17.06.2014 09:00 Institut für Theaterwissenschaft soll schließen

Leipzig will das Schlüsselfach der Geisteswissenschaften kastrieren

Leipzig will das Institut für Theaterwissenschaft schließen

Leipzig will das Institut für Theaterwissenschaft schließen. Eine Fatale Fehleinschätzung wie wir meinen. Foto (c) uni-mainz

Von: GFDK - Yvonne Juch

In einer Zeit, in der vor allem Wirtschafts-Aspekte das tägliche Leben bestimmen, lastet auf Geisteswissenschaftlern häufig das Stigma einer Randgruppe. Eine Fatale Fehleinschätzung wie wir meinen.

Dem Institut für Theaterwissenschaft droht die Schließung. Am 21.01.2014 hat das Rektorat der Universität fünf Stellen am Institut benannt, die bis 2020 gestrichen werden sollen. Damit wäre die Einstellung der Studiengänge Bachelor, Master und Promotion im Fach Theaterwissenschaft unvermeidlich. Dagegen wenden wir uns mit Nachdruck. Wir fordern das Ministerium für Wissenschaft und Kunst und das Rektorat auf, die massiven Stellenkürzungen zurück zu nehmen.

Verantwortlich für den Beschluss des Rektorats ist die extreme Spar- und Streichpolitik des Frei­staates Sachsen. Sie beruhte auf der Annahme sinkender Studierendenzahlen. Diese Prognose hat sich aber längst als falsch erwiesen. Das gilt gerade auch für die Entwicklung in der Theaterwissenschaft.

Theaterwissenschaft ist ein Schlüsselfach der Geisteswissenschaften. Grundlegende Forschungskonzepte kommen aus der Theaterwissenschaft. Kultur und Gesellschaft werden maßgeblich durch theatrale Praktiken konstituiert. Deshalb ist Theaterwissenschaft besonders befähigt, kulturelle und soziale Ordnungen wissenschaftlich zu erforschen.

Die geplanten Kürzungen treffen ein höchst erfolgreiches Institut. Es ist in Lehre und Forschung vielfältig vernetzt, an der Universität Leipzig, national und international. Es erhält hohe Drittmittel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und anderen namhaften Fördereinrichtungen. Mit seinen Forschungsprojekten und seiner Publikationstätigkeit ist es hervorragend aufgestellt. Mit den Schwerpunkten Theater und Geschichte, Transkulturalität, Historische Anthropologie des Akteurs, Tanz- und Bewegungsforschung ist es auch für die Zukunft bestens gerüstet.

Die Studiengänge Bachelor, Master und Promotion Theaterwissenschaft zählen zu den am meisten nachgefragten der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften. Die AbsolventInnen der Studiengänge sind in der Theater-, Kultur- und Medienlandschaft erfolgreich tätig, auch in hervorgehobenen Positionen.

Das Leipziger Institut ist das einzige theaterwissenschaftliche Institut in den neuen Bundesländern. Es unterhält zahlreiche Partnerschaften mit nationalen und internationalen KünstlerInnen sowie mit Theatern und Kultureinrichtungen in der Stadt und der Region. Damit ist es ein Motor für die Theaterszene in ganz Ostdeutschland. Die Fortexistenz des Instituts für Theaterwissenschaft ist für die Theater- und Kulturlandschaft in den neuen Bundesländern unabdingbar.

Einmalig in der deutschsprachigen Theaterwissenschaft ist die umfassende Verbindung von Gegenwartstheater und Theatergeschichte in Forschung, Lehre und Praxis. Dem entsprechen Methodenentwicklung und Theoriebildung am Institut. Auf diese Weise werden alle Formen von Theater als kulturelle Praxis im Kontext der universitären Forschung und Lehre untersucht. Die Leipziger Theaterwissenschaft hat ihre besondere Geschichte. Ihr Standort an der Universität Leipzig ist unverzichtbar.

Für den Beschluss des Rektorats gibt es keine inhaltliche Begründung. Er erklärt sich allein aus der Gelegenheit, frei werdende Stellen nicht wieder zu besetzen. Wenn dieses Vorgehen Schule macht, lässt sich in Zukunft jedes beliebige Fach ohne Grund abwickeln. Damit würde ein Präzedenzfall geschaffen, der gravierende Folgen für die Geisteswissenschaften an der Universität Leipzig und darüber hinaus hat. Die Auswirkungen auf Kultur und Gesellschaft bedürfen dringend der öffentlichen Debatte.

Wir fordern den Sächsischen Landtag, die Regierung des Freistaates Sachsen und das Rektorat der Universität Leipzig auf, die geplanten Stellenkürzungen zurückzunehmen, damit das Institut für Theaterwissenschaft seine Arbeit in vollem Umfang fortsetzen kann.

Diese Petition ist adressiert an den Präsidenten des Sächsischen Landtags, Herrn Dr. Matthias Rößler, die Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen, Frau Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer, und an die Rektorin der Universität Leipzig, Frau Prof. Dr. Beate Schücking.

Weiterführende Links:
http://www.uni-leipzig.de/~thea/