05.07.2013 10:07 Jochen Wenz von Mardi Gras.bb:

„Wenn ich als Musiker meine Miete bezahlen will und Geld fordere, dann ist das ‚uncool‘.“

Jochen Wenz in einer Szene aus dem Film "A Silent Rockumentary" über Mardi Gras BB.

Jochen Wenz in einer Szene aus dem Film "A Silent Rockumentary" über Mardi Gras BB. © Filmfestival

Heinrich Schmitz sprach mit Prof. Hans-Peter Salentin über die finanzielle Lage von Berufsmusikern.

Heinrich Schmitz sprach mit Prof. Hans-Peter Salentin über die finanzielle Lage von Berufsmusikern.

Prof. Hans-Peter Salentin wehrt sich gegen die Umsonst-Mentalität

Prof. Hans-Peter Salentin wehrt sich gegen die "Umsonst-Mentalität" Foto: Prof. Hans-Peter Salentin / Henrich Schmitz

Von: GFDK - Felix Neunzerling - 3 Bilder

Beim Symposium „Große Freiheit Internet“ auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen äußerte sich Jochen Wenz zur Kulturflatrate und über die vermeintlichen Möglichkeiten des Internets. Außerdem sprach er über die öffentliche Wahrnehmung des Musikers als Geldverdiener.

Jochen „Doc“ Wenz sagte zur Problematik, dass Musiker als „uncool“ gelten, wenn sie mit ihrer Arbeit Geld verdienen wollen: „Wir leben doch in dem Zwiespalt, in der Außenwahrnehmung als Musiker unsere Selbstverwirklichung exzessiv voranzutreiben. Wenn ich davon aber meine Miete bezahlen will und Geld fordere, dann ist das ‚uncool‘.“

Berufsmusiker möchten von ihrer Kunst leben.

Zum Argument, welche Möglichkeiten das Internet und die Legalisierung von Filesharing doch bietet, äußerte er sich ebenfalls: „Das sind die Glasperlen am Strand von Santo Domingo, die man den Eingeborenen gibt, denen man vorher das Gold abgenommen hat.

Wenn du Musik um ihrer Wertigkeit willen machst , hast du schon verloren.

Und dann heißt es: ‚Wir geben euch diese Glasperlen und wenn ihr nur mal lernt aus diesen Glasperlen ein Geschäftsmodell zu entwickeln, dann werdet ihr gestärkt daraus hervorgehen‘. Und hier sagt man dann halt ‚ja, ihr müsst einfach umdenken, das Internet, das ist eine neue Zeit und bietet so wahnsinnig viele Möglichkeiten‘. Versucht man das aber zu konkretisieren, gibt es niemanden auf dieser Welt, der einem irgendwie sagen kann ‚so musst du’s machen und dann wirst du damit einigermaßen über die Runden kommen‘.“  

Die Leistung eines Musikers kann nicht umsonst sein. 

Dementsprechend kritisch äußerte er sich dann auch gegenüber der Idee einer Kulturflatrate: „Der Flatrategedanke ist doch das Döfste, was es überhaupt gibt. Er führt bei den Menschen zum Verlust für die Wertigkeit der Dinge. Kunst wird zum virtuellen, nicht haptischen Gut.“

Internet ist wie Freibier für alle

"Man muss erkennen, was dahinter steckt." Wenz moniert: Kaum gehe es um das Thema Geldverdienen, stecke der Künstler in einem Zwiespalt. Einerseits heiße es: "Der verwirklicht sich." Die andere Seite sei, dass die Leute nicht merkten, dass man ja auch irgendwie seine Miete bezahlen müsse. "Wer sich beklagt, ist automatisch uncool", sagt Wenz.

Jonas Groschs Dokumentarfilm A SILENT ROCKUMENTARY über die Band Mardi Gras.bb startet ab 27. Juni in den deutschen Kinos.

www.kino.de/kinofilm/a-silent-rockumentary/149048

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