18.03.2012 17:59 DEUTSCHER BÜHNENVEREIN - Keine halben Sachen

Nach dem Artikel über Christian Kracht liegt der Spiegel schon wieder voll daneben - Spiegel-Artikel zur Kulturfinanzierung zeugt von Unkenntnis

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Der Spiegel-Artikel, der unter Berufung auf das Buch „Der Kulturinfarkt“ fordert, die öffentliche Finanzierung von Kultureinrichtungen wie Theatern, Orchestern, Museen, Musikschulen, Bibliotheken etc. auf die Hälfte zu reduzieren, zeugt von nichts anderem als Unwissen und einem Mangel an kulturpolitischer Verantwortung.

Wenn man die öffentlichen Zuschüsse für Kultureinrichtungen halbiert, halbiert man auch deren Leistungen. Für die Theater und Orchester bedeutete dies 30.000 Veranstaltungen und 10 Millionen Zuschauer weniger sowie die Entlassung von 19.000 Mitarbeitern. Deren Arbeitslosigkeit wäre im Übrigen anschließend wieder aus öffentlichen Mitteln zu bezahlen.

Zudem wird niemand die durch die Halbierung des Angebots gegebenenfalls frei werdenden Gelder für die unausgegorenen Kultur-Aktivitäten zur Verfügung stellen, die von den Autoren des Artikels vorgeschlagen werden.

Da sind die Haushaltsmittel im Theater oder im Konzertsaal für die künstlerische Arbeit, die kulturelle Bildung und die Reflexion des täglichen Lebens im Sinne einer Breitenwirkung besser investiert.

Wer zudem glaubt, eine Stadt, die ihr Theater schließt, gäbe einen Teil der frei gewordenen Zuschüsse an das Theater der Nachbarstadt, der kann auch gleich den Vorschlag machen, den FC Schalke 04 aufzulösen, um mit dem ersparten Geld Borussia Dortmund mit zu finanzieren.
 

Keine halben Sachen - Spiegel-Artikel zur Kulturfinanzierung zeugt von Unkenntnis

Darüber hinaus hinkt der Vergleich der Theater- und Konzertangebote mit dem Kunstmarkt. Dieser ist im Gegensatz zu jenen Angeboten auf Eigentumsbildung ausgerichtet und funktioniert deshalb viel eher nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Solche Marktgesichtspunkte der gesamten Kultur überstülpen zu wollen, verkennt deren gesellschaftspolitische Bedeutung.

„Der Artikel zeigt also, dass beim Spiegel ein Marktdenken Einzug gehalten hat, das die Vielfalt künstlerischen Schaffens der Kommerzialisierung preisgeben will“, sagte Rolf Bolwin, der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins. Zudem gehe der Artikel von falschen Voraussetzungen aus. Die Behauptung:

„Je öfter ein Theaterstück ausverkauft ist, um so mehr Defizite produziert es“ sei beispielsweise abwegig. Solche Äußerungen allein seien schon Beweis genug für fehlenden Sachverstand. Offensichtlich habe der „Kulturinfarkt“ vor allem im Kopf der Autoren des gleichnamigen Buches stattgefunden. Das sei bedauerlich, aber leider in der öffentlichen Wirkung völlig inakzeptabel.

Link:

Bösartiger journalistischer Rufmord - Erklärung des Verlags Kiepenheuer & Witsch zum SPIEGEL-Artikel über Christian Kracht vom 13.2.2012

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/medienpreise-ausschreibung/einzelansicht/article/boesartiger_journalistischer_rufmord_erklaerung_des_verlags_kiepenheuer_witsch_zum_spiegel_artikel.html

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