27.02.2015 08:53 Kunst Konsum Gastfreundschaft und Kultur

Ist Rewe eine Art Plattform für Kulturen? - Gila Abutalebi meint Konsum ist Kommunikation

Kuenstlerin Gila Abutalebi ueber Konsum

Was hat Rewe mit Konsum, Kommunikation, Ordnung, Gastfreundschaft und Kultur gemein. Diese Fragen beantwortet uns die Künstlerin Gila Abutalebi in Köln. Fotos von Bernd Ahrens

Gila Abutalebis Werke haengen in der REWE ZentraleAusstellung Gila AbutalebiGila Abutalebi im Interview mit Freunde der Kuenste
Von: GFDK - Redaktion

Die Künstlerin Gila Abutalebi hat mit der Gesellschaft Freunde der Künste schon mehrere Kunst und Kultur Projekte veranstaltet, unter anderem das Goethe-Festival 255 Jahre Goethe "Wie sehen Künstlerinnen Goethe". Nun zeigt sie neue Arbeiten in Köln. Im letztem Jahr war sie zum 16. Islamic Arts Festival in Sharjah der Kulturhauptstadt der arabischen Welt eingeladen um ihre „In love with K – K Visuals” zu präsentieren.

Was hat Rewe mit Konsum, Kommunikation, Ordnung, Gastfreundschaft und Kultur gemein. Diese Fragen beantwortet uns die Künstlerin Gila Abutalebi in Köln.

Betitelungen sollen Aufsehen erregen und Neugier wecken. Das K steht für Gila Abutalebi nicht für Köln, obgleich die Stadt am Rhein ihre Wahlheimat ist und Köln ohne Zweifel als eine Stadt der Künste gilt. Der geheimnisvolle zweite Teil bezieht sich auf Gila Abutalebi (A), die sich als „Schreibkünstlerin“ dem Buchstaben (K) verschrieben hat. Wer ist und was tut diese geheimnisvolle, junge Künstlerin? Und wie kommt nun der Buchstabe (R) ins Spiel.

Die Perserin, in Österreich geboren und in Köln lebend, offeriert uns seit Jahren ein unverwechselbares, in sich homogenes Oeuvre. Die Begegnung mit zwei Kulturen, der persischen und der deutschen, geht ineinander über: fremdländische Aussagen finden eine europäische Darstellung. So vermittelt ihr Werk die Begegnung zweier Kulturen - der Besucher, zu eigener Interpretation aufgefordert, steht bei der konkreten Ausdeutung einer herrlichen Formenvielfalt und großartiger Farbgebung gegenüber.

Ist sie emotional tief berührt, freudig gestimmt oder nachdenklich geworden? In ihrer Serie „In Love with K - K Visuals“kreist die Arbeit Abutalebis allein um den Buchstaben (K), den sie so vielfältig aufgreift und darstellt: das böse (K) als Krieg, Krankheit, Krebs, Konflikt, Krise ebenso wie das gute (K) in Kultur, Kuss, Kommunikation, … und sogar in Köln.

Jetzt hängen die K' s von Abutalebi in der Hauptverwaltung der REWE Zentrale in K. Zu der gegenwärtigen Ausstellung in der Domstraße in Köln haben wir Gila Abutalebi befragt:

Frau Abutalebi, REWE beginnt doch mit einem R und nicht mit K. Wieso also Ihre K Werke bei der REWE-GROUP?

K und Rewe haben doch viel gemeinsam. K ist äußerst vieldeutig. Rewe (R) steht für Konsum, Kultur, Kulinarisches, Kochen, Körper, Konsument, Kunde, Konzept, Kaufen, usw. Da haben wir schon eine außerordentliche Schnittmenge. Konsum ist Kommunikation und mein K kommuniziert außerordentlich.

Sie erkennen also REWE in ihren Bildern wieder?

Aber ja, es gibt eine ungeheure Verbindung. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Blicken wir mal auf die Regale bei REWE, alles hat seine Ordnung, es herrscht ein Rhythmus, es gibt also eine Komposition bei den Konserven und Produkten, die Verführung des Kulinarischen, des Konsums, dem steht nun mein K gegenüber, in all seiner vielfältigen Interpretation.

Keine Vernissage?! Und trotzdem stellen Sie bei REWE aus?

Es geht doch um Inhalte. Nicht um Parties, so sehr ich diese auch liebe. Sehen Sie ich bin zwischen den Kulturen aufgewachsen. Ganz elementar in meiner persischen Kultur ist das Essen, die Gastfreundschaft. Essen bringt Menschen zusammen, ich lade regelmäßig 10 bis 15 Menschen zu mir ein, ich koche tagelang für sie. Was ich sagen will ist doch, dass REWE eine Art Plattform der Kulturen ist, somit der richtige Ort für eine Ausstellung.

Ihre Arbeiten sind vielschichtig, im Tatsächlichen wie im übertragenen Sinne.

Der Mensch ist mehrdimensional zu betrachten und meine Arbeiten kreisen um den Menschen, die Vielschichtigkeit, die Tiefe, die Reflexion provozierend. Der unbeleuchtete Raum hinter einem beleuchteten Körper, ist so spannend! Daher sind mir die Schattenspiele bei vielen Arbeiten sehr wichtig, das gezielt eingesetzte Licht. Es braucht ja die Provokation. Wir alle brauchen die Provokation.

Provokation? Der unbeleuchtete Raum hinter einem beleuchteten Körper, was meinen Sie genau?

Wir sehen zunächst, besser noch wollen nur das Schöne sehen, aber hinter dem Schönen verbirgt sich eben weit aus mehr, das Schöne ist die Summe von Vielem. Da sind wir bei der Vielschichtigkeit. Meine Bilder sind ja nicht einfach nur „schön“. Ich beleuchte. Ich studiere. Ich inhaliere die Menschen, Momente, Ereignisse und mache sie und alle und alles zu Buchstaben und Farben, auch mich selbst. Es gilt das „Dahinter“ hervor zu provozieren.

Warum diese Bilder Auswahl bei REWE?

Ich fand, dass diese Serie zur REWE passt. Der Vorstandsvorsitzende der Rewe Group, Alain Caparros ist ja auch ein Individualist, er läuft als der sogenannte Rebell der Supermärkte in seine eigene Richtung, im Sinne des Unternehmenserfolgs. Er wird häufig in der Presse als Diktator bezeichnet. Außerdem hängt ein Werk von Ludwig XIV, dem Sonnenkönig in der REWE Zentrale, in dem Moment als ich es erblickte, war mir klar, dass meine Arbeiten auch mit ihm korrespondieren.

K Visual 47 zum Beispiel ist einer meiner Lieblingskämpfer. Er hat den Segen der Liebe, er steht stets im Liebesstrahl, er kämpft für die Liebe. Dieser Krieger ist voller Kreativität, voller Würde, der Komplize, den man sich im Leben wünscht, der mit zum Erfolg beiträgt, der Erleuchtete, der wahre König der Herzen, er kämpft für das Gute. Die humanistische Komponente, auch ein bisschen der Kontrast zu Louis und Napoleon.

Sie schreiben nur mit lateinischen Buchstaben, obwohl der erste Blick die arabische oder persische Schrift vermuten lässt. Warum lateinische Buchstaben?

Ich liebe die lateinischen Buchstaben, sie sind eine optische Herausforderung, aber meine Schrift, meine Hand ist persisch. Meine persische Seele fließt in die lateinischen Buchstaben. Deutsch-persisches Gedankengut. Ich fühle deutsch, fühle persisch, ich bin mehrsprachig, dementsprechend träume und fühle und denke und schreibe ich mehrsprachig, aber meine Hauptsprache ist die deutsche Sprache.

Was erwartet uns als nächstes von Ihnen?

Die Frage müsste lauten: Was erwartet mich und uns? Das kann ich nicht beantworten. Ich weiß nur, das K ist weiterhin Held meiner Arbeiten, aber ich gebe zu, ich habe mich bereits in einen anderen Buchstaben verliebt, bereits vor einem Jahr. Aber auch ich kann gleichzeitig lieben, nicht nur einen Buchstaben.... Mal sehen, was passiert.

Es hängen 6 Arbeiten von Gila Abutalebi in der REWE Zentrale in Köln. Besichtigung nach Voranmeldung bei REWE Köln, Domstraße

Das Interview führte Gottfried Böhmer im Februar 2015 in Köln.

Weitere Infos über Gila Abutalebi unter www.transparente-lyrik.de

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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