27.09.2011 08:02 Exklusivinterview für www.freundederkuenste.de

Musik-YouTubing ist wie die Probefahrt vorm Autokauf Reamonn-Sänger Rea Garvey über seinen Weg als Solokünstler, YouTube und Privates

Rea Garvey Foto: hr/Jens Naumann

Von: Carolin Oppermann

Zerrissene Jeans in Tarnoptik, abgelatschtes Schuhwerk und Lederjacke – Rocksuperstar Rea Garvey zeigte sich auf der YOU FM Vorhörung an der Uni Frankfurt im Café „Sturm & Drang“ ehrlich, witzig, eloquent und gänzlich uneitel.

„Wenn man nicht wüsste, dass du millionenfach Alben verkauft hast, würde ich sagen, es läuft gerade nicht so gut“, scherzte YOU FM-Moderator Daniel Boschmann.

Mit der Band Reamonn lief es für den groß gewachsenen irischen Sänger in den vergangenen Jahren bereits sehr gut. Nach fünf Top-5-Alben, Hits wie „Supergirl“ und ausverkauften Hallen pausiert die Band nun, „weil einfach die Luft raus war“, so Garvey.

„Es war keine einfache und auch nicht die populärste Entscheidung, jetzt eine Soloplatte zu machen.“ Aber sich selbst und der Musik immer treu zu bleiben, sei eben nicht immer einfach.

Der im hessischen Hadamar lebende Rea wirkt ungemein geerdet. Der 38-Jährige ist in der irischen „Butter-Region“ Kerry zusammen mit sieben Schwestern aufgewachsen. „Sieben starke Frauen“, wie er selbst feststellt. „Das war immer wie Bayern München gegen Freiburg – ich war Freiburg.“

Vielleicht hat er es gerade diesem Umstand zu verdanken, dass ihn die Pop-Glitzerwelt nicht abheben lässt. Dass er da nicht reinpasst, stellte er 2001 bei den MTV Music Awards fest.

Er hatte sich dafür extra einen Lama-Mantel im Wert eines Kleinwagens zugelegt. Auf dem roten Teppich folgte dann die Überraschung: „Hinter mir steht Sven Väth in genau demselben Mantel.“

YouTube steht er als Musiker aufgeschlossen gegenüber. Garvey begreift das Internetvideoportal als Chance, Musik vor dem Kauf vorzuhören. Schließlich mache man ja vorm Autokauf auch erst mal eine Probefahrt.

Dennoch kauft er selbst nach eigenen Aussagen extrem viel Musik, denn „ich finde es richtig, Musiker auch dafür zu belohnen, wenn sie sich viel Mühe geben. In jedem anderen Beruf ist das normal.“

Reas privater Musikgeschmack ist sehr vielfältig. „Ich habe keine Lieblingsband, denn ich höre eigentlich fast alles – in letzter Zeit viel Philipp Poisel, Tim Bendzko und Andreas Bourani“. Inzwischen verstehe er auch die deutschen Texte gut und freut sich, dass mittlerweile nicht mehr nur nach Amerika geschaut wird, welche Musik angesagt sei.

„Es ist schön, in Deutschland zu sitzen, diese Musik zu hören und zu denken: ‘Wow, this is fucking good‘“.


Den Song „Hole In My Heart” widmete Rea seinem guten Freund Mark Spoon, der „einfach zu früh gegangen ist“. Markus Löffel alias Mark Spoon von „Jam & Spoon“ verstarb vor fünf Jahren im Alter von 39 Jahren an Herzversagen. Damals schrieb Garvey „Hole In My Heart“ und wusste, „dass es irgendwann auf meiner Platte sein würde.

Ich konnte das nicht mit irgendjemandem teilen. Ich finde es schön, an Markus zu denken: Der Typ war halt ein Riesenkerl, sah total wild aus, aber bei uns zu Hause war er immer nur wahnsinnig lieb.“

Im kommenden Herbst wird Rea Garvey in der ersten Staffel der TV-Castingshow „The Voice of Germany" (Sat.1 und ProSieben) Nachwuchstalente suchen. Die Jury sitzt dabei mit dem Rücken zu den Musikern und bewertet so nur den reinen Gesang.

Damit wollen Garvey und seine Jury-Kollegen es besser machen, als andere: „Ich finde die meisten Castingshows beschissen, da es nur darum geht, Leute zu beleidigen.“ Musiker müsse man mit Respekt behandeln.


Seit sechs Jahren veranstaltet das jüngste Radioprogramm des Hessischen Rundfunks die YOU FM Vorhörung und bringt dabei Musiker vor Veröffentlichung ihrer neuen Platten an hessische Unis und Fachhochschulen.

Dort plaudern die Künstler in Wohnzimmeratmosphäre mit einem exklusiven Hörerkreis über Musik, Privates und Alltägliches. Zu den „Vorgehörten“ zählen zum Beispiel „Die Fantastischen Vier“, „Fettes Brot“, die „Sportfreunde Stiller“, Samy Deluxe, „Mia“, Gentleman, Clueso oder die „Beatsteaks“.

FOTO - YOU FM-Vorhörung am 19. September 2011 im Cafè "Sturm & Drang" auf dem Campus Westend der Uni Frankfurt: Am Ende der YOU FM-Vorhörung spielte Rea Garvey noch zwei seiner neuen Songs unplugged.

Foto: hr/Jens Naumann


Die YOU FM Vorhörung mit Rea Garvey gibt es auf
www.YOU-FM.de auch als Podcast zum Nachhören; dort finden sich ebenso Fotos von der Veranstaltung sowie Videos der Unplugged-Session.

Carolin Oppermann

coppermann@hr-online.de

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