22.04.2018 14:30 BGH-Grundsatzentscheidung

Der Springer-Verlag kocht vor Wut - Werbeblocker sind erlaubt

Es ist die finale Watschn für Publisher: Das Anbieten von Adblockern im Internet ist rechtens. Man sollte besser auf Kreativitaet setzen als auf Anwaltskanzeleien

Es ist die finale Watschn für Publisher: Das Anbieten von Adblockern im Internet ist rechtens. Man sollte besser auf Kreativität setzen als auf Anwaltskanzeleien. Foto: Eyeo

Von: GFDK - Marketing Newe - W&V Frank Zimmer

Zuletzt schrieb mir mir Holger Schellkopf Chefredakteur von W&V, dass WPP mit Problemen zu kämpfen hat, und Alkohol mitten in der Krise bei WPP nicht mehr getrunken werden darf.

Am 9. April wurde bereits bekannt, dass in den Arbeitsbereichen von WPP-Agenturen künftig kein Alkohol mehr konsumiert werden darf. Härter kann es einen nicht mehr treffen. Die Brauerei Astra hat den Agenturen ausgeholfen, mit - klar! - Bier.  

Nun schreibt mir Frank Zimmer Redaktionsleiter Online von W&V, dass man niemanden zum Werbekonsum zwingen kann, und besser auf Kreativität setzt als auf Anwaltskanzeleien. Nur der Springer-Verlag hat das noch nicht verstanden.


Lieber Herr Böhmer,

es gibt Gründe, Digitalisierung und digitale Unternehmen zu reglementieren. Zum Beispiel Social-Media-Plattformen, die Meinungsfreiheit mit Lüge verwechseln und aus Hass Reichweite-Kapital schlagen. Oder sehr große Konzerne, für die Deutschland Absatzmarkt und Steuerparadies zugleich ist.

Das Geschäft mit den Adblockern gehört aus meiner Sicht nicht auf die Regulierungsliste, so weh es unserer Branche auch tut.

Wir können nicht Werbefreiheit fordern und gleichzeitig zum Werbekonsum zwingen.

Genau das wäre aber passiert, wenn der BGH heute gegen Eyeo und Adblock Plus entschieden hätte.

Der Rechtsstreit scheint noch nicht zu Ende, und viele Medienhäuser werden auf das Bundesverfassungsgericht hoffen. Das ist verständlich. Aber wer sein Vermarktungsmodell wirklich weiterentwickeln will, der verbringt seine Zeit besser mit kreativen Digitalexperten als in einer Anwaltskanzlei.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Abend.

Frank Zimmer

BGH-Grundsatzentscheidung - Das Anbieten von Werbeblockern im Internet ist zulässig - das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Der Springer-Konzern will Verfassungsbeschwerde einlegen.

Cornelis Lehment, der Anwalt von Springer, hält das Blockieren von Werbung im Internet generell für höchst problematisch. Denn ohne Werbung könnten die Verlage ihre Internetangebote nicht finanzieren: "Print ist seit Jahren im sinken. Wir werden in Zukunft nahezu ausschließlich digitale Informationsangebote haben, die sich nahezu ausschließlich mit Werbung finanzieren", so der Springer Anwalt.

Die Argumentation mit der Pressefreiheit ist dämlich

Es gäbe zwar Bezahlmodelle, aber die tragen vielleicht mit fünf oder zehn Prozent zu der Gesamtfinanzierung bei, jammert der Springer-Anwalt Lehment. "An der Anzeigenfinanzierung im Internet wird sich auch nichts ändern. Und sie ist auch die grundlegende Bedingung dafür, dass sich so viele Menschen umsonst im Internet informieren können."

Außerdem müssten Verlage wie Springer das Recht haben, selbst zu entscheiden, wie sie ihre Angebote im Internet dem Nutzer anbieten. Dazu gehöre auch Werbung. Werbeblocker, meint Rechtsanwalt Lehment, würden gegen die Pressefreiheit verstoßen:

Der BGH hat der Kölner Firma recht gegeben und entschieden: Werbeblocker im Internet sind zulässig. Ein Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, wie es Springer vorgetragen hatte, liege nicht vor.

Geklagt hatte Springer gegen die Firma Eyeo, die den "AdBlock Plus" betreibt. Der Springer-Verlag wirft dem Unternehmen unlautere Geschäftspraktiken vor und hatte es deshalb verklagt.

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