24.02.2015 09:11 bekannte Preisträger

Verleihung des 43. Deutschen Kleinkunstpreises - ein Herrenabend voller bitterböser Satire und Spott

Die Preistraeger 2015

Gruppenbild: v.l. Ewald Dietrich, Geschäftsführer unterhaus, Matthias Egersdörfer, Gerd Dudenhöffer, STOPPOK, Martin Zingsheim, Volker Pispers, Christoph Sieber. Foto: Bernd Weisbrod

Gerd Dudenhöffer und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (c) Bernd Weisbrod

Von: GFDK - Daniela Tratschitt

Als am Sonntag Abend der 43 Deutsche Kleinkunstpreis im Mainzer unterhaus verliehen wurde, konnte sich das geladene Publikum wirklich an ausgezeichneter Kleinkunst erfreuen – und zwar an jeder Menge. Gleich an fünf Künstler wird der älteste deutsche Preis, der in den Sparten Kabarett, Chanson/Lied/Musik und Kleinkunst verliehen wird, jedes Jahr vergeben.

Die Preisträger 2015 sind so bekannt, dass sie eigentlich nicht vorgestellt werden müssen: Christoph Sieber, ehemaliger Moderator der SWR-Spätschicht, Matthias Egersdörfer, gern gesehener Wüterich in der ZDF-Anstalt, der deutscher Liedermacher und Rockmusiker Stefan STOPPOK sowie Profi-Saarländer Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker. Einzig der Träger des Förderpreises der Stadt Mainz, Martin Zingsheim, kommt für manchen noch als Unbekannter daher – aber spätestens nach dem gestrigen Auftritt ist das auch vorbei.

Preisverleihung in Mainz mit Volker Pispers

Weil Preisträger solcher Güte noch nicht reichen, hat das unterhaus einen Moderator für den Verleihungsabend angeheuert, der seinesgleichen sucht: Volker Pispers. Schon seit Jahren ruft Pispers die Kleinkunstpreisträger auf die Bühne und überreicht die Glocken. Einzig vor zwei Jahren übernahm Georg Schramm diese Rolle – Grund genug für einen kleinen Seitenhieb von Christoph Sieber. Er hätte Schramm erwartet. Pispers Antwort: „Sagen wir mal so, es hätt schlimmer kommen können, hier könnte auch Dieter Nuhr stehen, der humoristische Arm der Pegida-Bewegung.“

Überhaupt war der ganze Herrenabend voller bitterböser Satire und Spott – genau richtig für das unterhaus-Publikum. STOPPOK erklärte musikalisch das Prinzip „Learning by burning“, für Egersdörfer waren er und seine Kollegen nichts als dressierte „Äffle“, Sieber sang ein Halleluja auf den weltweiten Kommerz, Zingsheim forderte professionelle Fußball-Anheizer für Museumsbesucher und Dudenhöffer stammtischte über die Abschiebung von Flüchtlingen: „Wenn wir zahlen müssen, fliegen sie mit dem Flugzeug heim. Aber wenn sie selbst zahlen, kommen sie mit dem Boot.“ Für seine Figur des „biederen Zeitgenossen“ Heinz Becker, der „dem Spießbürger in uns allen meisterlich den Spiegel“ vorhalte, bekam Dudenhöffer dann auch von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer den Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz überreicht.

Deutscher Kleinkunstpreis - Historie

Der Deutsche Kleinkunstpreis ist der älteste deutsche Preis, der in den Sparten Kabarett, Chanson/Lied/Musik und Kleinkunst verliehen wird und mit jeweils 5.000 Euro dotiert ist. Den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis stiftet die Stadt Mainz, den ebenfalls mit 5.000 Euro dotierten, ab 2008 vergebenen Ehrenpreis stiftet das Land Rheinland-Pfalz.

Der Deutsche Kleinkunstpreis ist mit insgesamt 25.000 Euro der höchst dotierte Preis seiner Art in Deutschland und gilt zugleich als die bedeutendste Auszeichnung auf allen Gebieten der Kleinkunst. Dies ergibt sich aus der Liste der bisherigen Preisträger.

Die Preisverleihung wird gesendet von 3sat (Sendetermin 01.03.2015, 20.15 Uhr),

ZDF (Sendetermin 06.03. 2015, 00.59 Uhr) und

ZDFkulturkanal (Sendetermin 05.04. 2015, 21.40 Uhr).

 

Den DEUTSCHEN KLEINKUNSTPREIS 2015

in der Sparte Kabarett erhält

Christoph Sieber

Damit zeichnet die Jury einen Künstler aus, der sich von der Pantomime über die kulturelle Zeitkritik zum politischen Kabarettisten entwickelt hat. In seinen Programmen gibt er der jüngeren Generation eine Stimme. Mit Witz und Verstand, dabei immer charmant, in seiner Haltung aber bleibt er stets unerbittlich.  

Den DEUTSCHEN KLEINKUNSTPREIS 2015

in der Sparte Chanson/Lied/Musik erhält

Stoppok

Damit zeichnet die Jury einen Singer/Songwriter aus, der in seinen Liedern die deutsche Sprache mit dem Blues verbindet. Stefan Stoppok – ein Interpret und Rockmusiker, der in seinen Liedern die poetische Seite des Alltags vermittelt. Seine politischen Statements trägt er mit Witz und Verve vor.

Den DEUTSCHEN KLEINKUNSTPREIS 2015

in der Sparte Kleinkunst erhält

Matthias Egersdörfer

Damit zeichnet die Jury einen Künstler aus, der die Welt mit grantigem Blick betrachtet und mit anarchischer Urigkeit kommentiert; ein Berserker auf der Bühne, überlässt er das Lachen dem Publikum, das er ebenso von Herzen liebt wie beschimpft. Im Spannungsfeld aus rustikaler Bodenständigkeit und pointiertem Erzählen entsteht Kunst.

Den Förderpreis der Stadt Mainz

zum DEUTSCHEN KLEINKUNSTPREIS 2015 erhält

Martin Zingsheim

Damit zeichnet die Jury einen Musikkabarettisten aus, der mit Ironie und Spott auf Gott und die Welt sieht. Dabei wirkt er auf Anhieb geradezu harmlos, um im nächsten Moment mit ausgesuchten Pointen zu überraschen. Mit grandiosem Klavierspiel illustriert er seine raffinierten Texte: mal heiter bis böse, mal lyrisch bis nachdenklich.

Den Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz

zum DEUTSCHEN KLEINKUNSTPREIS 2015 erhält

Gerd Dudenhöffer

Damit zeichnet die Jury einen Künstler aus, der bereits vor Jahrzehnten die realsatirische Kunstfigur „Heinz Becker“ schuf, einen biederen Zeitgenossen, der dem Spießbürger in uns allen meisterlich den Spiegel vorhält. Mit ungerührt daher geplauderten Boshaftigkeiten provoziert er sein Publikum aufs Äußerste, mit lyrischen Tönen versöhnt er es wieder.    

 

unterhaus • Mainzer Forum-Theater gGmbH • Münsterstr. 7 • 55116 Mainz