05.07.2013 15:17 Gedanken und Emotionen auf deutscher Sprache

„Leinen Los“. Ein Interview zwischen Martin Goett und Stefanie Tendler

Leinen los, beschreibt ein Voranschreiten, einen neuen Abschnitt. Den Kopf nach vorn gewandt, ohne ihn nach hinten zu drehen.

Leinen los, beschreibt ein Voranschreiten, einen neuen Abschnitt. Den Kopf nach vorn gewandt, ohne ihn nach hinten zu drehen. Fotos 1 bis 5 (C) Dennis Hamm.

Martin Goett vor fast einem Jahr damit angefangen sich intensiver mit deutschen Texten zu beschäftigen.

Martin Goett hat vor fast einem Jahr damit angefangen sich intensiver mit deutschen Texten zu beschäftigen.

Leinen los, beschreibt ein Voranschreiten, einen neuen Abschnitt.

Leinen los, beschreibt ein Voranschreiten, einen neuen Abschnitt.

Martin Goett, meine Musik soll keine bestimmte Zielgruppe ansprechen.

Martin Goett, meine Musik soll keine bestimmte Zielgruppe ansprechen.

Martin Goett will sich kreativ in deutscher Musik auszuleben.

Martin Goett will sich kreativ in deutscher Musik ausleben.

Das war fast wie eine Befreiung. Foto: Stefanie Tendler

Das war fast wie eine Befreiung. Foto: Stefanie Tendler

Stefanie Tendler

Stefanie Tendler

Von: GFDK - Stefanie Tendler Profil bei Google+

„Leinen Los“, so lautet der erste deutschsprachige Solotitel des Singer- Songwriters Martin Goett.

Der gebürtige Heidelberger hat bereits viel Banderfahrung sammeln dürfen, nicht zuletzt mit der auch noch aktuellen Band Gravity Saints. Dennoch war es sein inneres Bedürfnis seinen Gedanken und Emotionen auf deutscher Sprache Ausdruck zu verleihen.

Was war für dich der ausschlaggebende Moment deutsche Songtexte zu verfassen und der englischen Sprache für einen Augenblick den Rücken zu kehren?

Ich habe vor fast einem Jahr damit angefangen mich intensiver mit deutschen Texten zu beschäftigen und gemerkt, dass es mir leicht fällt mich auszudrücken und Gefühle in Worte zu packen. Obwohl es nahe liegt mit der Muttersprache Ausdruck zu verleihen hat es viel mehr Mut erfordert. Jeder achtet automatisch viel mehr auf den Text und im übertragenen Sinne präsentiert man sich seinem Publikum komplett nackt.

Bedingt durch Gravity Saints und durch die eigene Faulheit ist das aber erst mal wieder ein wenig eingeschlafen.

Erst Anfang 2013 während der Trennungsphase mit meiner Freundin hatte ich das unbedingte Bedürfnis Lieder auf Deutsch zu schreiben und vor allem zu texten. Das war fast wie eine Befreiung, bzw. eher eine Entlastung, wichtig für das Seelenheil, wenn man das heute noch so sagt... Es hat einfach unglaublich gut getan und seitdem bin ich viel motivierter mich kreativ in deutscher Musik auszuleben.

Leinen los, beschreibt ein Voranschreiten, einen neuen Abschnitt. Den Kopf nach vorn gewandt, ohne ihn nach hinten zu drehen...Welche Bedeutung hat für dich dein erster Song Leinen los?

Die Frage hast du praktisch schon beantwortet. Wobei das Zurückschauen ein wesentlicher Bestandteil des Textes ist und ich finde, ein wesentlicher Bestandteil des Voranschreitens ist die Gewissheit des Zurück gelassenen. Aber du hast Recht, man darf sich nicht zu oft umdrehen, sondern muss nach Vorne schauen, Dinge wagen, auch mal risikofreudig sein. Entscheidungen treffen, aus dem Bauch, aus einem guten Gefühl heraus. Das ist vor allem ein Generationenproblem. Ich glaube, wir lassen uns viel zu sehr von äußeren Einflüssen beeindrucken und wissen aufgrund der vielen Konventionen einerseits und der großen Vielfalt andererseits nicht mehr wohin. Also: Die Segel setzen und die Richtung selbst bestimmen, darum geht es.

Möchtest du mit diesem Song eine bestimmte Zielgruppe ansprechen?

Bis vor ein paar Jahren war „deutschsprachige Musik“ zu machen schon zielgruppendefiniert. Das hat sich glücklicherweise geändert. Aber nein, meine Musik soll keine bestimmte Zielgruppe ansprechen. Das wäre eine falsche Herangehensweise. Ich mache definitiv keine Partymusik. Wer Kraftklub oder K.I.Z erwartet ist bei mir falsch. Da bin ich eher das Gegenteil. (Martin schmunzelt). Wenn die Lieder vermehrt eine bestimmte Gruppe von Menschen ansprechen, dann ist das so. Das wiederum zu planen wirkt oft wenig authentisch und kann ich zumindest nicht vertreten.

Welche Wirkung übt Musik auf dich aus?

hmm... Musik umfasst Alles. Leidenschaft, Gefühl, Genuss, Lachen, Weinen, Freunde, Gemeinsamkeiten, Freizeit, Berufung! Viele meiner schönsten Momente im Leben sind auf Musik zurückzuführen.

Wenn die Leidenschaft aber überhandnimmt und zu etwas Krampfhaftem wird, dann wird sie – zwar selten – lästig und anstrengend zwanghaft. In den Momenten genieße ich es mit Menschen zusammen zu sein, die nichts mit Musik am Hut haben und sich im Idealfall wenig für meine musikalischen Ergüsse interessieren. Ich glaube, ich kann da manchmal auch etwas nervig sein... Alleine sein und sich ordnen hilft da auch.

Wie geht Gravity Saints mit deinem neuen Projekt um?

Oh die finden das toll was ich mache, zumindest sagen sie das haha...Nein im Ernst, sie respektieren mich als Musiker und als Freund und wissen, dass mir die Musik in meiner derzeitigen Lebensphase einfach sehr wichtig ist. Gleichzeit sind sie aber auch in einem gewissen Zwiespalt, der „gesund“ ist. Sie unterstützen mich und haben unter anderem auch auf „Leinen Los“ mit eingespielt. Musikalisch gibt es kaum Berührungspunkte und ich hoffe und glaube daran, dass ich das auch weiterhin fortführen kann. Danke an dieser Stelle an die Jungs!

Welche Erfahrungen haben dich in deiner Musikerlaufbahn besonders geprägt und die Richtung wechseln lassen?

 Praktisch jede Erfahrung verändert mich als Mensch und Musiker ein klein wenig. Ich habe früh mit klassischer Musik angefangen, in der Pubertät die ersten Banderfahrungen als Sänger gemacht und bin dem treu geblieben. Verschiedene Lebensphasen und die Menschen im privaten musikalischen Umfeld haben dazu beigetragen, dass ich mich immer weiterentwickelt und auch mal einen Richtungswechsel gewagt habe.

Wenn ich da zurück schaue, war ich in jeder Band  - egal ob ich Hardrock, Alternative, Metal, Pop oder sonst was gemacht habe – immer derjenige, der  melancholische, melodiebetonte Musik geliebt hat.  Das zieht sich die ganzen letzten Jahre über durch, und hierbei spielt die Länge der Haare keine Rolle. (Martin grinst!)

Gibt es etwas, dass du anderen Träumern gerne mit auf den Weg geben würdest?

Oh! Du hast mich durchschaut. Träume haben und sie ein Stückweit zu leben ist essentiell. Damit meine ich nicht nur das nächste erreichbare Ziel, sondern Tagträume bei denen man abschalten, nachdenken und sich einen Augenblick in Gedanken verlieren kann. Es soll ja Menschen geben, die meinen, ich würde zu viel träumen und ich sollte mich mehr auf wesentliche Dinge konzentrieren. Ich lebe aber ganz gut damit und kann nichts Schlechtes am Träumen erkennen, solange man sich nicht völlig darin verliert und lethargisch wird. Was kann ich anderen Träumern oder Nicht-Träumern auf den Weg geben? Träumt so viel ihr wollt und genießt es!

Welche Pläne hast du für die zweite Hälfte von 2013?

Aktuell bin ich immer wieder im Studio um meine Lieder aufzunehmen. Parallel schreibe ich weiter und hinterfrage immer wieder kritisch was ich mache. Ein ausgewählter Personenkreis, darf auch gerne meine Demos hören und eine ehrliche Meinung abgeben. Für mich ist es wichtig Kritik zu bekommen, was nicht heißt, das ich sie immer annehme, wenn ich sie nicht für angemessen halte. Ich denke, dass ich es bis zum Herbst 2013 schaffe eine EP fertig zu haben. Der ist praktisch schon fertig und es wird auch schon an dem Video geschnippelt.

Aber natürlich möchte ich auch unbedingt noch einige Liveauftritte spielen. Das ist sozusagen der Höhepunkt eines jeden Musiker, wenn man die eigenen Lieder auf der Bühne präsentieren kann.

Ein bisschen stolz und gespannt blicke ich den nächsten Monaten entgegen, da ich es kaum erwarten kann, zu sehen wie mein neues Werk ankommt.