06.05.2017 14:25 Sie würde auch in der Wildnis leben

Tabeah möchte in Höhlen, Ruinen und Kratern Konzerte geben

Die Saengerin und Komponistin Tabea Mangelsdorf Tabeah hat schon als kleines Kind Musik gemacht

Die Sängerin und Komponistin Tabea Mangelsdorf (Tabeah) hat schon als kleines Kind Musik gemacht. Fotos: (c) Maik Raishaus

Tabeah wuerde auch in der Wildnis leben um Weltmusik zu machen

Tabeah würde auch in der Wildnis leben um Weltmusik zu machen.

Von: Arndt von Themroc

Wenn sich jemand in unsicheren Zeiten aufmacht um Menschen in aller Welt kennenzulernen und seine Erfahrungen in Musik ausdrückt, so ist dies etwas sehr Verbindendes und Schönes. Seit sie 15 Jahre alt ist, bereist die Sängerin und Komponistin Tabea Mangelsdorf (Tabeah) aus Abenteuerlust und Interesse am Menschen die Welt.

Die gebürtige Potsdamerin hat nun mit ihrer Band Tabeah ihr Debut-Album „Stars at Eye-Height" veröffentlicht, auf dem sie mit poetischen Songs ihren Erfahrungen Ausdruck gibt.

Arndt von Themroc hat für die Freunde der Künste mit Tabea Mangelsdorf (Tabeah) über ihre musikalischen Ursprünge, Einflüsse und Ziele gesprochen.

Woher kommst du/ihr?

Ich komme aus Potsdam. Seit ich 16 Jahre alt bin, bin ich von dort aber immer wieder ausgeflogen und habe in Australien, den USA, Indien und Brasilien gelebt. Nach meinem Pop-Gesangsstudium in Osnabrück ziehe ich gerade wieder nach Berlin. Meine Bandmitglieder kommen aus Hannover, Münster, Detmold, Ostfriesland und Spanien.

Seit wann machst du Musik?

Ich habe schon als kleines Kind Musik gemacht. Flöte natürlich und irgendwann habe ich immer mehr Klavier gespielt. Aber gesungen habe ich erst mit 18, denn ich war ein total introvertierter Stummfisch! Ab dem Zeitpunkt habe ich dann immer mehr Konzerte gesungen.

Was bedeutet der Bandname? Warum habt ihr diesen Namen ausgewählt?

Ich habe damals lange überlegt wie wir als Band heißen sollen. Aber diese Musik bin einfach ich! Tabeah ist daraus entstanden, dass ich meinen Namen Tabea um ein `h´ erweitert habe. Es symbolisiert meine Künstlervision. In der hebräischen Handschrift wird das `h` wie ein offener Kanal gezeichnet und das hat so eine Art spirituelle Bedeutung. Und das ist auch was ich als Künstlerin sein möchte: ein offener Kanal für etwas Größeres.

Was sind deine/eure musikalischen Einflüsse?

Die Musiker aus meiner Band kommen aus sehr verschiedenen Stilen. David K. Ehlers (keys) kommt hauptsächlich aus dem Hip Hop und R’n’B, Claas-Henning Dörries (bass) aus dem Post-Rock, Christian Grothe (git) ist sehr viel in der Ambient-Szene unterwegs und unser Drummer Simon Jurczewski steht auf Elektro. Ich selber bin mit klassischer Musik aufgewachsen und habe vier Jahre klassischen Gesang in den USA studiert, bevor ich mich entschied meine eigene Musik zu machen und Pop zu studieren.

Das hört man in den klassischen Streicher Arrangements und vielleicht den eigenwilligen, Song-unähnlichen Strukturen der Lieder. Irgendwann habe ich Jonsi (den Sänger von Sigur Ros) für mich entdeckt. Aber ich höre eigentlich alles was mich irgendwie berührt und mitnimmt. Doch wenn ich komponiere schreibe ich das, was mir kommt erst mal ungefiltert auf, ohne dabei auf Stil zu achten.  

Und ich habe als Kind mehr gemalt als gesprochen. Das hat einen großen Einfluss, denn wenn ich komponiere, male ich innerlich oft bunte Fantasiewelten und weite Landschaften.

Wie schreibt und entwickelt ihr eure Songtexte? Hast du selbst Dinge erlebt und Erfahrungen gemacht in denen es in deinen Songtexten geht?

Die Texte schreibe alle ich. Einige Texte entstehen durch Lebensgeschichten, die mir Menschen auf meinen Reisen in Indien, Israel, Palestina oder Exiltibet erzählten. In anderen Texten bin ich sehr politisch und stelle vieles in Frage. Die Songs der neuen CD geben meinen Sehnsüchten nach innerer Lebendigkeit, verspielter Wildheit und absoluter Freiheit einen Ausdruck.

Was erwartet den Hörer auf eurem Album?

Man wird eingehüllt in eine Klangdecke und in neue Welten entführt.  Mal flüstert die Musik zerbrechlich zart, mal tänzelt alles im witzelndem Pizzicato und mal wird in einer Epik der Spannungsbogen bis an die Grenze gedehnt, dass man am Ende der Reise gerade noch das Gefühl hat, heil angekommen zu sein.

Sphärische und orchestrale Gitarren- und Streicherklänge getrieben von der Rhythmusgruppe und eine unverkennbar expressive Stimme, die klar darüber fliegt. Es sind kunstvolle Lieder, fast Pop, nicht so recht Post-Rock, viel Weltmusik mit klassischen Elementen und Melodien wie Filmmusiken.

Auf diesem Album begegnet man einem riesigen Löwen der genug hat von der Kleinlichkeit der Welt und in seinem Traum zu größeren Horizonten fliegt. In Just For Now geht es zur Ursprünglichkeit im Leben und um den Drang wild durch den Wald zu toben anstatt eine Leistungs-Machine zu sein. Paper Piano dreht alles humorvoll auf den Kopf um die Welt mal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.

Jedes dieser Kunstwerke will zur Freiheit und zur inneren Lebendigkeit. Spielerisch und fantasievoll, wild und herausfordernd oder ganz ursprünglich spirituell. Der Alltag ist oft sehr schnell und vollgestopft, aber von der Intimität und Tiefe dieser Musik darf man sich in Ruhe berühren lassen und vielleicht lang verschlossene Räume in sich öffnen.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Ich liebe Jonsi, Henryk Gorecki, Vince Mendoza, Ane Brun, Joni Mitchell, Cassandra Wilson, Arve Henriksen, Simin Tander, viele der Arabischen und Afrikanischen Künstler und viele mehr.

An welchen weiteren Musik-Genres bist du noch interessiert?

Traditionelle Afrikanische und Arabische Musik. Da steckt oft so eine uralte Tiefe drin.

Was würdest du tun, wenn du nicht Musiker/in geworden wärst?

Tolle Frage. Ich würde in der Wildnis leben, oder mich als Aktivistin für die Urvölker der Welt einsetzen oder vielleicht ein Wandernomade sein. Träumerein.

Wie sehen eure Live-Shows aus?

Man sitzt dort mit seinem Wein, sieht acht total vertiefte Musiker und lässt sich wie von einer Filmmusik, in eine Welt aus feinen und total epischen Klangspektren mitreißen. Viele fühlen sich danach gereinigt, berührt, erhoben und mit etwas Vergessenem in sich verbunden fühlen. Das ist schön.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wir wollen immer mehr Leute mit unserer Musik erreichen natürlich! Mein Traum ist es mit einem Visual Artist zusammen zu arbeiten und an ungewöhnlichen Orten wie Höhlen, Ruinen und Kratern Konzerte zu veranstalten.

Wir arbeiten schon am nächsten Album, welches erdiger, roher und noch viel mehr Weltmusik wird. Es zieht mich auch wieder Richtung mehr Einfachheit. Es bleibt spannend.