pas de photos “. Ungeachtet ihrer Bitte bricht „ Nadine“ kurz darauf im  Blitzlichtgewitter  der Fotoapparate zusammen.

Die Kamera verweilt auf ihrem Gesicht, während ihre Hand versucht, dieses zu schützen. Stellvertretend für dieses medienreflektorische Phänomen hat die Sequenz in Zeiten von Flicker, Youtube und Facebook nichts von ihrer Brisanz verloren.

Catrine Val adaptiert Romy Schneider mit ihrem Team. Jan Friese ist der Modefotograph und gleichzeitig Schlüsselfigur ihrer letzten Produktionen. Das Klicken der Kamera ist hier übertragen als  physischen Schmerz.

Der Zuschauer wird zum Voyeur  und ist Komplize im Dreiecksverhältnis von Kamera, Fotograph und Model. Der  Voyeurismus erfährt allerdings eine überraschende Wandlung ins Schamgefühl.

Werdegang
seid 2004
Künstlerisch-Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Klasse Bjørn Melhus, Kunsthochschule Kassel

2001 - 2004

Postgraduiertes Studium bei Valie Export, Marcel Odenbach und Horst Königstein Kunsthochschule für Medien, Köln,

1994 – 2001

Studium der Freien Kunst, Klasse Urs Lüthi, Kunsthochschule Kassel

1991-1993

Arbeit in der Webeagentur Dr. Puttner & BSB; Wien

1988 - 91

Höhere Berufsfachschule für Graphik & Design, 

Ausstellungen

2010
HUMAN  RIGHTS, Fondazione Opera dei Caduti

Rovereto, Italy

startUP, Sala Birolli, Verona, Italy
BIG BANG, Einzelausstellung, Politics of the body

Galerie König, Berlin
2009

26. Kasseler Dokumentarfilmfestival Monotoring, Kassel

Images Recalled,3. Foto-Festival, Kunsthalle Mannheim

Gemeinsam in die Zukunft Frankfurter Kunstverein

Ich bin ein Anderes Stiftung Starke, Einzelausstellung, Berlin

2008

Monkey Up Plug In, Einzelausstellung, Basel Schweiz

2007

WATERCOLOURS, Galerie König, Hanauport

2006

Fremd bin ich eingezogen Kunsthalle Fridericianum, Kassel

Coolhunter, Kunsthalle Budapest, Ungarn

Blosses Außen U-Bahngalerie, München

2005

Coolhunter, ZKM, Karlsruhe

Altitude KHM, Köln

Coolhunter, Kunsthaus Wien

2004

Transmitter, European Media Art Festival, Osnabrück

2002

Feminale, Köln

Unplugged, Ars Electronica, Linz, Österreich

2001

Monitoring, DokFest, Kassel

2000

Das erste Mal Marburger Kunstverein

1998

Rundgang 2

Museum Fridericianum, Kassel

Zur Künstlerin: Catrine Val, geboren 1970 in Köln, studierte Kunst bei Urs Lüthi, Valie Export, Marcel Odenbach und Horst Königstein und arbeitete an der Kunsthochschule Kassel. Ihre Video- und Fotoarbeiten waren Bestandteil diverser Ausstellungen und Festivals. (Quelle: Kehrer Verlag)


Mit "FEMINIST" war sie bereits in der Ausstellung "Gaze upon my graze" des "Art Museum at The Art Park" in Hsinchu/Taiwan und auf dem "International Portfolio Reviews/Photo Ireland Festival" vertreten. Im Juni 2012 wurde ihr Bildband "FEMINIST" für den Renaissance Photography Prize London nominiert.
Weitere Infos unter www.catrineval.de


Catrine Val
FEMINIST

Kehrer Verlag, erschienen Januar 2012
Festeinband, 120 Seiten
ISBN 978-3-86828-290-0
36 Euro

Link:

www.catrineval.de

info@remove-this.catrineval.de