13.10.2012 07:27 Neue OZ: Kommentar zu Jörg Kachelmann

Vorverurteilung durch die Justiz ist fatal - Jörg Kachelmann ist ein gebrochener Mann

Der Ex-ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann ist ein gebrochener Mann. Durch die Vergewaltigungsvorwürfe seiner Ex-Freundin und die durch den Prozess zutage gekommenen Verhältnisse zu verschiedenen Frauen ist sein Image massiv beschädigt, seine Karriere ruiniert worden.

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Von: GFDK - Neue Osnabrücker Zeitung Redaktion

Der Ex-ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann ist ein gebrochener Mann. Durch die Vergewaltigungsvorwürfe seiner Ex-Freundin und die durch den Prozess zutage gekommenen Verhältnisse zu verschiedenen Frauen ist sein Image massiv beschädigt, seine Karriere ruiniert worden. Auch sein Freispruch vor anderthalb Jahren hat daran nichts geändert.

Es ist also verständlich, dass Kachelmann nun mit einer, wie er sagt, "männerverurteilenden Justiz" abrechnet. Und zum Teil hat er damit auch recht: Es gibt Frauen, die Vergewaltigungsvorwürfe aus Rache am untreuen Ex-Freund oder am undankbaren Chef erheben. Das ist verhängnisvoll, weil die betroffenen Männer keine Chance haben, ihre Unschuld zu beweisen. Deshalb bleibt von dem Vorwurf immer etwas hängen - neben der enormen psychischen Belastung sind die Männer in den meisten Fällen gesellschaftlich beschädigt.

Auf der anderen Seite stellt Kachelmann auch alle wirklichen Vergewaltigungsopfer unter Generalverdacht - das kann und darf nicht sein. Nichts könnte eine vergewaltigte Frau noch mehr demütigen, als pauschal als Lügnerin abgestempelt zu werden. Staatsanwälte, Richter und Gutachter brauchen in solchen Fällen besonderes Fingerspitzengefühl und müssen alle Aussagen und Beweise genau überprüfen. Vorverurteilungen sind sowohl für den Beschuldigten als auch für das mutmaßliche Opfer fatal.

Pressekontakt: Neue Osnabrücker Zeitung

Zum Buch:

Der Justizfall, der zum Medienfall wurde

Jörg Kachelmann wurde am 31. Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Nach wie vor jedoch wirft sein Fall viele Fragen auf. Wie geht es einem, der zu Unrecht als Vergewaltiger beschuldigt wird? Den die Ermittlungsbehörden mit allen Mitteln zum Täter machen wollen? Der 132 Tage im Gefängnis sitzt? Der sehr schnell zum Gegenstand einer öffentlichen Vorverurteilung wird? – Zum ersten Mal erzählen Jörg Kachelmann und seine Frau Miriam die Geschichte, die hinter dem »Fall Kachelmann« steckt. Und es wird klar, welche Rolle Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht und Medien dabei spielen.

Jörg Kachelmann, Jahrgang 1958, ist Verwaltungsratspräsident und Chefmeteorologe des Wetterdienstes Meteomedia AG. Von 1992 bis März 2010 moderierte er Wetterberichte in der ARD sowie Talksendungen wie Riverboat und Kachelmanns Spätausgabe. Heute präsentiert er das Wetter für main.tv, Radio Primavera und auf seinem eigenen Kanal „wetterkachelmann“ bei YouTube.

Miriam Kachelmann, Jahrgang 1986, ist ausgebildete Bühnendarstellerin und studiert seit 2009 Psychologie. Miriam und Joerg Kachelmann leben in der Schweiz.