29.12.2016 07:39 Multimediale Rauminstallation

Tiroler Landesmuseen erhalten German Design Award

German Design Award für Sonderausstellung

Die Tiroler Landesmuseen haben für ihre Exponate erzählende Räume geschaffen, die eng mit dem Ausstellungsthema korrespondieren. (c) Tiroler Landesmuseen

Von: GFDK - Sigrid Wilhelm

Die Sonderausstellung der Tiroler Landesmuseen zum Ersten Weltkrieg erhält erneut einen Preis für ihre hervorragende Ausstellungsgestaltung: den German Design Award, Winner 2017, in der Kategorie „Excellent Communications Design – Fair“.

Nach der Silbermedaille des Deutscher Designer Club 2016 ist das die zweite Auszeichnung für die gelungene Gestaltung. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter büro münzing designer+architekten bda entwickelt und umgesetzt.

PD Dr. Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen, zeigt sich über die Auszeichnung des Rates für Formgebung für „Front – Heimat“ erfreut: „Gemeinsam mit dem Stuttgarter büro münzing haben wir das Ziel verfolgt, für unsere Exponate erzählende Räume zu schaffen, die eng mit dem Ausstellungsthema korrespondieren.

Bei der Schau zum Ersten Weltkrieg waren die Prinzipien Ordnung und Dekonstruktion die primären Gestaltungsideen – wie es ja auch die Erfahrungsperspektive der Menschen in Tirol im Ersten Weltkrieg war. Der Preis bestätigt unsere Arbeit und ist zugleich Ansporn für weitere ambitionierte Gestaltungskonzepte.“

Ordnung und Dekonstruktion als Gestaltungsprinzip

Die Sonderausstellung „Front – Heimat. Tirol im Ersten Weltkrieg“ war vom 8. Mai bis 1. November 2015 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zu sehen. Sie versetzte die BesucherInnen auf einer Fläche von 1.000 Quadratmetern in die Welt zwischen Front und Hinterland und beleuchtete die Funktion der Kunst im Propagandaapparat des Ersten Weltkriegs.

Auftakt der Ausstellung bildete ein Zeitbild Tirols im frühen 20. Jahrhundert u. a. mit aufstrebendem Tourismus und internationaler Attraktivität. An den folgenden Themenbereichen veränderten sich die Szenarien zu heterogenen, verschränkten Raumstrukturen, die den Beginn des Kriegs und dessen Auswirkungen thematisierten und spürbar machten.

Schriftstücke, Alltags- und Ausrüstungsgegenstände sowie Kunst aus dem Ersten Weltkrieg zeigten sich dem Betrachter im 1. Stock in fragil wirkenden Raumkubaturen. Der Einsatz von natürlichen Materialien spiegelte das durch Leid und Tod aufgerüttelte Leben wider. Helle, matte Farbtöne nahmen Bezug zum Menschen und standen in Korrespondenz zu Albin Egger-Lienz‘ großformatigem Gemälde „Kriegsfrauen“.

Multimediale Rauminstallation

Ein wichtiger Teil der Gesamtinszenierung war eine raumübergreifende, multimediale Installation, die beide Ausstellungsebenen thematisch miteinander verband. Durch projizierte Großbilder und Schlagzeilen aus den damaligen Zeitungen  wurde auf die Brutalität und Macht des Krieges hingewiesen und der zahlreichen Opfer gedacht.

Mit der Inszenierung griff die Ausstellung das wohl erste „Public viewing“ in der Geschichte Innsbrucks am 26. Juli 1914 auf. Sie verdeutlichte, dass dieser Krieg auch mit Medien geführt wurde. Insgesamt wurden rund 27.000 Tiroler Soldaten zu Opfern des Ersten Weltkriegs. Die rückseitige Großgrafik der Installation schuf auf stille und poetische Weise ein Bewusstsein für die herben Verluste.

Von der Front zum Kriegsende und heutigen Spuren

Eine historische Aufnahme der Gebirgssoldaten Alpini war Grundlage für eine acht Meter hohe, begehbare 3D-Bildcollage. Ähnliche eines Gebirges entstanden Raumnischen und Fluchten, die Exponate zum Thema Schützengraben beherbergten.

Abschluss der Ausstellung bildete das Plateau der Funde – eine zurückhaltende Präsentation der heutigen Spuren. Als großes, freiliegendes Format symbolisierte es die Fundorte in den Gletscherregionen und lenkte den Blick auf Funde von der Punta Linka in den Ortler-Alpen.

büro münzing

Das büro münzing designer+architekten bda arbeitet an den Schnittstellen von Architektur, Design, Medien und Visueller Kommunikation. Es entwickelt Strategien, um Gebäude, Raum, Exponate und Medien zu kontextualisieren und als „lesbares Ganzes“ selbstverständlich abzubilden (www.bueromuenzing.de).

Für die Tiroler Landesmuseen führte das Büro unter der Leitung von Ausstellungsarchitekt Prof. Uwe Münzing bereits auch die Gestaltung der Ausstellungen „Hofer Wanted“, „Johann Evangelist Holzer“, „Kunstschätze des Mittelalters“ und „Waffen für die Götter“ durch.

German Design Award

Der German Design Award zeichnet innovative Produkte und Projekte, die in der deutschen und internationalen Designlandschaft wegweisend sind, aus. Dies garantiert die hochkarätig besetzte, internationale Jury. Der Award entdeckt und präsentiert einzigartige Gestaltungstrends. Vergeben wird der German Design Award vom Rat für Formgebung, der deutschen Marken- und Designinstanz.

1953 auf Initiative des Deutschen Bundestages als Stiftung gegründet, unterstützt er die Wirtschaft dabei, konsequent Markenmehrwert durch Design zu erzielen. Das macht den Rat für Formgebung zu einem der weltweit führenden Kompetenzzentren für Kommunikation und Markenführung im Bereich Design.

Zum Netzwerk der Stiftungsmitglieder gehören neben Wirtschaftsverbänden und Institutionen insbesondere die Inhalte und Markenlenker namhafter Unternehmen.