15.05.2012 15:29 mit Anerkennung und großem Respekt

Zu außerordentlichem Dank verpflichtet - Hessischer Rundfunk trauert um Wolfgang Lehr

Wolfgang Lehr Foto: hr

Von: Tobias Häuser

Der ehemalige Intendant des Hessischen Rundfunks (hr), Wolfgang Lehr, ist gestern im Alter von 91 Jahren in Frankfurt gestorben. Der Hessische Rundfunk ist Wolfgang Lehr zu außerordentlichem Dank verpflichtet und wird seiner stets mit Anerkennung und großem Respekt gedenken.

Der 1921 in Frankfurt geborene Rechtsanwalt und Medienrechtsexperte war 36 Jahre lang für den hr tätig. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen begann er 1950 als Mitarbeiter in der juristischen Abteilung des Senders, bereits ein Jahr später übernahm er als Justiziar die Leitung der Rechtsabteilung des Hauses.

1962 wurde Wolfgang Lehr zum Juristischen Direktor berufen und übernahm damit auch die Verantwortung für den Personalbereich des hr. 1972 wurde der parteilose Lehr zum stellvertretenden Intendanten ernannt. Im November 1980 wählte ihn der Rundfunkrat zum Intendanten. Dieses Amt übte er bis 1986 aus.

Bei seiner Verabschiedung im März 1986 erhielt Lehr für seine besonderen Leistungen beim Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der Verteidigung seiner Unabhängigkeit das Große Bundesverdienstkreuz.

"Sein diplomatisches Geschick, seine juristische und kulturelle Kompetenz, seine Überzeugungskraft und Ausstrahlung hat ihm überall Anerkennung und Ansehen eingebracht. Seine kollegiale Haltung, seine zahllosen Goethezitate und seine stets mit Humor gewürzten Reden bleiben uns im Hessischen Rundfunk unvergessen“, erklärt hr-Intendant Dr. Helmut Reitze.

Er hob weiter hervor, dass Wolfgang Lehr in den 80er Jahren für den Hessischen Rundfunk die Weichen ins duale Rundfunksystem richtig gestellt habe.

Lehr galt als entschiedener Verteidiger des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks und hat wegweisend an dessen verfassungsrechtlicher Verankerung mitgewirkt. Dazu gehörte unter anderem die intensive Begleitung der Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in den Jahren 1961, 1971 und 1981, die zu den drei ersten so genannten Rundfunkurteilen des BVerfG führten.

Während seiner Amtszeit als Intendant sah er seine vorrangige Aufgabe darin, die Position des hr als hessische Landesrundfunkanstalt in der sich abzeichnenden neuen Medienlandschaft zu stärken. Er verstand es, die Bedeutung und die Leistungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks allen politischen Kräften zu vermitteln.

Im Rahmen einer umfassenden Programmreform des Hörfunks wurde in seiner Amtszeit unter anderem das Konzept für hr4 entwickelt, das 1986 an den Start ging. Er wirkte außerdem an der Neuausrichtung des Dritten Fernsehprogramms mit, das von 1983 an unter dem Namen „Hessen Drei“ ausgestrahlt wurde.

Innerhalb der ARD und der Europäischen Rundfunkunion (EBU) hat sich Lehr drei Jahrzehnte lang schwerpunktmäßig um das Verhältnis zwischen Presse und Rundfunk sowie die Beziehungen zwischen Rundfunk und Sport gekümmert.

Neben seinen Aufgaben für den hr beschäftigte sich Lehr insbesondere mit Fragen der Medienpolitik. Er war Mitglied verschiedener ARD-Kommissionen und vertrat die Sendergemeinschaft in der juristischen Kommission der EBU.

Lehr veröffentlichte zahlreiche Aufsätze und Artikel zu Rundfunkrecht und Rundfunkpolitik, zeichnete verantwortlich für die ARD-Reihe „Beiträge zum Rundfunkrecht“ und war Mitherausgeber der „Kommunikationswissenschaftlichen Bibliothek“.

Tobias Häuser


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