24.09.2014 09:21 prominente preisträger

Köln: International actors award.cologne für Martina Gedeck - Tom Tykwer erhält den Hollywood Reporter Award

Schauspielerin Martina Gedeck

Schauspielerin Martina Gedeck wird mit dem international actors award.cologne geehrt (c) Karel Kühne

Regisseur Tom Tykwer

Den diesjährigen Hollywood Reporter Award erhält der deutsche Regisseur Tom Tykwer (c) Jim Rakete

Film-Revolutionaer Lars von Trier

Weitere Preisträger bei Deutschlands führendem Festival für herausragendes Fernsehen und unabhängige Filmkultur sind der dänische Film-Revolutionär Lars von Trier (c) Casper Sejersen

Meisterregisseur Bertrand Tavernier

und der französische Meisterregisseur Bertrand Tavernier (c) Etienne George

Von: GFDK - Timo Hertel

Die Preisträger der COLOGNE CONFERENCE 2014 stehen fest. Die in Deutschland und international hochgeschätzte Schauspielerin Martina Gedeck wird mit dem international actors award.cologne geehrt. Den diesjährigen Hollywood Reporter Award erhält der deutsche Regisseur Tom Tykwer.

Weitere Preisträger bei Deutschlands führendem Festival für herausragendes Fernsehen und unabhängige Filmkultur sind der dänische Film-Revolutionär Lars von Trier und der französische Meisterregisseur Bertrand Tavernier.

Martina Gedeck -eine der bedeutendsten deutschen Darstellerin ihrer Generation

Es gibt Stars, die einer Rolle ihren Stempel aufdrücken, alle Blicke auf sich ziehen und das Geschehen dominieren. Und es gibt Schauspieler. Martina Gedeck wurde zur bedeutendsten deutschen Darstellerin ihrer Generation, nicht indem sie sich in den Vordergrund drängte, sondern indem sie unmerklich, beinahe unheimlich, komplett hinter ihren Figuren verschwand. Sie spielte die schüchterne italienische Kellnerin ebenso überzeugend wie die bucklige bayerische Bäuerin oder die esoterische, krebskranke Nymphomanin. Sie verkörperte die DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann, die Pianistin Clara Schumann und die RAF-Gründerin Ulrike Meinhof. Sie hat von Slapstick-Komödien bis zu Ehedramen jedes Genre gemeistert, ist weiterhin im Fernsehen ebenso präsent wie auf der Kinoleinwand und arbeitet unter deutschen Filmemachern wie Oskar Roehler, Helmut Dietl, Florian Henckel von Donnersmarck oder Dominik Graf ebenso brillant wie in internationalen Produktionen unter Mika Kaurismäki, István Szabó, Bille August oder Robert De Niro.

Im Gespräch mit Martina Gedeck

In ihrem Werkstattgespräch gibt Martina Gedeck Auskunft über ihre Ausflüge in den französischen und englischsprachigen Film, über ihre bemerkenswerte Arbeitsmoral und Produktivität – und darüber, wie man fast ein Jahr lang auf einem Berg einen Film ohne andere Darsteller dreht. Der international actors award.cologne wird von .cologne here I am gestiftet und jährlich einem international herausragenden Künstler für besondere schauspielerische Leistungen verliehen.

The Hollywood Reporter Award an Tom Tykwer

Der Hollywood Reporter Award zeichnet jedes Jahr eine verdiente Persönlichkeit für hervorragende Leistungen in der internationalen Film- und Fernsehbranche aus.

Es gibt nicht viele Regisseure, für die Hollywood nur ein Sprungbrett ist. Als Filmvorführer, Produzent, Autor, Regisseur und Komponist war Tom Tykwer schon in seiner Anfangszeit vielseitig interessiert, aber sobald er mit Filmen wie „Winterschläfer“ und „Lola Rennt“ seine deutsche Heimat hinter sich ließ, wurde er auch zum Kosmopoliten. Mit Filmen wie „Das Parfum“ und „The International“ erweiterte er seinen Horizont nach Istanbul, Mailand, Paris, New York - und Hollywood. Aber selbst hier machte er längst nicht halt: Im Zuge der Workshop-Initiative „One Fine Day“ von ihm und seiner Frau in Nairobi produzierte Tykwer inzwischen drei Spielfilme von jungen kenianischen Filmemachern - und seine Verfilmung des „unverfilmbaren“ Gedankenexperiments „Cloud Atlas“, gemeinsam mit den Wachowski-Geschwistern, sprengte endgültig alle Raum- und Zeitgrenzen. Und doch liegt seine größte Herausforderung noch vor ihm: Mit der zwölfteiligen Krimiserie „Babylon Berlin“ könnte er endlich das deutsche Fiction-Fernsehen erneuern und mit der pan-globalen Netflix-Serie „Sense8“ sogar die internationale Serienlandschaft aufmischen. In seinem Werkstattgespräch spricht Tom Tykwer, der dieses Jahr auf der Cologne Conference den Hollywood Reporter Award erhält, über seine Filmarbeit auf drei Kontinenten, seine Übersetzung der Tarantino-Dialoge für „Inglourious Basterds“ und über das kollaborative Filmemachen in Film und Fernsehen.

Filmpreis Köln an Lars von Trier

Mit dem Filmpreis Köln wird in diesem Jahr mit Lars von Trier einer der bedeutendsten europäischen Filmregisseure der Gegenwart geehrt.
„Meine Familie hatte sehr genaue Vorstellungen von Gut und Böse, von Kitsch und guter Kunst. Mit meiner Arbeit stelle ich all das in Frage. Ich provoziere nicht nur die anderen, ich erkläre mir, meiner Erziehung, meinen Werten, auch ständig selbst den Krieg“ sagte von Trier 2005 in einem Interview der Wochenzeitung Die Zeit. Ein gutes Beispiel für diesen „Krieg“ gegen sich selber war die Pressekonferenz zu „Melancholia“ bei den Filmfestspielen von Cannes im Jahr 2011. Mit Sätzen wie „Ich bin ein Nazi“ – ein Witz auf die Herkunft seines biologischen Vaters – löste er nicht nur einen Skandal aus, sondern wurde auch von dem Festival, das wie kein anderes seine Karriere befördert hat, zur persona non grata erklärt. Wer sich die Aufzeichnung der Pressekonferenz ansieht, wird jedoch schnell feststellen, dass alle scheinbar so provokanten Sätze entweder offensichtlich ironisch gemeint waren oder von ihm selbst sofort negiert oder zumindest relativiert wurden. Seitdem hat sich von Trier allerdings selber einen Maulkorb verpasst und spricht nicht mehr mit auf öffentlichen Veranstaltungen.


Es wäre falsch, von Trier Zynismus vorzuwerfen, wie es manche Kritiker gerne tun, er ist vielmehr ein enttäuschter Idealist – wie viele der Figuren in seinen Filmen. Erstaunlicherweise zieht er aus dieser Desillusionierung aber eine unbändige kreative Energie, die es ihm erlaubt, sich filmisch immer wieder neu zu erfinden. In dieser Hinsicht kann ihm kein anderer europäischer Regisseur das Wasser reichen.  Aktuell arbeitet Lars von Trier an einem neuen Serien-Projekt. „The House That Jack Built“ soll eine einzigartige Serie werden, wie noch keine davor – und sein bisheriges Werk legt nahe, dass diese Ankündigung vermutlich keine Übertreibung ist.

TV Spielfilm-Preis an Bertrand Tavernier

Als früherer Kritiker, Autor und PEN-Präsident ist Bertrand Tavernier unter den französischen Filmemachern nicht nur der belesenste, sondern auch der vielseitigste: Von französischen Historienfilmen bis zum US-Südstaaten-Drama, von reißerischen Krimi-Klassikerverfilmungen bis zur vierstündigen Kriegsdokumentation, vom subtilen New Yorker Jazz-Biopic bis zur rabiaten afrikanischen Kolonialgroteske – dem politisch engagierten Regisseur gelang in den 40 Jahren seiner Karriere ein Meisterwerk nach dem anderen, egal in welchem Genre und auf welchem Kontinent. Er ist mit seinen Filmen Dauergast in Berlin, wo er u.a. für „Der Uhrmacher von St. Paul“ („L’horloger de Saint Paul“) und „Der Lockvogel“ („L’appât“) Preise erhielt, in Cannes, wo er mit „Ein Sonntag auf dem Lande“ („Un dimanche à la campagne“) gewann und in Venedig, wo er für „Um Mitternacht“ („Autour de minuit“) geehrt wurde, nun freuen wir uns, ihn auf der Cologne Conference begrüßen zu dürfen.


Tavernier, der für seine scharfzüngige Politkomödie „Quai d'Orsay“ dieses Jahr den TV Spielfilm-Preis erhält, blickt in seinem Werkstattgespräch auf seine lange Karriere als Regisseur, Autor und Produzent zurück, spricht über seine Vorliebe für Stars wie Philippe Noiret und Isabelle Huppert und über seine Ausflüge in die amerikanische Filmindustrie. Mit dem TV Spielfilm-Preis wird alljährlich der beste fiktionale Beitrag der Festivalreihen TopTen, Look oder Kino ausgezeichnet.

Timo.Hertel@position.de