06.08.2017 11:44 das hat sich gewaschen, können wir sagen

Exklusivinterview für freundederkuenste.de - MICHAELA BOLAND TRIFFT SCHLAGERLEGENDE JÜRGEN DREWS

Juergen Drewsder der selbstgekroente Sommerinsel-Monarch sprach fuer GFDK mit Michaela Boland

Jürgen Drews der der selbstgekrönte Sommerinsel-Monarch sprach für GFDK mit Michaela Boland. Fotos: © GFDK - MICHAELA BOLAND

Mit Michaela Boland sprach der selbstgekroente Sommerinsel-Monarch jetzt ueber sein Erfolgsrezept

Mit Michaela Boland sprach der selbstgekrönte Sommerinsel-Monarch jetzt über sein Erfolgsrezept, die Liebe zu seiner Frau, verabscheuungswürdigen Einmal-Sex.

Von: MICHAELA BOLAND

Jürgen Drews denkt schon sehr lange über seinen Tod nach wie er nun mit 71. t-online erzählte. 2010 als er gerade 65 wurde haben ihn solche Gedanken noch nicht geplagt. Ganz im Gegenteil, wie man aus dem Gespräch, das Michaela Boland für die GFDK mit ihm führte lesen kann.

Nächsten Monat wird er 65 Jahre alt! Ansehen kann man es ihm wahrlich nicht. Mehr als 30 Jahre nach seinem Erfolgshit „Ein Bett im Kornfeld“ ist Schlager-Star Jürgen Drews jetzt erneut ein Supercoup gelungen: Mit „Ich bau dir ein Schloss“ katapultierte sich der Sohn eines Arztes erneut in die deutschen Top Ten.

Mit Michaela Boland sprach der selbstgekrönte Sommerinsel-Monarch jetzt über sein Erfolgsrezept, die Liebe zu seiner Frau, verabscheuungswürdigen Einmal-Sex, Jazz in L.A. und die Bildzeitungsente, die ihn fast die Karriere kostete.

Jürgen Drews befindet sich auf Promo-Tour. Seine Hit Single „Ich bau dir ein Schloss“ hat `reingeknallt`, denn innerhalb kürzester Zeit schoss der Song in den Deutschen Charts von Null auf 10. Seit Anfang Februar ist auch das Album „Schlossallee“ auf dem Markt. Jetzt gilt es, die Scheibe im Rahmen von Werbeauftritten an den geneigten Hörer zu bringen.

Üblich sind insoweit auch Touren durch Shopping Malls und heute stehen gleich mehrere Städte auf dem Programm. Es ist 18.30 Uhr und der Schlagersänger bereits 30 Minuten überfällig. Stau auf der A3. Beinahe 1000 Drews-Fans haben sich unter der lichtdurchlässigen Kuppel im Zentrum einer Einkaufsgalerie irgendwo zwischen Düsseldorf und Köln eingefunden und warten geduldig auf „ihren“ Jürgen.

Dann endlich ist es soweit .Ein großer schwarzer Citroen fährt vor. Der Hauptacteur, sein Fahrer, eine Assistentin und deren Kollege steigen aus.  Durch den Hintereingang soll Jürgen Drews nun unverzüglich von der wartenden Centermanagerin und  ihrem Sicherheitspersonal zur Bühne geschleust werden.

Gut sieht er aus und viel jünger als er eigentlich ist, wenngleich er auch ein wenig müde erscheint. Im Auto während der Fahrt von Essen hat er noch ein bisschen schlafen können, bevor er nun wieder völlig präsent auf die Bühne hüpft und die neuen Songs performt.

Ungewöhnlich forsch gestaltet sich die Verkaufsveranstaltung mit anschließender Autogrammstunde. Schon zu Beginn erklärt Jürgen Drews seinen Fans, dass er gar keine Autogrammkarten mitgebracht habe, aber gerne seine Signatur auf CDs und ähnlichem hinterlasse.

Die neue CD könne das Publikum käuflich erwerben. Und tatsächlich laufen schon zu Beginn der Performance mehrere Teammitarbeiter unentwegt mit hochgestreckten Armen und jeweils zwei Drews-CDs in den Händen durch die Menschenmasse, um nicht zuletzt mithilfe  körperlicher Präsenz direkt zum Kauf zu animieren.

Das Konzept geht auf, denn Drews hat trotz seiner beinahe 65 Lenze nichts von dem ihm anhaftenden Charme oder seinen gesanglichen Qualitäten eingebüßt. Fast möchte man meinen, der König von Mallorca zähle maximal 45 Jahre, so wendig bewegt er sich gleich einer geschmeidigen Katze auf der Bühne, seinem Zuhause. Die Frauenherzen fliegen ihm auch in dieser Stadt zu.

Nach über einer Stunde des Singens und Autogramme Schreibens, übrigens nicht nur auf CDs, sondern ebenso auf Zettel, T-Shirts und Damen-Dekoltees, ist die Arbeit getan und der letzte Fan mit Fotos fürs Familienalbum versorgt. Beim Abendessen steht der natürlich gebliebene Schlager-Star dann offen Rede und Antwort. 

Michaela Boland:

Nicht vielen Showstars gelingt es, auch noch nach 40 Jahren Bühnenpräsenz so gut im Geschäft zu sein und sogar wieder einen Top Ten Hit zu landen. Was machst du anders als andere?

Jürgen Drews: 

Weswegen ich noch bestehe oder weswegen ich noch da bin, dafür gibt es kein Geheimrezept. Ich bin so wie ich bin. Ich habe Glück gehabt, dass ich von der Gendisposition her noch einigermaßen gut drauf bin. In meinem Alter scheint das wohl doch nicht so unbedingt entsprechend zu sein, wie ich mich noch darstelle oder darstellen kann.

Michaela Boland:

Hättest du dir dies zu Beginn deiner Karriere vorstellen können?

Jürgen Drews:

Ich laufe aus dem Stand einen Marathon, ich laufe Ski und wenn ich mir dann mein Alter in den Kopf  beame, dann denke ich: Hallo? Was hast Du Dir mal vorgestellt, was Du machen wirst, wenn Du 50 bist oder sogar 60?  Ich habe mal ein Lied geschrieben und das ging folgendermaßen:

„Wenn ich mal 60 bin und meine Haare grau, im Gesicht viele Falten, wirst du dann immer noch zu mir halten?“ Ich am Krückstock und die Enkel um mich rum, so habe ich wirklich gedacht.

In der Zeit als ich meine Langspielplatten damals noch auf Vinyl gekauft habe, und irgendwer 50 wurde, habe ich sogar einmal gesagt: Von so `nem Opa kauf ich nichts. Und ich habe nichts mehr gekauft. Und so dachte ich natürlich, mich will doch gar keiner sehen, wenn ich 50 bin. Jetzt gehe ich ins Rentenalter. Ich sage es ganz  laut und deutlich: Ich werde 65 Jahre. Hallo?

Michaela Boland:

Wie hältst Du Dich fit?

Jürgen Drews:             

Die Bühne!

Michaela Boland:

Das ist ausreichend?

Jürgen Drews:  

Ich bin auf der Bühne. Ich mache nur ein Nischenprodukt. Das was ich tue, ist ja nichts Besonderes. Ich mache Party, darauf lege ich jetzt Wert. Es wird in diesem Jahr einen Titel geben von Frauenarzt und Onkel Jürgen. Ich lasse ja nichts aus. (Lacht). Der Titel heißt: „Monikas Sonnenstudio“ Bekloppter gehts nicht mehr. Das hält mich sehr wahrscheinlich dynamisch, weil ich mich auch damit therapiere. Ich glaube, wenn ich nicht auf die Bühne gehen könnte,  wäre alles anders. 

Michaela Boland: 

In den Siebzigern wurdest du primär als Schlagersänger wahrgenommen, seit vielen Jahren stehst du nunmehr beinahe Sinnbildhaft für den Partysektor. Hast du diesen Wechsel bewusst vorgenommen?

Jürgen Drews:

Ich bin durch Zufall in den Partysektor hereingeschlittert. Bei einem seriösen öffentlich rechtlichen Sender moderierte ich die Deutsche Schlagerparade. Damals gab es bei der Bildzeitung jemanden, der mich nicht mochte und den ich nicht mochte. Er war auch zufällig Unterhaltungschef. Er hat mir den sogenannten „gelifteten Hintern“ angedichtet.

Aufgrund dieser Ente verlor ich die Sendung beim öffentlich Rechtlichen, wo ich schon 66 Sendungen moderierte hatte. Da habe ich mich gefragt: In welchem Land lebe ich? Das ist himmelschreiende Ungerechtigkeit.

Michaela Boland: 

Wenngleich du dir dein Gesäß auch nicht straffen lassen hast, wen kümmerte die ganze Angelegenheit derart?

Jürgen Drews:  

Die damalige Chefredaktion des SWR. Die sind alle gar nicht mehr da, das ist Schnee von gestern. Aber das hat mir die Weiche verstellt. Ich bin durch eine Ente, durch einen sogenannten gelifteten Hintern, auf einmal aufs  Abstellgleis geraten, wurde zur Persona non Grata, zur No-go-Area erklärt.

Michaela Boland:       

Wie bist du mit den neuen Gegebenheiten umgegangen?

Jürgen Drews:      

Ich habe zuerst lamentiert. Damals war ich gerade mit Ramona (Anm. d. Red: heutige Ehefrau) zusammen. Sie sagte zu mir: „Was regst du dich so auf? Du wirst hier nach noch einen richtigen Schub kriegen.“ Und ich fragte sie, was sie mir da erzählen wolle, denn obwohl ich mir sonst aus Altersunterschieden nichts mache, dachte ich ausnahmsweise bei mir: Meine Güte, du bist doch jung, was willst du mir altem Recken erzählen?

Michaela Boland:

Offenbar sollte sie Recht behalten.

Jürgen Drews:  

Ramona war gerade 19 und erklärte mir, dass ich doch nur überlegen müsse, dass die Leute nun neugierig sein und zu meinen Auftritten kommen würden. Selbiges ist passiert: Here I am. Als Thomas Gottschalk 1999 dann noch in der ersten Wetten dass-Ausgabe, die auf Mallorca stattfand, Costa Cordalis und Jürgen Drews als die heimlichen Könige von Mallorca bezeichnete, wurde die Weiche zum König von Mallorca von heute gestellt.

Und dass einer so bekloppt sein kann und sich im gesetzten Alter eine Gummi-Krone aufsetzt und einen Umhang umhängt, ich meine, da gehört schon einiges an Bescheuertheit dazu. Aber das ist für mich Therapie.

Michaela Boland:

Wogegen musst du therapiert werden?

Jürgen Drews:

Ich war früher ganz schüchtern. Ich war so verklemmt, dass ich fast als autistisch hätte bezeichnet werden können. Und mein Vater, der ein sehr guter Arzt war, hat mich da heraus geholt, indem er mir eine Gitarre in die Hand gedrückt und damit den Schlüssel dazu gelegt hat, dass ich irgend etwas Musikalisches mache. Allerdings hatte ich mir nie vorgestellt, dass ich dabei bleiben würde.

Michaela Boland:       

Wie wohl fühlst du dich in einem Musikbereich, den du nicht ursprünglich gewählt hattest?

Jürgen Drews:

Ich fühle mich pudelwohl, seit ich Party mache. Erst jetzt habe ich ja gesagt, dass ich das erste Mal nach 20 Jahren wieder Schlager anfasse. Einfach noch mal eine LP Schlager. Dies lag auch nur daran, dass einige Disc Jockeys, die im Partybereich vor jungen und junggebliebenen Leuten arbeiten, mir dazu geraten haben. Sie forderten mich dazu auf, doch noch einmal so etwas wie „Irgendwann, irgendwo, irgendwie“ zu produzieren, denn sie wussten, dass dies auch bei Jugendlichen ankommt. 

Michaela Boland:   

Was genau macht den Unterschied zwischen klassischem Schlager und Partysong aus?

Jürgen Drews: 

Bei Party hast du immer einen Off-Bass spielen, das heißt, zwischen der Eins und Zwei(Takt) spielt  der Bass öfter on.

Michaela Boland:  

Was bedeutet für dich Glück?

Jürgen Drews:        

In meinem Alter kann es eigentlich nur noch Gesundheit sein. Das heißt, man kann von Glück sagen, wenn man gesund bleibt. Aber das richtige Glück ist ja eine ganz temporäre Geschichte, das gibt es, glaube ich, nur im zwischenmenschlichen Bereich. Das kannst du dir nicht erkaufen.

Michaela Boland:     

Bist Du ein glücklicher Mensch?

Jürgen Drews:  

Ja, ich bin mit Ramona jetzt 19 Jahre zusammen.  Habe ich gestern gerade von ihr erfahren. Sie sagt, wir sind nicht 18 Jahre zusammen, wir sind 19 Jahre zusammen. Wir sind nicht 15 Jahre verheiratet, wir sind 16 Jahre verheiratet.

Michaela Boland:  

Muss dir das deine Frau sagen? Ist dir so etwas nicht automatisch bewusst?

Jürgen Drews:

Nein, ich habe sowieso viele Sachen nicht auf dem Schirm. Ich weiß, dass sie 1973 geboren ist. Ich müsste jetzt jedes Mal rechnen, wie alt ist sie jetzt eigentlich? Aber mich interessiert das echt einen Scheißdreck! Weil Geburtstage und Jubiläen, alles das feiere ich nicht.

Michaela Boland:   

Selbst Geburtstage möchtest du nicht feiern?

Jürgen Drews:  

Nein, ungern. Als ich beispielsweise 50 wurde, da war ich gerade mit Ramona zusammen, Joelina war noch im Bauch, unsere Tochter. Da sind wir nach Paris gefahren.

Es war ein wunderschöner Sonnentag, der 2. April und wir beide sind Hand in Hand durch Paris geschlendert bis wir an der Seine irgendwann ein wunderschönes Fischrestaurant fanden, wo wir ,ich trinke ja sonst keinen Alkohol, jeder ein Glas Champus getrunken haben, uns in die Augen geguckt, ein paar Tränchen vergossen haben und was Schönes bestellten.

Das ist mein Geburtstag! So etwas finde ich toll. Halli Galli brauche ich privat nicht. Beim 60.sten sind wir zusammen in Skiurlaub gefahren, in den Stangelwirt  nach Kitzbühel, da haben sich noch vier Leute dazu gesellt, weil es sich so ergeben hat. Das war aber die größte Party, die ich gefeiert habe. Ich feiere privat keine Partys. 

Michaela Boland:  

Der Bedarf ist also gedeckt?

Jürgen Drews:        

Das ist ja das Schöne, weil ich ja von Natur aus nicht so bin, ist es ja so geil, beruflich Party feiern zu dürfen. Ich sage jetzt ganz bewusst „dürfen“. Ich gehe ja die Generationen durch. Das beginnt bei 18 und hört so bei 50 auf.

Michaela Boland:   

Es gibt innerhalb deiner Garderobe einen besonderen Anzug mit auffälligen kleinen roten Punkten, den du verschiedentlich bei Auftritten immer wieder getragen hast. Ich bezeichne ihn als den „Hollymünd-Anzug“, nachdem du ihn gerade in dieser Sendung wiederholt getragen hast. Du nennst ihn den „Schlafanzug“. Was hat es damit auf sich? 

Jürgen Drews:   

Das ist ein typischer Ibiza-Anzug. Den haben übrigens Howard Carpendale in blau und Rod Stewart auch. Rod Stewart, der hat ihn ebenfalls in blau. Daher hat Howard Carpendale das wahrscheinlich.  Rod Stewart habe ich damit auf der Bühne gesehen, mit meinem Anzug.

Michaela Boland:  

Würde es sich da nicht anbieten, einmal gemeinschaftlich mit den Kollegen in jenen bepunkteten Anzügen aufzutreten?  

Jürgen Drews: 

Wir haben schon mal gemeinsam eine Frau gehabt, der Rod Stewart und ich.

Michaela Boland:  

Ob dies wohl ein guter Anfang ist, um ins Gespräch zu kommen?

Jürgen Drews:

Heißt Britt Eklund. Als sie mit ihm auseinander ging, hatten wir...Hammer.

Michaela Boland:   

Es gab in Deinem Leben ja schon die eine oder andere Frau. Erinnert man sich da eigentlich noch an alle?

Jürgen Drews:    

Ich glaube, dass ich das noch gut überblicken kann, wie viele Frauen ich hatte, denn ich hasse eines und jetzt kann ich diesen blöden Spruch machen: Ich bin kein Mann für eine Nacht. Das ist der dümmste Spruch, den ich überhaupt je gehört habe. Aber es ist so, dass es mir erst dann Spaß macht, mit einer Frau zusammen zu sein, also so war es früher, wenn man ein paar Mal zusammen war.

Dann spielt man sich aufeinander ein. Denn für mich gilt nicht nur der Befruchtungsakt, dazu gehört sehr viel mehr, aus meiner Sicht der Dinge. Das mag nicht jeder nachvollziehen können, aber für mich ist das Eine nicht das Wichtigste. Das ist der finale Punkt, aber bis es dahin kommt, da passiert für mich schon etwas anderes.

Michaela Boland:

Als Showstar erhält man nicht selten eindeutige Angebote. Wie gehst du mit so etwas um?            

Jürgen Drews:  

Wenn mir eine Frau sagen würde, und ich habe ja schon gesagt, ich bin ein Hemmungstyp, wenn mir eine Frau also früher gesagt hat, „Ich bin so geil auf dich, komm ich brauch dich jetzt“, ich habe so etwas ja auch gehört, dass ich echte Aufforderungen hatte, dann habe ich immer versagt. Ich wusste es und habe gar nicht erst ja gesagt. Ich sagte dann, nein, ich weiß auch nicht. Denn, dann hatte ich typischen Schiss, dass ich versage.

Michaela Boland:

Wie hat deine heutige Gattin, Ramona, Dich in ihren Bann gezogen?

Jürgen Drews:  

Es geschafft, mich zu domestizieren?

Michaela Boland: 

Du sollst dich mächtig ins Zeug gelegt haben, hat Ramona einmal berichtet. Da soll ja auch Fischer-von-San-Juan-Sänger ,Thommy Steiner, noch mit im Spiel gewesen sein. Musstest du lange kämpfen? 

Jürgen Drews:   

Ja, nein, es war anders, ich musste gar nicht. Doch, ich habe nachher... Es war so, erstens Tommy Steiner ist ein sehr gut aussehender Typ.

Michaela Boland:

Ist Tommy Steiner nicht jener Sänger, der kaum noch Haare auf dem Haupte aufweist?                     

Jürgen Drews:   

Ja, hatte er damals aber noch, Punkt eins. Er hatte gerade eine Hauptrolle in einem Schauspiel und lange Rede kurzer Sinn, ich erzähle die Geschichte mal, denn ich werde darüber eigentlich nie befragt. Das ist außer mir der einzige Mann, der Ramona so kennen lernen konnte, wie ich sie kenne, zwar nicht en Detail, denn dafür war die Sache zu kurz, aber immer hin.

Für mich ist das Fürchterlichste, einen One-Night-Stand zu haben, deswegen habe ich auch nicht viele Frauen in meinem Leben gehabt. Sondern, ich baue immer eine Beziehung auf.   Das war eigentlich in der Phase, in der ich aus einer Beziehung heraus kam, aber eigentlich noch nicht ganz draußen war.

Michaela Boland: 

Wie hast du die Problematik gelöst?

Jürgen Drews:     

Diese Frau und ich wohnten bereits nicht mehr zusammen, aber sie wusste schon, dass es auseinandergeht. Und da hatte ich ein paar Verhältnisse parallel, in verschiedenen Städten. Ich habe auch alles erzählt. Die wussten alle, wie ich lebe, dass ich mit der Frau noch zusammen war, aber langsam auseinander driftete.

Eine davon war Ramona. Die wusste dann von allen, weil ich alles erzählt habe. Und es dauerte ihr einfach zu lange bis ich mich von der Frau trennte. Von den anderen Verhältnissen trennte ich mich dann und mit Ramona war ich noch zusammen.

Und ich habe ihr gesagt, dass ich der Frau, mit der ich noch nicht ganz auseinander war, nicht so weh tun möchte, denn es ging ja ohnehin bereits auseinander, sie ahnte ja auch, dass da was war. Ich bat Ramona noch um ein wenig Zeit, sie wollte allerdings wissen, wann es denn nun endlich soweit sein würde. .

Wir Männer sind ja sowieso Weicheier, ich ganz besonders. Ich sagte, das kommt schon irgendwann. Doch dann kam es dazu, dass Ramona,  eigentlich nur durch mein Zutun, Probeaufnahmen machen sollte, in einem Film, in dem Tommy Steiner als Hauptrolle mitmachte.

Sie rief mich an, um mitzuteilen, dass man sie nochmals zu einer letzten Festivität anlässlich der Aufnahmen an den Wörthersee geladen hatte, dass jedoch alle Zimmer restlos ausgebucht seien und nun Tommy Steiner angeboten hätte, Ramona in seiner Two-Bedrooms-Suite nächtigen zu lassen. Sie fragte mich, ob sie das machen dürfe.

Michaela Boland:

Wie hast du reagiert?

Jürgen Drews:    

Da habe ich Vollidiot blöderweise, nachdem ich aus meiner Beziehung  noch nicht ganz ausgestiegen war, gesagt, „Du. ist ja nicht schlimm, ich treffe mich ja sowieso mit Melanie“. Und sie antwortete:“ Ja, dann ist es ja auch wirklich nicht schlimm.“ Wie kann man so blöd sein?

Das auch noch in dem Alter, in dem ich war. Ich hatte dann aufgelegt, ich kriegte sie nicht mehr wieder, obwohl ich ihr eigentlich unbedingt noch zwei Dinge sagen wollte: Erstens, mich dafür entschuldigen und zweitens wollte ich sagen, dass ich eigentlich eifersüchtig war und deshalb reagiert hatte wie ein Pennäler. Ich war wirklich eifersüchtig.

Michaela Boland:

Ramonas Vorgehensweise hatte also Wirkung gezeigt?

Jürgen Drews:   

Sie hat sich dann gesagt, die beste Chance, die ich vielleicht noch mit dem Jürgen habe, ist die, dass ich mich einfach erst mal nicht mehr blicken lasse. Auch werde ich nicht mehr ans Telefon gehen. Ich bin am Wörthersee, er weiß wo ich bin. Mal sehen, was passiert. Wenn er dann wirklich um mich kämpft, dann meint er es auch so. 

Michaela Boland: 

Und dann hast Du entsprechend gehandelt?

Jürgen Drews:     

Das hab ich gemacht. Ich bin ihr hinterher gereist, nach anderthalb Tagen habe ich sie bekommen. Ich sagte: Schatz, alles klar, ich liebe Dich, werde mich sofort von der Frau trennen. Alles o.k., ich weiß, ich kann ohne Dich gar nicht leben. Tut mir leid, ich bin ein Vollidiot, ein typischer Mann, der überhaupt nicht durchschaut, wie sein Seelenleben ausschaut.

Da seid ihr Frauen uns Männern ja, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber ich bin keine Ausnahme, meilenweit voraus. Ich möchte dich abholen, darf ich das?

Da sagte sie: „Wenn du das wirklich so meinst, sofort.“ Das ist die Geschichte. Das war auch das letzte Mal, dass ich mit einer anderen Frau geschlafen habe.

Michaela Boland: 

Wie es weiter ging ist bekannt. Ihr habt geheiratet und eine mittlerweile sehr hübsche 14-jährige Tochter, Joelina. Diese ist vor Kurzem bei Carmen Nebel im TV aufgetreten. Wird das nun häufiger passieren? 

Jürgen Drews:    

Nein, absolut nicht, das war eine Überraschung. Es ging darum, dass sie mich musikalisch ansagt. Auf der Melodie „Ein Bett im Kornfeld“ hat sie ja meine Lieder alle reingebracht. Und das haben die sich da selber ausgeschnappst. Und das war eine tolle Überraschung. Und was danach passiert ist, war unglaublich.

Die Telefone standen nicht mehr still. Aus Deutschland kamen alle Angebote, die man sich vorstellen kann. Wir nehmen keines an, sondern ich habe eine Beziehung in die USA.

Da werden wir jetzt hinfahren. Und wenn ich einen bestimmten Titel kriege, werde ich den zumindest schon mal ins Netz stellen. Das ist eine Ballade mit großem Orchester. Es ist ein bisschen Celine-Dion-mäßig, ein bisschen Aguilera-mäßig- balladesque.

Michaela Boland:  

Auf dem neuen Album „Schlossallee“ gibt es einen Titel der„Wir mieten Venedig“ lautet. In der Bild hast du soeben verlauten lassen, dass du deine Frau erneut heiraten möchtest, diesmal in weiß. Inwieweit hängt das mit Venedig zusammen?

Jürgen Drews: 

Das ganze hat einen autobiografischen Touch. Ramona und ich sind wer weiß wie oft zusammen nach Venedig gefahren. Ansonsten sind ja alle Nummern so gehalten, dass jeder sie eigentlich auch einem anderen vorsingen kann.

Michaela Boland:      

Wie stehst Du zum Thema Eifersucht?

Jürgen Drews: 

Wir Männer sagen immer, wir verstehen gar nicht die eifersüchtigen Frauen. Aber ich habe schon Männer  in meinem Leben erlebt, die so was von ekelhaft eifersüchtig waren, dass sie gleich zuschlagen. Mir soll man nichts über Männer erzählen. Die Fraktion kenne ich zur Genüge. Zwar glaube ich, wenn Du gar nicht eifersüchtig bist, liebst Du nicht in dem Sinne.

Aber für mich ist das Schönste, und das macht vielleicht auch aus, dass ich mich so wohl fühle in meiner Haut, wenn du wirklich liebst und das kontinuierlich. Das muss sich nicht nur auf die Körperlichkeit beziehen. Da rede ich vielleicht sehr antiquiert.

Und dass ich mal so spreche, wo ich auch mal gesagt habe „Wer zweimal mit der gleichen pennt, gehört  schon zum Establishment“ ist schon unglaublich. Da gehörte ich zwar nicht so zu, weil ich nicht so oft wechselte. Aber immerhin habe ich diesen Spruch auch gerne mal gebraucht.

Michaela Boland:    

Gehörten derartige Redewendungen im Zeitalter der sexuellen Revolution in den Sechzigern womöglich dazu?

Jürgen Drews:    

Ja. Da muss ich wirklich sagen: „O tempora mutantur. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Da hat sich vieles verändert.

Michaela Boland:

Hast du einst gleich das große Latinum durchgezogen? Fünf Jahre lang?

Jürgen Drews: 

Ja. Ich habe sogar noch länger Latein gehabt.

Michaela Boland: 

Bist du darin heute noch fit genug, um beispielsweise, jetzt mal die A-Deklination durch zu exerzieren?

Jürgen Drews: 

Och, das weiß ich nicht, Aber, ja: agricola und den ganzen Scheiß da.

Agricola, Agricolae, (pausiert und lacht) ich hab fast alles vergessen. Agricolae, Agriculam, das ist Akkusativ, Agricola ist wieder Ablativ.

Michaela Boland:

Nicht schlecht. Und den Plural schaffen wir auch noch?

Jürgen Drews:

Agriculae , Agricularum, Agriculavis, Agriculam? (Anm. d. Red: Agricola (lat.) steht für Bauer/ Landmann; korrekte Form Dativ Plural.: Agricolis, korrekte Form Akkusativ Plural: Agricolas, korrekte Form Ablativ Plural: Agricolis) Ich kenne auch noch einige Textpassagen aus Ovid. 

Michaela Boland:  

Du hast deine Lateinkenntnisse trotz so viel vergangener Zeit noch verhältnismäßig schnell abrufbar. Sind das Dinge, die man einfach kaum vergisst?

Jürgen Drews:   

Ich habe einem guten Freund, der ein totaler Schlagerfreak ist und auch hier war, gesagt, er ist übrigens katholischer Pfarrer, der im Augenblick sehr daran zu knacken hat, was momentan passiert. Es war ja immer schon so, aber jetzt  kommt alles endlich mal an die Oberfläche und kann aufgearbeitet werden. Wir  leben zum Glück in der vernetzten Gesellschaft.

Michaela Boland: 

Du sprichst von dem schrecklichen Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche in den letzten Jahren.?

Jürgen Drews:    

Es ist einfach unglaublich, dass man sich um seine Opfer nicht gekümmert hat. Das ist ja nicht nur das Phänomen in Deutschland. Wir wissen es von Irland und auch den USA . Mein Freund jedenfalls ist katholischer Pfarrer und  leidet sehr darunter, dass es so ist. Das Zölibat muss weg. Aber das nur nebenbei. Das wird wohl erst in 100 oder 150 Jahren passieren. Das Rad dreht sich sehr langsam. Was wollte ich sagen?  Jetzt habe ich den Faden verloren, wo waren wir gerade?

Michaela Boland:   

Das war meine Schuld, Verzeihung. Ich unterbrach dich. Wir testeten gerade Lateinkenntnisse als du auf deinen Freund, den Pfarrer zu sprechen kamst.

Jürgen Drews:   

Ach so. Und diesem Freund habe ich nämlich gerade gesagt, ich muss mal wieder meine alten Sachen studieren, so dass ich alles wieder auffrische. Ich habe ja auch Griechisch gehabt. Ich kann griechisch noch gut schreiben. Da kann ich aber nur noch etwas von der Odyssee.(Lacht und zitiert Homer auf Griechisch). 

Michaela Boland:    

Da muss ich passen, denn leider verstehe ich kein Altgriechisch. Aber ich bin tief beeindruckt.

Jürgen Drews: 

nicht mehr kann, denn ich habe das mal lange gelernt.Nein, ich verstehe auch nichts mehr. Ich bin auch tief beeindruckt, dass ich es

Michaela Boland:  

Also, wenn Du jetzt noch einen draufsetzt und plötzlich mit dem Hebraeicum um die Ecke kommst, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus.Wie sieht es da aus?

Jürgen Drews:

Nein.

Michaela Boland: 

Womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit? Interessierst du dich auch für bildende Kunst?

Jürgen Drews:          

Ja, sicherlich interessiere ich mich auch für bildende Kunst. Aber nicht so, dass ich das jetzt ewig studiere und mit etwas aufwarten könnte. Was mein Hobby betrifft, in meiner Freizeit, ist ein bisschen sportliche Betätigung angesagt. Aber alles noch im Rahmen liegend, d.h. ich laufe keine Treppen hoch und runter oder geh mal auf die Inliner.

Ich mache nichts Exzessives, außer dass ich einmal zumindest einen Halb-Marathon laufe. Warum ich das mache, weiß ich auch nicht, aber das ist der Mallorca-Marathon. Ansonsten beschäftige ich mich kreativ. Ich produziere ohne Ende und alles erfolglos.

Michaela Boland: 

Erfolglos trifft es wohl nicht ganz?

Jürgen Drews:      

Hin und wieder finde ich mal ein Korn. Aber, das meiste erfolglos. Warum? Ich sitze im Schlager drin, durchs Kornfeld. Ich lamentiere nicht, ich finde das völlig o.k. Das Schlimme ist bloß, dass du, wenn du einmal Schlager gesungen hattest, das kam damals hauptsächlich noch durch die Öffentlich Rechtlichen, die dich in die ganz große Schublade taten.

Das heißt, es gab so eine Zäsur: Solltest Du ein bisschen zu kommerziell werden, warst du Schlager. Da lag dann Heino neben Müchener Freiheit. Und so etwas geht nicht. Das geht nur in Deutschland. Ich habe lange in den USA gelebt, weil ich es einmal nicht mehr konnte und gesagt habe, ich möchte nicht ausschließlich Schlager sein. Schlager sein, ja, aber Ausschließlichkeit? No.

Michaela Boland:  

Von wann bis wann hast Du in den Vereinigten Staaten gelebt?

Jürgen Drews:       

Ich war von 1979 bis 1983/84 so etwas dort. Und bin immer off and on gewesen. Habe dort auch meinen ersten Erfolg gehabt und bin dann wieder zurück.

J.D. Drews. Übrigens ein Titel, den ich gesungen hatte, der war bis auf Platz 52 in den Hot Hundred hochgeklettert, innerhalb der Billboard- Charts. Das war genau im Dezember 1979.“Don`t want nobody“. Eine geile Nummer, die zwar nicht von mir ist, aber ich weiß dass sie Potenz hat und überlege, ob ich die nicht auch mal mit Joelina mache.

Michaela Boland:     

Hast du dich musikalisch auch mal in ganz anderen Gefilden bewegt?

Jürgen Drews: 

Es gab mal jemanden im Jazz, den es immer noch gibt, er ist jetzt auch betagt. Dieser Mann heißt Joachim Kühn. Unglaublich. Diesen Joachim Kühn habe ich kennen gelernt. Er wusste nicht wer ich bin, ich wusste nicht, wer er ist und dadurch konnte man sich überhaupt erst kennen lernen, sonst hätte er mich bestimmt nicht mit dem Arsch angeguckt, denn zu dem Zeitpunkt hatte ich ja gerade das Bett im Kornfeld.

Wir haben uns angefreundet und er fragte mich: „Hast du Lust, mal ein bisschen in Jazz hereinzukommen, du hast doch mal etwas mit dem Banjo gemacht?“ Da antwortete ich, dass ich Kommerz-Jazz gemacht hätte, aber doch keinen ambitionierten Jazz.

Da schlug er vor, dass wir eine Art Fusion machen sollten: Mainstream-Jazz. Er sagte: „Ich hole meine Freunde, das kostet dich rund 40.000,-. Allerdings Dollar und damals war der Dollar noch dreimal so viel wert wie die D-Mark, also 120.000. Aber da habe ich gesagt, das leiste ich mir, das mache ich aus Spaß. Es wurde nie veröffentlicht.

Da spielen Leute drauf: Die Breaker Brothers, Horn Section, die spielen bei fast allen Stevie Wonder-Produktionen drauf, David Sunborne, Saxofon, kriegst du gar nicht mehr, Stanley Clarke zwei Stücke Bass, der Schlagzeuger Corben konnte nicht, der war krank.

Ich kannte die damals noch gar nicht, ich weiß es bloß jetzt, dafür haben wir einen Schlagzeuger, frag mich nicht nach dem Namen, ich vergesse immer wieder, wie der heißt, aber es war derjenige, der auch der Schlagzeuger auf dem ganz bekannten Album von Lionel Ritchie gewesen ist.

Und Jan Ackermann ist ein Jazz-Gitarrist aus Holland. Wir alle zusammen im Studio in Los Angeles. Wenn ich gewusst hätte, wer da im Studio steht, ich habe zwar gehört, dass die unglaublichen Chip spielen also geilen Chip, hätte ich nicht meine Stimme erhoben. Und daraus sind schöneWerke entstanden.

Michaela Boland:

Wie sieht ein typischer Tag im Leben von Jürgen Drews aus?

Jürgen Drews: 

Bei mir geht es wirklich so: Ich stehe auf, auch manchmal aufgrund der senilen Bettflucht, die ich schon mal zum Teil habe.

Michaela Boland:   

Wann stehst du in der Regel auf?

Jürgen Drews:    

Ganz verschieden. Ich bin mal so, mal so. Es gibt keinen Rhythmus mehr bei mir .Ich schlafe unten im Souterrain.

Michaela Boland:  

Warum im Keller?

Jürgen Drews:  

Weil Ramona den Rhythmus von Joelina hat, die zur Schule geht. Die würden ja wahnsinnig werden sonst. Wir treffen uns noch oft genug. Manchmal stehe ich um sieben auf, dann höre ich, aha, die Hunde, Dann gehe ich rauf, bin ein bisschen mit dabei, wie sie Kaffee macht, dann wird sich ein wenig unterhalten, die Kleine geht zur Schule und dann gehe ich wieder ins Bett. Und wenn ich dann aufstehe, mache ich sofort das Studio an, das ist wie eine Amtshandlung.

Michaela Boland:

Hast du dann regelmäßig bereits eine Idee im Kopf oder setzt du dich hin und überlegst erst mal.

Jürgen Drews: 

Nein, ich weiß oft, was ich zu tun habe. Beispielsweise Sachen vorbereiten. Also ich habe jetzt schon wieder Stücke für so eine Schlager LP. Davon könnte ich bereits jetzt eine zweite machen. Das habe ich da alles liegen. Das muss ich dann bloß weiter ausproduzieren.

Aber dann mache ich auch die Humphrey Singers. Ich habe mehrere Titel, die ich für die Humphrey Singers gebrauchen kann, ich suche aber einen Hit, der den Bezug hat zu Marmeloo . Außerdem mache ich noch Dinge im Partybereich. Ich habe mindestens 15 Partytitel schon da liegen, wo ich aber nicht weiß, ist da einer, der wirklich reinhaut?

Michaela Boland:   

Wie geht man bei der Entwicklung eines Songs, der“ reinhaut“, vor?

Jürgen Drews: 

Das merke ich gerade an dieser Schlager LP, die ich gemacht habe. Es gibt einen Titel, der heißt: „Rette mich wer kann“. Den habe ich überhaupt nicht auf der Pfanne gehabt, im Gegenteil, ich mag den noch nicht mal persönlich, ich finde ihn zwar nicht ätzend, aber das ist nicht mein Favourite. Da ruft mich der Mike Röttgens aus Köln an und sagt:

Weißt du, was am meisten heruntergeladen, down geloaded wird, nach „das Schloß“? Es ist „Rette mich, wer kann.“ Auch habe ich eine kleine Discothek in der Düsseldorfer Altstadt. Der Disc Jockey, der schon sehr lange dort ist, ein Factotum aus Düsseldorf, war gerade hier. Auch er sagte: „Die beste Single, die du als nächstes haben wirst, ist „Rette mich wer kann“. Sie wird nur noch gewünscht. 

Was ich damit sagen wollte ist, ich habe nun wirklich lange Erfahrung. Ich analysiere, denn ich komme nicht aus dem Schlager. Schlager analysiere ich mit dem Kopf, das macht mir dann auch Spaß. Dass ich trotz Analyse oft falsch liege, ist immer wieder das Reizvolle an diesem Job bzw. diesem Hobby.

Michaela Boland:

Hast Du beim Songschreiben zuerst den Text oder vorher die Musik im Kopf? 

Jürgen Drews:

Immer die Musik zuerst. 

Michaela Boland:  

Erstaunt es in einer Zeit, die beispielsweise auch stark von Richtungen wie Hip Hop geprägt ist, dass Schlager durchaus und gerade von Jugendlichen gut angenommen werden? 

Jürgen Drews:

Wir haben das im Grunde genommen nur einem Mann zu verdanken und ich sage das jetzt ganz provokant, nämlich, dass Schlager auch im partyresquen Bereich von Jugendlichen angenommen wird. Der Typ heißt Michael Wendler. Ob man will oder nicht.

Michaela Boland:    

Wie ist das gemeint?

Jürgen Drews:     

Für mich ist der Hammer, der Typ. Der ist genauso bescheuert wie ich, auf seine Art. Ich habe gesagt, ich kann nichts, bin nichts, bin alt und sowieso und überhaupt. Er sagt: Ich bin der Größte, ich bin der Beste, ich bin der König des deutschen Popschlagers. Und er bräuchte im Grunde genommen den Hit, den ich gerade habe, dann wäre er es wirklich.

Michaela Boland: 

Was hat er revolutioniert?

Jürgen Drews:  

Indem er den echten gespielten Bass so reduziert hat, dass du ihn kaum hörst, die Snare (Anm. d. Red.: kleine Trommel) so reduziert, dass du sie kaum hörst, die off-high-heads verstärkt und vor allen Dingen aus der Base-drum so viel Bass hereingenommen, dass er dir wirklich in den Bauch fährt. Das gab es damals so exorbitant noch nicht.

Dadurch wurde ein Disc- Jockey aus dem Ruhrgebiet aufmerksam. Nämlich Nic. Das Ganze ist ja ein Ruhrgebietsphänomen. Der hat gesagt, ich gehe zu dem Produzenten von Wendler und mache einen Titel, den ich aufgelegt habe, der aus dem Schlager kommt und seit acht Jahren vor sich hin dümpelt.

Ich mache diesen Titel im Wendler-Stil. Pomm, Pomm, einen Stern, der deinen Namen trägt. Dadurch tanzten auf einmal sogar Jugendliche fast sexuell angehauchten Foxtrott. Sie tanzten Foxtrott wie Tango.

Dadurch sangen auf einmal Jugendliche einen Stern, der deinen Namen trägt. Das wiederum verband sich mit den Konservativ-Hörern der Öffentlich Rechtlichen, die halt Schlager hörten. Auf einmal sangen die das Gleiche. Dadurch kam das in die Charts. Und dann kam Ötzi.

Michaela Boland:

Um alles einzutüten?

Jürgen Drews:   

Ja, er brauchte es eigentlich nur noch einzutüten. Und dadurch ist Schlager auch mal in jugendliche Ohren eingedrungen. Und somit kam es dann, dass man vor drei Jahren von der Disc Jockey Seite sagte, mach doch mal so etwas wie „Irgendwann“. Mach doch mal so eine Art Schlager im Wendlerischen Stil.

Und: Here I am. Ich habe den Bass zwar wieder hereingenommen, ich habe es nicht ganz so drastisch gemacht wie er, aber, ihr seht, dass es aufgegangen ist. Und ich habe zum Michael Wendler noch selbst gesagt, du brauchst „das Schloss“. Denn dann wirst du es all denen zeigen, die jetzt Gülle über dich schütten, so wie sie es bei mir getan haben als König von Mallorca.

Michaela Boland: 

Wie behandelte man dich zu Beginn der „König-von-Mallorca“-Phase? 

Jürgen Drews:         

Was bin ich Kübelweise mit Gülle überschüttet worden. Da hieß es: „Was für ein Vollidiot, kann nichts, ist nichts und der hat doch wohl den Schuss noch nicht gehört“. Zurecht. Aber sie haben alle meinen Namen im Kopf gehabt. Und so sagte ich zu Wendler:

„Genau da stehst du jetzt, Michael. Wenn du jetzt einen Hit hast, dann verkürzt du das alles, wofür ich fast zehn Jahre gebraucht habe. Der König von Mallorca ist ja jetzt, wie ein Label, eine Marke.

Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg. Und wenn du Erfolg hast, dann werden alle, die jetzt Gülle über dich schütten und vor Eifersucht platzen, plötzlich, statt dich mit Gülle zu überschütten, dir auch einen Umhang umlegen und sagen: Yeah, he really is the greatest! Und sie werden sich vor dir verbeugen und dann kannst du darüber auch ein Ei schlagen. Man muss das alles in Relation setzten.

Michaela Boland:

Wie stehst du zu jungen Bands wie Tokio Hotel?

Jürgen Drews:  

Ich finde Tokio Hotel geil. Da können mir die deutschen Medien wieder sagen, was sie wollen. Ich habe das alles selbst erlebt. Sicherlich ist das Verfallsdatum von Teenage-Idols sehr kurz. Aber in Deutschland ist es  besonders kurz. Und vor allem wirst du sofort auf den Misthaufen der Geschichte geschmissen. Ganz gefährlich in diesem Land. Deswegen mache ich so den tiefen Diener vor denen, dass die es mit Hilfe ihrer Plattenfirma und mit ihrem Umfeld in den USA geschafft haben. Aller tiefste Verbeugung.

Michaela Boland: 

Du engagierst dich für Hunde im Rahmen der Ajucan Mallorca Hundehilfe. Warum liegt dir das ganz besonders am Herzen?

Jürgen Drews:     

Ich war früher mal ein Hund, das muss es sein. Ich habe viel gesehen und nicht nur einen seelischen Bezug dazu. Ich selbst kenne aus meinem spanischen Umfeld einen Vater, der seinem Sohn gesagt hat, wenn du einen Hund siehst, musst du drauf hauen. Das ist immer noch in den älteren Köpfen verhaftet und deswegen engagiere ich mich für diese Species.

Michaela Boland:

Selbst hast du bereits zwei Hunde, Werden es noch mehr?

Jürgen Drews:   

Ja, wir haben zwei. Finchen ist meine “Dackeline“ und dann haben wir einen Bolonka Swetna , einen russischen, robusten und cleveren Hund, den sich Joelina ausgesucht hatte. Ich habe schon zu Ramona gesagt, wenn ich aussteige und wir haben noch so viel Platz, wie wir haben, lass uns ruhig zehn Hunde haben. Wenn ich nicht verreisen muss, ist das geil. Ich liebe Hunde, ich könnte im Rudel leben. 

Michaela Boland:  

In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass der eine oder andere Vierbeiner in Zukunft womöglich noch ein schönes Zuhause bei Euch finden wird. Für dieses ausgiebige Gespräch ganz herzlichen Dank und alles Gute für die Zukunft.                                                                                 

Jürgen Drews wurde am 02.04.1945 in Nauen bei Berlin geboren. Seine Jugend verbrachte er in Schleswig. Mit 15 Jahren erhielt er einen Preis als bester Banjo-Spieler Schleswig Holsteins. Nach dem Abitur studierte Jürgen Drews vier Semester Medizin in Kiel.

Größere Bekanntheit erlangte er als er in den frühen 1970er Jahren als Sänger bei den “Les Humphries Singers“ einstieg. Parallel dazu startete er ab 1973 eine Solokarriere und schaffte 1976 mit dem Hit “Ein Bett im Kornfeld“ (im Original ein Countrysong der Bellamy Brothers “Let your love flow“) den Durchbruch. In den 80er Jahren wurde es hierzulande etwas ruhiger um den Künstler.

Zwischenzeitlich lebte Drews zeitweilig in den vereinigten Staaten von Amerika und versuchte sich dort musikalisch unter dem Namen J.D. Drews. 1990 gelang ihm sein Comeback auf dem deutschen Markt. Er arbeitete nun auch als Musikproduzent. 1995 kam es zu einer Neuaufnahme seines alten Hits “Ein Bett im Kornfeld“ mit Stafan Raab und Bürger Lars Dietrich.

1999 wurde ihm von Thomas Gottschalk der Titel, heimlicher “König von Mallorca“ verpasst. Seither ist der Künstler aus dem Party-Bereich nicht mehr weg zu denken. Jürgen Drews war in den 80er Jahren mit Corinna Drews verheiratet.

Aus dieser Ehe ging Sohn Fabian hervor. Seit 1995 ist er mit Ramona Drews (geborene Mittendorf) verheiratet. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter (Joelina), die 1996 geboren wurde. Jürgen Drews setzt sich für die Ajucan Mallorca-Hundehilfe e.V. ein.

 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungs-Talkshow “Hollymünd“ des Westdeutschen Rundfunks in Köln. Für TV-NRW präsentierte sie die erste Casino-Show im Deutschen Fernsehen “Casinolife“ aus dem Dortmunder Spielcasino Hohensyburg mit Stars, Roulette und Black Jack. Als On-Reporterin des RTL Magazins “Guten Abend RTL“ lieferte sie darüber hinaus allabendlich spannende Reportagen aus ganz NRW.