03.09.2012 07:56 noch bis 30. September 2012 - Gera

Ganz im Zeichen Japans - Meisterliche Studiokeramik aus Japan in Gera

Sammler Werner Welle (2.v.l.) im Gespräch mit Bürgermeister Norbert Hein, Besucherin Kathleen Bernhardt und Kurator Hans-Peter Jakobson (von rechts) Foto Gera.de

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Museum für Angewandte Kunst präsentiert die Schenkung Welle – Internationale Keramik des 20. Jahrhunderts und japanische Farbholzschnitte aus 200 Jahren im Kontext

Ganz im Zeichen Japans steht die neue Ausstellung „Meisterlich“ in Geras Museum für Angewandte Kunst (MusAK). Die Schau präsentiert seit Montag japanische Studiokeramik aus der Schenkung Welle.

Sie stellt diese 61 Objekte in den Kontext internationaler Keramik des 20. Jahrhunderts, die ebenfalls als Schenkung des Paderborner Ehepaars Ingrid und Werner Welle in die Otto-Dix-Stadt kam. Insgesamt vereint die Exposition rund 120 keramische Arbeiten. Ergänzt werden diese Stücke um 28 japanische Farbholzschnitte aus zwei Jahrhunderten aus dem Leipziger Grassi-Museum.

„Mit der Schenkung Welle befindet sich seit 2007 eine der größten und repräsentativsten Sammlungen internationaler zeitgenössischer Keramik im Besitz unseres Museums für Angewandte Kunst“, sagte Bürgermeister Norbert Hein am Montag im Beisein von Werner Welle, dem er herzlich dankte. „Ausgewählte Werke aus diesem Bestand werden dort seither in einer repräsentativen Dauerausstellung öffentlich zeigt.“

Diese beispielhafte Pflege und Präsentation habe das Sammler-Ehepaar im vergangenen Jahr zu einer weiteren herausragenden Schenkung veranlasst. Dabei handelt es sich um 61 Objekte zeitgenössischer japanischer Studiokeramik, in denen das Erbe der Volkskeramik des fernöstlichen Landes schöpferisch weiterentwickelt wird.

Unter den Werken weltweit bekannter Meisterkeramiker befinden sich allein 23 Gefäße von Tatsuzō Shimaoka (1919-2007), dem der Kaiser den Titel „lebender Nationalschatz“ verlieh. Weitere herausragende Arbeiten stammen von der Hand Kōichi Tamuras, dessen aquarellartige Malerei auf den formvollendeten Gefäßen größte Meisterschaft verrät.

Die Schenkung japanischer Keramik sei nach der internationaler Keramik des 20. Jahrhunderts ein folgerichtiger Schritt gewesen, betonte Werner Welle. „Uns schien es sinnvoll, beide Sammlungen an einem Ort zusammenzuführen.“ Damit habe Gera mit seinem Museum für Angewandte Kunst auf diesem Gebiet „eine Kompetenz erreicht, wie sie in Deutschland zu suchen ist“.

„Trotz bedeutender aktueller, auch avantgardistischer Werke in der zeitgenössischen japanischen Keramik bestimmten diese Meister mit ihrer Unikatproduktion entscheidend die weltweite Anerkennung der japanischen Studiokeramik“, erläuterte Kurator Hans-Peter Jakobson. Ihr großer internationaler Erfolg beruhe auf der Wiederbelebung der Volkskunst (Mingei-Bewegung) sowie einem neuerlichen Interesse an der Teekeramik.

„Eine außerordentlich bedeutsame Rolle bei der Ausprägung der heute als charakteristisch geltenden japanischen Keramik spielte die aus religiösen und ästhetischen Praktiken des Zen-Buddhismus heraus entwickelte Teezeremonie“, betonte er. Eigens dafür entwickelte Gefäße sind noch heute Bestandteile des Œuvres vieler Studiokeramiker, ebenso wie Sakeflaschen und -becher für den traditionellen Reiswein und sind natürlich in der Ausstellung zu sehen.

Die besten Produkte aus den Studios der japanischen Keramikmeister werden über Japan hinaus weltweit von privaten Sammlern, Galerien und Museen hoch geschätzt. „Es zeichnet die Sammlertätigkeit des Ehepaares Welle aus, dass sie in ihrem Bestreben, alle wesentlichen Strömungen und Entwicklungen des keramischen Universums in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts mit repräsentativen Stücken zu erfassen, auch der zeitgenössischen japanischen Keramik besondere Beachtung schenkten“, machte Jakobson deutlich.

Um die herausragende Bedeutung der japanischen Keramiker für die europäische und insbesondere auch für die deutsche keramische Kunst im 20. Jahrhundert zu verdeutlichen, bezieht die Exposition auch bisher selten oder nicht gezeigte Objekte aus der Welle-Schenkung „Internationale Keramik des 20. Jahrhunderts“ ein. Gezeigt wird Gefäßkeramik unter anderem von Jan Bontjes van Beek, Volker Ellwanger, Görge Hohlt, Christine Atmer de Reig, Horst Kerstan, die den Einfluss sowie die persönliche Auseinandersetzung mit fernöstlichen Meisterleistungen der Töpferei widerspiegelt.

War für Jan Bontjes van Beek die große Berliner Ausstellung früher chinesischer Keramik ein Schlüsselerlebnis, das sich später in seiner hohen Formen- und Glasurkultur ausdrückte, wurde die Nachkriegsgenerationen westdeutscher Keramiker maßgeblich durch das Wirken des britischen Töpfers Bernhard Leach und seine Zusammenarbeit mit der japanischen Keramiker-Legende Shoji Hamada geprägt.

Die Ausstellung zeigt Werke des Leach-Sohnes David, in denen das künstlerische Vermächtnis der beiden großen Meister besonders eindrucksvoll aufgehoben ist. Diese Gefäße gehören in ihrer harmonischen Verbindung von abendländischer und fernöstlicher Gefäßkultur zweifellos zu den Höhepunkten der Präsentation.

Zu den bundesdeutschen Künstlern, die immer häufiger zu Studien und Arbeitsaufenthalten in Japan weilten, gehörte Horst Kerstan, der später einen japanischen Anagamaofen auf seinem Grundstück errichtete. Von dem Mitglied der Gruppe 83 sind charakteristische Werke zu sehen. Heute hält sich sein Schüler Uwe Löllmann oft in Japan und Korea auf. Dessen Werk steht stellvertretend für jene deutschen Keramiker, die sich ganz dem japanisch inspirierten Holzbrand verschrieben haben.

Die koreanische Keramikerin Joung Jae Lee verbindet in ihrem Werk heimatliche Tradition mit europäischen Prägungen. In den Werken von Christine Atme de Reig und Volker Ellwanger werden fernöstliche Einflüsse vermittelt. Deutliche japanische Inspirationen finden sich in den Werken des Franzosen Vincent Potier und des Schweizers Jean Claude de Crousaz.

Neben der Keramik wurde das Bild Japans in der westlichen Welt auch von der Kunst des Farbholzschnittes bestimmt. Sie erlebte ihre Blüte in der Edo-Zeit zwischen 1615 und 1868. Zahlreiche Künstler schufen in den mehr als zweihundert Jahren ein gleichsam wirklichkeitsgetreues Abbild der bürgerlichen Alltagskultur.

Die Blätter trugen die japanische Bezeichnung Ukio-e „Bilder der vergänglichen, fließenden Welt“. Sie stellten das pralle Leben in zum Teil satirischen, mitunter sehr drastischen Formen dar, wozu auch deftige erotische Szenen gehörten. Zu den Großmeistern dieser Kunst zählte Kitagawa Utamaro, (1735-1806) vor allem wegen seiner Schauspieler-Darstellungen.

Im 19. Jahrhundert erreichte der japanische Farbholzschnitt mit den meisterlichen Landschaftsdarstellungen vor allem von Katsushika Hokusai (1760-1849) einen letzten großen Höhepunkt. Werke dieser beiden Künstler gehören zu den 28 Arbeiten dieser großartigen japanischen Kunst, die erstmals in Gera als Leihgaben aus dem Grassi-Museum für Angewandte Kunst Leipzig in solcher Fülle gezeigt werden.

Die Ausstellung „Meisterlich – Japanische Studiokeramik – Die Schenkung Welle“ kam mit Unterstützung des Thüringer Kulturministeriums und in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Freunde des Ferberschen Hauses e.V. zustande. Sie ist bis 30. September zu sehen. Das Museum für Angewandte Kunst erwartet seine Besucher – wie alle Geraer Museen – dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11.00 bis 18.00 Uhr.

Noch bis 30. September 2012 - Gera

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