06.09.2011 07:10 am 8. Oktober 2011

Mit Leidenschaft und unermüdlichen Einsatz - Seine Vision wird ein stückweit Wirklichkeit - Schlingensiefs "Operndorf Afrika": Schule feiert Eröffnung

Bild 1 Bauarbeiten im Juli Foto (c) Arnaude Dandjinou

Bild 2 Bauarbeiten im August Foto © Noel Ganlaky

Bild 3 Bauarbeiten im August Foto © Arnaude Dandjinou

Bild 4 Bauarbeiten im August Foto © Noel Ganlaky

Von: Claudia Kaloff und Jörg van der Horst - 4 Bilder

Berlin (ots) - Die auf Initiative von Christoph Schlingensief hin gegründete und nach seinem Tod im August vergangenen Jahres von seiner Ehefrau Aino Laberenz fortgeführte Festspielhaus Afrika gGmbH freut sich außerordentlich, Ihnen heute Folgendes mitteilen zu dürfen:

Im Rahmen des 2008 von Christoph Schlingensief ins Leben gerufenen Langzeitprojekts "Operndorf Afrika" findet am 8. Oktober 2011 die Feier zur offiziellen Schuleröffnung im Operndorf, unweit der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou statt.

Damit ist die erste von insgesamt drei Bauphasen, die Schlingensief mit dem aus Burkina Faso stammenden Architekten Francis Kéré geplant hat, abgeschlossen.

Aino Laberenz: "Wir haben es geschafft! Mit der Leidenschaft und dem unermüdlichen Einsatz aller Beteiligten sind wir dem Traum einer eigendynamischen Kulturstatt einen großen Schritt näher gekommen. Christoph wäre wahnsinnig glücklich gewesen.

Mit der Schuleröffnung wird seine Vision heute ein stückweit Wirklichkeit. Wichtiger noch ist, dass der Wunsch so vieler Einheimischer, die sich für das Operndorf interessieren und sich dafür einsetzen, immer mehr Gestalt annimmt. Heute feiern wir und das Leben im Dorf beginnt. Und morgen bauen wir weiter!"

Die Schule wird in den kommenden sechs Grundschuljahren jeweils eine Klasse für 50 einheimische Kinder anbieten. Zusätzlich zu den regulären Schulfächern wird es Film-, Kunst- und Musikklassen geben, in denen die Kinder lernen können, sich eigenständig künstlerisch auszudrücken.

Die Schuleröffnung ist zugleich Ausgangspunkt von Schlingensiefs Idee, abseits der tradierten europäischen Hochkultur einen künstlerischen Schmelztiegel zu schaffen, in dem sich unterschiedliche Kulturen auf Augenhöhe begegnen - und neu beleben.

Zu den prominenten Operndorf-Unterstützern der ersten Stunde gehören u.a. der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell, der burkinische Filmemacher Gaston Kaboré, der Bundesaußenminister aD und jetzige SPD-Fraktionschef im Deutschen Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, Brigitte Oetker, Herbert Grönemeyer sowie Roland Emmerich. Schirmherr des Projekts ist Bundespräsident aD Horst Köhler.

Parallel zum deutschen Beirat rund um Aino Laberenz, der sich ehrenamtlich für die Belange von "Operndorf Afrika" engagiert, hat sich in Burkina Faso ein künstlerischer Beirat gegründet.

Mit Gaston Kaboré, Mitglied der Berlinale-Jury 2009, dem Bildhauer Siriki Ky, dem Regisseur und Präsidenten des burkinischen Theaterinstituts, Etienne Minoungou, der Choreographin Irène Tassembedo, dem Musiker Konomba Traoré und dem Rap-Musiker Serge Bambara (Smockey) gehören dem Beirat wichtige Vertreterinnen und Vertreter der burkinischen Kulturszene an.

Ganz im Sinne des zentralen Projektanliegens, wonach das Operndorf mehr und mehr in die Autonomie und Handhabe der Menschen vor Ort übergehen soll, entwickelt der burkinische Beirat Ideen und Programme für das künstlerische Leben im Operndorf. Dazu zählt auch die Unterrichtsgestaltung in der nun eröffnenden Schule.

Auf einer Podiumsdiskussion anlässlich der Aufführung von Schlingensiefs deutsch-burkinischem Projekt "Via Intolleranza II" beim Berliner Theatertreffen 2011 wies Gaston Kaboré mit Blick auf das Operndorf darauf hin, wie wichtig künstlerische Ausdrucksformen für die Entwicklung der eigenen Identität von Kindern sind.

In diesem Selbstfindungsprozess benötige Burkina Faso die Kultur. Die Menschen dort verlangten danach, sie hätten ein Anrecht auf Kultur, um der eigenen Entfremdung entgegenzuwirken und sich wieder stärker in ihrer Heimat zu verwurzeln.

Für Burkina sei das Operndorf ein Pilotprojekt, in dem es darum gehe, sich selbstbewusst den Herausforderungen der modernen Welt und den notwendigen Veränderungsprozessen in Afrika zu stellen.

Zur Feier anlässlich der Schuleröffnung am 8. Oktober ist die ganze Bevölkerung eingeladen. Von offizieller Seite nehmen u.a. der Kulturminister von Burkina Faso, Vertreter der Regionalverwaltung, Häuptlinge der umliegenden Volksstämme sowie für die Festspielhaus Afrika gGmbH Aino Laberenz, Meike Fischer und Christine Richter teil.

"Operndorf Afrika" wird unterstützt aus Mitteln des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland, der Kulturstiftung des Bundes und des Goethe-Instituts, das sich seinerseits mit Kunst- und Bildungsprogrammen im Operndorf engagiert.

Seit seinen Anfängen wird das Projekt vom Goethe-Institut sehr nachhaltig beraten und inhaltlich gestützt. So entstand auf Initiative des Goethe-Instituts die Reihe "Dorfgespräche", die im März 2011 in Ouagadougou begonnen wurde und seitdem in Bürger- und Podiumsdiskussionen den Entstehungsprozess des Operndorfes selbstkritisch in und außerhalb Afrikas begleitet.

Hinsichtlich der Schuleröffnung fördert das Goethe-Institut zudem ein ganz besonderes Projekt des jungen Theateraktionisten Wilfrid Bambara.

Mit 70 Kindern und Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern unter Beteiligung verschiedener Künstler hat Bambara und sein Verein "Dodo Opera Connection - Jeunesse unie pour le village de l´Opéra" in den vergangenen Wochen in Workshops ein eigenes Programm zur Eröffnungsfeier am 8. Oktober gestaltet.

Auch auf diesem Weg wurde eine intensive Anbindung der Bevölkerung und vor allem der Kinder an das Operndorf hergestellt.

Von großer Bedeutung sind und bleiben Spenden aus der Bevölkerung, auf die das Projekt weiterhin angewiesen ist, und für die die Festspielhaus Afrika gGmbH unter Kto. 1128578, BLZ. 100 701 24 ein Konto eingerichtet hat.

Gefördert durch:

Kulturstiftung des Bundes Goethe-Institut Auswärtiges Amt Rudolf Klefisch-Stiftung

Presseanfragen richten Sie bitte jederzeit an die im Folgenden aufgeführten Kontaktdaten:

Claudia Kaloff

für Festspielhaus Afrika gGmbH

Kaloff Artist Relations Tel: +49-30-88683817

Email: kaloff@remove-this.schlingensief.com

Jörg van der Horst

für Festspielhaus Afrika gGmbH

Redaktion und Archiv Christoph Schlingensief

Email: vanderhorst@remove-this.festspielhaus-afrika.de