28.07.2012 07:28 Das WESTFALEN-BLATT zum Thema Wagner-Festspiele

Schlechte Zeiten für (Musik-)Journalisten - Der Künstler soll singen, nicht in Akten wühlen

Von: Das WESTFALEN-BLATT

Bielefeld (ots) - Gutrune schluchzt, Brünnhilde jauchzt, und Wotan lässt wieder die Muskeln schwellen: Festspielzeit in Bayreuth. Diesmal vor allem Wiederaufnahmen aus dem vergangenen Jahr. Man spart sich gute Ideen zum Jubiläumsjahr 2013 auf. Schlechte Zeiten für (Musik-)Journalisten. Um so dankbarer ist mancher für jedes Skandälchen, und sei es noch so dünn.

Der Fall des tätowierten Sängers taugt kaum zum 50-Zeiler im Feuilleton, wird aber prall aufgeblasen. Heiße Luft. Dürftig allein schon deshalb, weil ja niemand plante, den »Fliegenden Holländer« mit blanker Hakenkreuz-Brust auf die Planken zu stellen. Bliebe noch die judenfeindliche Attitüde im Hause Wagner. Lange her. Wie oft soll man es noch sagen:

Die Aufarbeitung der Historie ist Sache der Wissenschaft. Der Künstler soll singen, nicht in Akten wühlen. Wenn dann die Festspielleitung ein Buch in Auftrag gäbe, zum Jubiläum (?!), voll mit Erkenntnissen der Historiker, die Bayreuths finstere Tage beleuchten - um so besser. Daraus zöge man Gewinn, was man über das Gemäkel der Volkspädagogen nicht eben behaupten kann. Und jetzt singt, Leute! Spielt!


Pressekontakt: Westfalen-Blatt Nachrichtenleiter Andreas Kolesch