27.08.2017 03:04 Digital Kirmes in Kön

Online-Messe Dmexco - Las Vegas-Wochenende und Zaubershow

Auch für unseren Digital-Content Mops Adele faellt dieses Jahr die  Dmexco aus

Auch für unseren Digital-Content Mops Adele fällt dieses Jahr die Dmexco aus. Dabei war es doch immer so schön auf dem Roten Teppich. Foto: GFDK

Von: Gottfried Böhmer

Harte Worte von Mediacom-Digitalchef Christian Wilkens. "Wir als Mediacom werden in diesem Jahr nicht an der selbsternannten Business- und Innovationsplattform teilnehmen". Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen, "selbsternannte Business- und Innovationsplattform" härter geht es nicht, oder doch?

Komm, wir gehen auf den Rummel, könnte man meinen.

Ja es geht: Christian Wilkens legt nach. "Erhellend war auf unseren letzten Besuchen nämlich vor allem das Bühnenlicht in der Congress Hall". Auch Mediacom, MEC, Mindshare und Maxus werden nicht austellen, wie W&V bestätigt wurde.

Neben der Düsseldorfer Media-Holding Group M verzichten dieses Jahr weitere Unternehmen auf einen Auftritt auf der Kölner Online-Messe Dmexco. Wie W&V erfuhr, sind der Agenturkonzern Havas,  der Online-Modehändler Zalando sowie das Vergleichsportal Billiger.de nicht mit einem Stand vertreten.

Mit legendären Partys verdient man kein Geld

Die Group-M-Agentur Mediacom hatte vergangene Woche ihren Verzicht auf eine Dmexco-Präsenz mit harter Kritik an dem Kölner Großereignis verbunden. Das „Kosten-Nutzen-Verhältnis“ sei „aus dem Gleichgewicht geraten“, kritisiert Mediacom-Digitalchef Christian Wilkens in einem Gastbeitrag für W&V. Die Standkosten hätten sich vervielfacht. „Nachhaltiger Kundendialog und potenzielles Neugeschäft“ komme „angesichts des Info-Overkills“ auf der Dmexco „viel zu kurz“.

Die offene Wunde der Media-Agenturen

Bei aller berechtigter Kritik sollte man folgendes beachten. Vielleicht wollen die Media-Agenturen nur den Fragen ihrer Kunden auf der Dmexco aus dem Weg gehen, denn hier gibt es einiges zu beantworten. Thomas Koch hat vor wenigen Tagen den Finger noch einmal in die offene Wunde der Agenturen gelegt.

Klickbetrug und Bots

Der Klickbetrug erweist sich als ein viel größeres Problem als bisher angenommen. Auch hier in Deutschland. Der Cyber-Security-Experte William Scheckel behauptet: "Wir gehen davon aus, dass heute bis zu 90 Prozent des Online-Traffics einer Kampagne aus Bot-Traffic bestehen kann.

Schuld haben einzig die Mediaagenturen

Thomas Koch, "Wenn man erfährt, dass in Deutschland 800 Millionen Euro für Online-Werbung ausgegeben werden, die niemand sieht, überfällt einen das Bedürfnis lauthals zu lachen. Schuld daran haben einzig die Mediaagenturen". Man versteht nun, warum P&G im vergangenen Quartal 100 Millionen Dollar an "weitgehend unwirksamer" Online-Werbung gestrichen hat. Man habe mit Bots statt mit Menschen kommuniziert.

Na ja, das haben sich die Media Bosse wohl gesagt: Wenn wir nicht auf der Messe sind, kann man uns auch keine dummen Fragen stellen.

Auch wir von der GFDK sind schon im letztem Jahr hart in Gericht mit der Domexco gegangen. So haben wir 2016 geschrieben.... Dmexco 2016 - heisse Luft und grosse Ratlosigkeit bei Kunden und Agenturen.

"Jeden Tag wird eine neue Sau durch das digitale Dorf gejagt. Egal, wo man in Köln stand, überall wurde von der digitalen Transformation gesprochen. Leider konnten die wenigsten es erklären. Das Blub Blub von Martin Sorell (WPP) konnte man sich auch sparen.

Die bösen Ad Blocker wurden weiter verteufelt und ansonsten herrschte eine große RATLOSIGKEIT. Neue Content Strategien? Fehlanzeige. Einige Vermarkter, denen die Banner um die Ohren fliegen, kamen mit der Schnappsidee von automatisiertem Content. Nach dem Motto, die User mögen keine automatisierten Banner, dann lifern wir eben automatisierten Content. Was für eine Logik.

Medien, Agenturen und Kunden werden immer Ratloser. Agenturgründer, Publizist, Speaker: Thomas Koch, auch als "Mr. Media" bekannt, hat es 2016 auf den Punkt gebracht:

"Es sind ungemein schwierige Zeiten. Diese Digitalisierung disruptiert alles, aber auch wirklich alles. Kein Stein steht mehr auf dem anderen. Und keiner weiß, wo’s lang geht. Die Medien nicht, die Agenturen nicht, die Kunden nicht.

Die Kunden tun einem am meisten leid, denn sie müssen das ganze Durcheinander bezahlen und die Suppe am Ende auslöffeln. Auf der Dmexco irrten sie von Stand zu Stand und wurden dabei immer ratloser. Manchem wurde vor lauter Buzzwords einfach nur schwindelig."

Messe-Direktor Frank Schneider ist von den Absagen wenig beeidruckt. Die Zahl der Veranstalter würde gegenüber dem Vorjahr weiter steigen und bei 1050 Ausstellern liegen. Hochmut kommt vor dem Fall.

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