17.10.2013 10:00 Michaela Boland trifft Francisco Medina

Der Max-Reinhardt-Preisträger Francisco Medina sprach mit Michaela Boland über Kultur und Seichtes - Geht das?

Francisco Medina praesentiert demnaechst das Kulturprogramm Hungrig mit preisgekroenten jungen Instrumentalisten, wie er Michaela Boland erzaehlte.

Francisco Medina präsentiert demnächst das Kulturprogramm "Hungrig" mit preisgekrönten jungen Instrumentalisten, wie er Michaela Boland erzählte. Foto: GFDK

Seit sechs Jahren verkoerpert er die Rolle des Boesewichts Maximilian von Altenburg in der Taeglichen-Serie, Alles was zaehlt.

Seit sechs Jahren verkörpert er die Rolle des Bösewichts Maximilian von Altenburg in der Täglichen-Serie "Alles was zählt". Foto: GFDK

Von: GFDK - Michaela Boland Profil bei Google+

Früher verachtete er das Genre, mit dem er später Berühmtheit erlangte. Heute schätzt er, wieviel man dabei lernen kann.

Seit sechs Jahren verkörpert er die Rolle des Bösewichts Maximilian von Altenburg in der Täglich-Serie "Alles was zählt" höchst erfolgreich. Jetzt macht der diplomierte Theaterschauspieler und Max-Reinhardt-Preisträger mit chilenischen Wurzeln jedoch  plötzlich Schluss mit dem Daily-Drehstress. Schon am 28. Oktober flimmert der Mime zum Leidwesen seiner riesigen Fangemeinde wohl zum vorerst letzten Mal über den Serienbildschirm. Doch von sich reden macht Francisco Javier Medina mit Sicherheit schon in Kürze erneut:

In Zusammenarbeit mit Promotion-Manager Armin Hupp aus Niedernberg präsentiert der 36-Jährige das Kulturprogramm "Hungrig"  mit preisgekrönten jungen Instrumentalisten in unterschiedlichen Städten Deutschlands. Das Konzept: Klassische Musik interpretiert von jungen Talenten, umrahmt von Texten, Liedern und Gedichten des beliebten TV-Stars. Wie es dazu kam, was er nach seinem Serienausstieg plant und warum er fest an einen Wandel in der Gesellschaft glaubt, hat mir der passionierte Künstler beim Gespräch im Kölner Savoy-Hotel erzählt.

Michaela Boland: Du hast deine Schauspielausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Rostock absolviert, mit Diplom abgeschlossen und jede Menge Theaterrollen in klassischen Stücken von Shakespeare, Goethe oder Schiller übernommen. Außerdem inszenierst du sogar Bühnenstücke wie Antigone als Regisseur und bist Max-Reinhardt-Preisträger. Wie wahrscheinlich war es, dass jemand mit derartig klassischem Hintergrund sechs Jahre lang in einer RTL-Daily-Soap mitwirken würde?

Francisco Medina: Ich glaube, sehr unwahrscheinlich. Es gibt Ausnahmen. Kaja Schmidt-Tychsen, die ja meine Schwester spielt (Anm. d. Red: verkörpert die Jennifer Steinkamp in der Serie AWZ/ Alles was zählt, tägl. 19.05 Uhr) hat einen ziemlich ähnlichen Background. Wenn ich mir die Soap-Landschaft so ansehe, gibt es immer wieder mal Kollegen, die aus diesem Stall kommen. Aber eigentlich ist es schon eher die absolute Minderheit.

Michaela Boland: Wie kam es bei dir zur Zusammenarbeit mit der Grundy Serial Drama ?

Francisco Medina: Es kam dadurch, weil ich Lust darauf hatte, genau das zu machen. Eigentlich kam es von mir, denn ich war einfach ein wenig Theater- müde. Ich hatte zwar das große Glück, eine Hauptrolle nach der anderen zu spielen und das waren auch schöne Rollen, aber ich hatte einen sehr hohen Anspruch an mich. Wenn du beispielsweise so eine Rolle wie Ödipus spielst, anschließend die Hauptrolle in einem Shakespeare verkörperst, dann hast du meistens sechs Wochen Zeit, probst das, dann kommt die Premiere.

Doch es gibt in der Regel nur einen Tag Pause dazwischen und du fängst anschließend sogleich mit dem nächsten Stück an, während du nebenbei abends noch in fünf bis acht anderen Stücken spielst. Das ist zwar toll, aber wenn du den Rollen wirklich noch gerecht werden willst, ist das, wie ich glaube, nicht produktiv. Wenn man die Essenz einer Figur wirklich ausfüllen und etwas erfinden will, was noch nicht da war, dann kann man das nicht wie am Fließband tun.

Zuletzt habe ich einen Shakespeare in Bad Hersfeld gemacht, was zwar ein großer Erfolg war, aber ich selbst hätte zufriedener mit mir sein können. Das hat mich genervt und da wusste ich, dass das Theater für mich erst mal gegessen ist. Es kamen zwar weitere interessante Theater-Angebote, aber ich wollte ganz klar ins Fernsehen, denn ich hatte den Wunsch, etwas völlig anderes zu machen.

Michaela Boland: Hast du dich insofern aktiv bei der TV-Produktionsfirma beworben?

Francisco Medina: Nein, das war eigentlich ein Zufall. Der Gedanke entstand und drei Tage später, ungelogen, wurde ich für "Alles was zählt" angerufen.

Michaela Boland: Bestellungen beim Universum?

Francisco Medina: Ja, ich ticke auch so. Alle haben mich ausgelacht und gesagt, "Ja, Francisco, jeder will doch Fernsehen machen". Ich antwortete dann: "Naja, das kann ja sein." Jedenfalls war es ein ziemliches Wunder. Sie riefen mich an, doch dann habe ich das Casting abgelehnt, zumal ich schon ganz oft für die Grundy gecastet wurde, immer bis zur Endrunde kam und dann hieß es: "Ja, sie waren ganz toll, aber sie sind zu exotisch."

So etwas habe ich recht häufig vernommen und irgendwann wird man dann einfach müde es zu hören. Darauf hatte ich erneut keine Lust. Also habe ich das Casting erst mal abgesagt, bin aber dann doch hingegangen. Dort waren nur blonde Männer. Die Rolle war auch ein Engländer: Maximilian St. John Delane. Da dachte ich mir, "ihr könnt mich mal, das war das letzte Mal, dass ich für euch gecastet habe", und dann bin ich das Casting einfach mit der Einstellung angegangen, dass sie sich ärgern sollten, wenn sie mich nicht nehmen würden.

Michaela Boland: Das scheint funktioniert zu haben.

Francisco Medina: Ja, denn dann haben sie mich engagiert. Es war eigentlich eine Fügung des Schicksals. Ich hatte sehr viel Glück.

Michaela Boland: Gab es von Seiten anderer Theaterschauspieler jemals Voreingenommenheiten, nachdem du nun zum Soap-Darsteller geworden warst?

Francisco Medina: Ja, bestimmt. Doch das ist mir egal. Es gibt immer total viel Neid unter den Theaterschauspielern oder überhaupt unter den Menschen. Das muss man ausblenden, denn es spielt keine Rolle.

Michaela Boland: Ist das Soap-Genre unter Theaterleuten noch immer so verpönt wie vor zehn bis 15 Jahren?

Francisco Medina: Ich denke, das ist es immer noch. Wobei ich glaube, dass es beides gibt. Ich selbst habe Soaps als junger Schauspieler beispielsweise sehr verachtet. Zwar habe ich sie kaum gesehen, doch wenn ich zufällig durchgezappt habe, war ich ziemlich befremdet von dem, was Schauspieler dort so gemacht haben. Ich empfand es als unglaubwürdig und schlecht, was ich da sah. Insofern hätte ich nie geglaubt, dass ich selbst jemals bei einer Soap landen würde. Auf keinen Fall.

Michaela Boland: Kommt es nicht immer anders als man denkt?

Francisco Medina: Genau. Ich war zwar kein glühender Soap-Hasser, aber, es gibt durchaus Schauspieler, die sagen, dass das für sie niemals in Frage komme, doch es gibt auch viele darunter, die würden es sofort machen, obwohl sie dagegen wettern. Andere finden es wirklich schlecht. Ich kann nur sagen, mit den Jahren lernt man viel. Es kommt gar nicht so sehr darauf an, welches Label über dir steht oder für was für ein Produkt du arbeitest. Das Wichtige ist einfach, mit wem du zusammen arbeitest und wie sehr du dich bemühst.

Michaela Boland: Oftmals erhalten Soap-Schauspieler zunächst nur Ein-Jahresverträge und sind darauf angewiesen, dass diese regelmäßig verlängert werden. Was stellt an einer Soap-Rolle, die in der Regel anders angelegt ist als beispielsweise die Rolle in einem Shakespeare-Stück, im Hinblick auf deren Entwicklungs- und Ausbaufähigkeit die Herausforderung dar?

Francisco Medina: Ich hatte viel Glück. Ich glaube, ich bin wirklich in einer Sonderposition, denn ich habe es nie so empfunden, dass ich nur einen Jahresvertrag hatte. Überall wo ich war, haben die Leute mir das Gefühl gegeben, dass sie die nächsten zehn Jahre mit mir zusammenarbeiten würden. Insofern war das immer eher meine Entscheidung, ob ich bleiben wollte oder nicht.

Michaela Boland: Hat man als Schauspieler Einfluss auf die Entwicklung eines Rollencharakters in einer Seifenoper?

Francisco Medina: Ja, du hast schon Einflussmöglichkeiten. Es hängt sehr davon ab, wieviel du dich einbringst und mit den Leuten redest. Ich habe mich aber aus den Geschichten sehr herausgehalten und immer gesagt, dass sie mir relativ egal sind, solange sie stimmig sind. Ich empfand es nicht als meine Aufgabe, Geschichten zu erfinden.

Michaela Boland: Gab es nach deinem Dafürhalten eine Entwicklung des Bösewichts, Maximilian von Altenburg, welchen du in der Serie verkörpert hast?

Francisco Medina: Ich habe mich sehr bemüht und  darum gekämpft, doch am Schluss war es manchmal schwierig.

Michaela Boland: Aus welchem Grund?

Francisco Medina: Weil der Figur zum einen schon viel passiert war und ich nicht immer ganz mit der Erzählweise der Figur d`accord gegangen bin. Ich finde schon, dass sie nicht mehr das hatte, was sie am Anfang oder in der Mitte hatte, also sie hatte schon ein wenig abgebaut. Doch das ist mein subjektiver Blick.

Michaela Boland: Gab es Szenen, die für dich in der Vorbereitung besonders schwierig waren?

Francisco Medina: Nein (lacht). Wie arrogant. (lacht).

Michaela Boland: Also, lief immer alles glatt?

Francisco Median: Ich habe neulich mit Bryan Cranston (Anm. d. Red.:US-amerikanischer Schauspieler und Regisseur u.a. Breaking Bad, Malcolm mittendrin, King of Queens, Larry Crowne, Total Recall) gesprochen. Er sagte zu mir: " Wenn du den `Emotional Core` einer Figur findest, kannst du mit ihr alles spielen." Cranston spielt ja hauptsächlich Figuren, die sehr absurd und sehr weit von ihm weg sind. Also, sogenannte Fremdfiguren, was ich auch meistens viel spannender finde. Das hat mir mein Vater mal beigebracht, es gibt zwei Arten von Schauspielern: Den Persönlichkeitsschauspieler und den Fremdfigurenerfinder bzw. - Hersteller.

Michaela Boland: Was ist der Unterschied?

Francisco Medina: Gerard Depardieu ist beispielsweise ein Persönlichkeitsschauspieler. Er ist immer Gerard Depardieu. Aber, er ist so ein spannender Typ, dass er, wenn er sich vorstellt, König oder Bettler zu sein, dieser als Gerard Depardieu ist. Während beispielsweise ein Daniel Day Lewis schaut, wie ein König oder Bettler sein könnte und diesen erst entsprechend erfindet, sich ihn baut und zu ihm wird. Beide Arten sind super, doch meistens beherrscht man nur eine davon. Aber, wenn man den Core gefunden hat, kann man eben alles machen.

Michaela Boland: Was genau ist der Core?

Francisco Medina: Im Grunde genommen die Summe all deiner handwerklichen, technischen Fähigkeiten, kombiniert mit deiner Intuition und der Erarbeitung einer Figur. Wenn du dann den Kern einer Figur begriffen hast und auch leben kannst, dann kannst du alles tun.

Michaela Boland: Man muss also nicht mehr groß überlegen, wie die Figur in bestimmten Momenten sein würde, sondern hat sozusagen ihre Seele inhaliert?

Francisco Medina: Genau, denn du bist dann dieser Mensch und müsstest nicht mehr darüber nachdenken, wie du in einzelnen Situationen reagieren würdest, weil du den Kern erfasst hast. So hatten wir beispielsweise jetzt am Schluss in meiner Rolle als Maximilian eine Szene, in der er zum ersten Mal nach sechs Jahren tanzen musste. Ich selbst bin eher jemand, der sehr aus sich herausgeht, wenn er tanzt. Auch finde ich, dass die Frage, wie  die Figuren eines Schauspielers tanzen, ein sehr spannendes Thema ist.

Wenn sämtliche Figuren eines Schauspielers immer gleich tanzen, also so, wie der Mensch selbst tanzt, halte ich das für langweilig. Denn Menschen denken, fühlen, reden, riechen, schmecken und bewegen sich einfach anders. Und Maximilian war eben so ein Typ, der Tanzen eher doof fand. Der hat sich nur so ein bisschen bewegt und fand sich dabei cool. Ganz im Gegensatz zu mir.

Darüber musste ich bei der Umsetzung gar nicht nachdenken, Das war eine Kleinigkeit, die den meisten gar nicht auffiel, doch die Producerin, die die Rolle schon Jahre lang erarbeitet, kam dann zu mir und sagte, "das war so herrlich und witzig, wie du als Maximilian getanzt hast, wie bist du darauf gekommen". Ich habe einfach gedacht, dass Maximilian eben genau so tanzt. Der bewegt sich nun mal nicht exaltiert, sondern hat dabei dann eher noch einen Drink in der Hand. Das ist sozusagen der Emotional Core.

Michaela Boland: Erstaunlich ist, dass es während der Rolle kaum Gelegenheit zum Tanzen gegeben hat, wo "Maximilian von Altenburg" doch diverse eigene Hochzeiten gefeiert hat, wie in seiner Vita steht.

Francisco Medina: Ja, es gab aber immer nur einen Walzer.

Michela Boland: Hast du nach so einem Drehtag am Set einer Daily eigentlich auch mal etwas Emotionales mit nach Hause genommen oder war nach Drehschluss einfach Dienstschluss?

Francisco Medina: Leider nimmt man  nicht viel mit nach Hause. Ganz selten.

Michaela Boland: Ist das etwas anderes, wenn man auf der Bühne steht?

Francisco Medina: Ja.

Michaela Boland: Warum ist das so anders?

Francisco Medina: Weil Theater mit Wahrheit zu tun hat. Um wirklich ein guter ein Schauspieler zu sein, hat alles, was du tust, mit Wahrheit zu tun. Im besten Fall lernst du von jeder Rolle. Das hat einst George Tabori, der einer der wichtigsten Theatermenschen Deutschlands und der Welt gewesen ist, gesagt: "Spielen hat immer damit zu tun, dass du dich mit deinen Lügen, Ängsten und mit deinen Ticks konfrontierst."

Du kannst kein Stück über Drogen machen und dich nicht fragen, was für Süchte du selbst hast, denn das funktioniert nicht. Das ist aber leider die Art wie viele spielen, daher ist es so belanglos. Wenn du immer mit einer Art Übersetzung auf dein Leben auf die Bühne gehst, dann ist es eine echte Konfrontation, die dir tatsächlich an die Nieren geht und wobei du dann das berühmte "Pfund Fleisch" auf der Bühne lässt.

Das sind dann die Leistungen, wovon die Leute sagen, dass es faszinierend ist. Das ist das, woran ich glaube und das geht auf der Bühne leichter als bei einer Soap. Dort musst du nämlich in zwanzig Minuten eine Szene machen und dort ist ganz selten gewollt, dass du wirklich in eine intensive Auseinandersetzung mit einem Thema gehst.

Michaela Boland: Muss ein Schauspieler es nicht vermögen, sich auch in kürzester Zeit authentisch in ein Thema hineinzufinden?

Francisco Medina: Das kannst du schon, aber auch nicht dauernd. Bei so vielen Bildern am Tag kannst du es nicht ständig schaffen. Dafür werden Sachen ja zum Teil auch Wochenlang geprobt. Also, es geht und es geht nicht. Teilweise gab es ja auch das Klischee, man würde das Publikum überfordern, denn sie würden es dann nicht verstehen. Ich halte das für Blödsinn. Ich denke, das ist falsch. Zurzeit schneide ich ja mein Demoband und sehe mir meine Szenen und auch andere Dinge an. Da sind Sachen, bei denen ich womöglich zehn oder zwanzig Prozent drüber bin. Aber, mir ist es lieber, etwas zu wagen und etwas auszuprobieren als einfach nur zu funktionieren.

Michaela Boland: Bist du sehr kritisch mit dir?

Francisco Medina: Nein, eigentlich nicht. Oder sagen wir ja und nein. Ich habe gelernt, nicht mehr so kritisch mit Dingen zu sein, die ich ohnehin nicht verändern kann.

Michaela Boland: Deine Mutter ist Schauspielerin, dein Vater war Theater-Regisseur u.a. am Berliner Ensemble. Sagen deine Eltern dir da hin und wieder, dieses oder jenes war gut, anderes weniger gut?

Francisco Medina: Nein, eigentlich nicht. Meine Mutter ganz selten, so gut wie nie. Mein Vater ist, glaube ich, ein großer Fan von mir, sagt es aber auch nicht oft. Nein, wenn meine Eltern mal etwas gesagt haben, war es wichtig, hatte also Gehalt, aber ich hatte keine Eltern, die mich mein Leben lang angefeuert haben. Das ist aber gut, weil ich dadurch gelernt habe, mich selber anzufeuern.

Michaela Boland: Sind sie denn stolz auf dich?

Francisco Medina: Ja, ich glaube schon. Aber, so ganz sicher bin ich mir nicht. Das war auch eine lange Zeit ein großes Thema in meinem Leben, das mich nicht so glücklich gemacht hat. Dass ich wenig Anerkennung von meinen Eltern bekommen habe. Das war auch nicht schön und es gab viele Leute, die darüber echt sauer waren, denn meine Eltern haben sich so gut wie nie Stücke von mir angesehen. Das war komisch, weil sie ja auch in dem Beruf sind.

Aber, ehrlich gesagt, ist das im Nachhinein gut, weil ich gelernt habe, dass ich in erster Linie die Anerkennung und das Feedback von einer Person brauche: Das bin ich selbst. Das ist wie in einer Partnerschaft. Wenn du mit jemandem zusammen bist, dann ist der andere Luxus, er ist eine Dreingabe. Aber, er muss dich nicht lieben, damit du glücklich bist. Dann ist alles viel besser und viel entspannter. In den meisten Beziehungen geht es ja darum, dass der andere deine Defizite ausgleicht und das schafft er vielleicht ein paar Wochen oder Monate, doch das geht nicht ewig gut und dann fängt das Drama an.

Michaela Boland: Befindet sich die Eltern-Kind-Beziehung nicht noch mal auf einer anderen Ebene als die partnerschaftliche?

Francisco Medina: Ja, auch.

Michaela Boland: Du hast am eigenen Leib erfahren müssen, dass es für manche psychisch auffällige Menschen, die sich natürlich auch unter den Fernsehzuschauern befinden, keine Grenzen zwischen der Realität und der Rolle, die du verkörpert hast, mehr gibt. Eine geistig verwirrte Frau plante offenbar, dich zu töten und zu "zerstückeln", weil sie dich für den Freitod ihrer Schwester verantwortlich machte. Wie bist du mit den Morddrohungen dieser offensichtlich kranken Frau fertig geworden?

Francisco Medina: Die hat mir gerade geschrieben, das fand ich ganz schön. Sie schrieb mir jetzt: "Vielen Dank, dass du ausgestiegen bist. Dann muss ich mir den Scheiß nicht mehr anschauen." Ich dachte, das ist irgendwie unlogisch (lacht).

Michaela Boland: Laut Medienberichten wurden längst juristische Schritte gegen die Frau eingeleitet. Wie gelangte sie an deine Kontaktdaten und wie konnte sie den Kontakt noch weiterhin aufrecht erhalten?

Francisco Medina: Die Kontaktdaten hat sie sich ergaunert. Ich habe in der Alles-was-zählt-Zeit mit so vielen Menschen Kontakt gehabt, die mich bedroht oder gestalkt haben, doch mir war das relativ gleichgültig, solange nicht andere Menschen mit hineingezogen wurden. Aber, gerade diese Frau hat meine Familie mit hineingezogen.

Michaela Boland: Wie zu lesen war, wurde auch dein Bruder von ihr bedroht.

Francisco Medina: Genau. Das war auch der Grund dafür, dass ich mich abgegrenzt habe. Das ist dann erschreckend. Es gibt auch viele Leute, die sagen, "da musst du doch jetzt die ganze Zeit über deine Schulter gucken". Das habe ich zwar nicht getan, doch es ist schon unfassbar, wie viele Menschen wirklich krank sind.

Michaela Boland: Wie bist du konkret gegen die Täterin vorgegangen?

Francisco Medina: Mit anwaltlicher Hilfe.

Michaela Boland: Gab es eine einstweilige Verfügung?

Francisco Medina: Ja. Ach, das bringt kaum etwas. Das hat alles irgendwie kaum Effekt. Das ist ja das Traurige, dass du dich gegen Stalker kaum wehren kannst. Das ist bei Frauen, die betroffen sind und sich gegen Männer zur Wehr setzen müssen, nochmal viel krasser. Das ist noch ein viel größeres Thema.

Michaela Boland: Kannst du nach deinen persönlichen Erfahrungen Menschen, die von anderen gestalkt werden, etwas raten?

Francisco Medina: Nicht darauf reagieren.

Michaela Boland: Du selbst hast zunächst reagiert.

Francisco Medina: Ja, weil ich damit wenig Erfahrung hatte und sie mir eine herzzerreißende Geschichte erzählt hat und ich einfach Trost spenden wollte. Aber, wenn du angeschrieben wirst, am besten nicht darauf einlassen und antworten. Denn sie wollen erst deinen kleinen Finger, doch dann wollen sie immer mehr und mehr. Zuerst behaupten sie, ein Gespräch am Telefon würde ihnen ausreichen, doch  es wird mehr und hört nicht mehr auf. Ich bin Leuten gegenüber gerne herzlich, doch man fängt irgendwann an, nicht mehr so herzlich zu sein, wenn man solche Erfahrungen gemacht hat.

Das ist schade, weil ich gerne offen bin. Doch einige Menschen interpretieren das leider fehl. Sie denken dann, dass man verliebt sei oder etwas von ihnen wolle. Ich habe interessanterweise immer viel Erfahrung mit Menschen gemacht, die sehr verwirrt sind. Anscheinend habe ich sie angezogen. Auch habe ich mich manchmal gefragt, ob ich vielleicht selbst verrückt bin, dass ich sie alle anziehe. Und die Antwort war definitiv "ja".

Doch der Hauptgrund liegt wohl eher darin, dass ich sehr viel Empathie für Menschen besitze, die schwärmen. Ich glaube, dass sie das spüren. Womöglich ist das auch der Grund dafür, dass ich eher jemanden wie Maximilian spielen kann, wobei ich natürlich auch Romeo spielen kann. Doch die vermeintlich dunklen Charaktere fallen mir vielleicht leichter, weil ich sie verstehe. Man kann jemanden nur darstellen, wenn man versteht, was er durchmacht. Wenn du die Leute, die du spielst, verurteilst, funktioniert es nicht.

Michaela Boland: Wie setzt du dich dann mit Rollen auseinander, die Charaktere beinhalten, für die man im wirklichen Leben eher gar keine Sympathie entwickeln könnte? Stichwort Mörder oder Vergewaltiger.

Francisco Medina: Du kannst immer unterscheiden zwischen dem Menschen und dem, was er tut. Das ist immer eine gute Möglichkeit, sich mit solchen Charakteren auseinanderzusetzen. Du hast in Jedem immer noch einen menschlichen Kern, eine Person und ein Wesen. Das kannst du anerkennen, du kannst dieser Person sogar Liebe geben. Doch du kannst trotzdem unterscheiden, dass das, was sie getan hat, absolut verurteilenswert ist. Das ist die Art und Weise, wie ich mich als Schauspieler solchen Figuren nähere. Ich habe Empathie für ihre Menschlichkeit und null Toleranz für das, was sie getan haben. So kriegst du da einen Fuß hinein.

Michaela Boland: Die Presse hat vor Kurzem ausführlich darüber berichtet, dass du jetzt aus der Serie ausscheidest. Ist das nur ein vorübergehender oder ein Abschied für immer?

Francisco Medina:  Ich glaube, das ist allen nicht so klar.

Michaela Boland: Du bist noch bis Ende Oktober zu sehen, doch wann war dein letzter Drehtag?

Francisco Medina: Mitte August.

Michaela Boland: Du hast geschildert, dass du  nun ein wenig Zeit für dich brauchst. Was genau hast du vor?

Francisco Medina: Das wandelt sich ständig. Das Hauptargument ist, mich weiterzuentwickeln. Noch etwas anderes sehen, etwas anderes erleben, etwas anderes sein, etwas anderes fühlen und etwas anderes erschaffen.

Michaela Boland: Wenn man in einem solch erfolgreichen Format mitwirkt, stellt dies zunächst auch eine gewisse finanzielle Sicherheit dar. War es insofern eine mutige Entscheidung, die Serie zu verlassen oder betrachtest du sie als rein konsequente?

Francisco Medina: Beides. Mutig und konsequent.

Michaela Boland: Wie siehst du die Entwicklung der derzeitigen Nachmittags- bzw. Vorabend-Unterhaltung im TV generell?

Francisco Medina: Das kann ich nicht beurteilen. Ehrlich gesagt sehe ich kaum fern. Eigentlich habe ich das mein Leben lang selten getan. Einen Fernseher habe ich mir erst geholt als ich bei `Alles was zählt ‘angefangen habe. Dann habe ich mir mal alles angeschaut, auch dieses Dschungelcamp und DSDS (Anm. d. Red.: Deutschland sucht den Superstar). Man kann sagen, dass ich mir vor sechs Jahren wirklich jede Show angesehen habe, die es so gibt.

Michaela Boland: Und dein Urteil?

Francisco Medina: Wenn man es sich einmal anschaut, ist es unterhaltsam. Doch beim zweiten Mal fängt es dann schon an, irgendwie langweilig zu werden. Deswegen kann ich es kaum beurteilen, denn ich habe vor drei Jahren eigentlich wieder damit aufgehört, Fernsehen zu schauen.

Michaela Boland: Ist das Gerät wieder weg?

Francisco Medina: Nein, ich habe den Fernseher noch, aber ich gucke nur Filme.

Michaela Boland: Was siehst du dir dann gezielt an?

Francisco Medina: Alles Mögliche. Was mir ebenso als DVD in die Hände fällt. Jetzt gerade habe ich zum Beispiel `Silver linings" geschaut. Ein großartiger Film.

Michaela Boland: Hast du das Gefühl, dass sich das Bild des Daily Soap-Formates generell in den letzten Jahren gewandelt hat?

Francisco Medina: Das weiß ich nicht. Ich glaube ja,  Bei mir auf jeden Fall. Ich habe viel mehr Hochachtung vor dem, was die Leute da machen. Ich weiß jetzt, dass du auch bei einem solchen Format ein sehr guter Schauspieler sein kannst. Als ich dort angefangen habe, waren tolle Schauspieler dabei und tolle Geschichten. Es war einfach insgesamt toll.

Michaela Boland: Wenngleich du selbst nicht viel Fernsehen schaust, hast du womöglich von den verhältnismäßig neuen Täglich- Formaten "Berlin Tag und Nacht" bzw. "Köln 50667" gehört, bei denen derzeit Laiendarsteller Traumquoten einspielen. Hast du vielleicht sogar schon einmal rein geschaut?

Francisco Medina: Ja, ich habe es mir nur leider nicht lange angesehen, weil ich es nicht aushalten konnte.

Michaela Boland: Wie erklärst du dir den Erfolg solcher neuen Formate?

Francisco Medina: Ich glaube, wir haben in Deutschland ein Problem: Wenn Laiendarsteller interessanter anzuschauen sind als Schauspieler, dann sollte man sich Gedanken darüber machen, woran das liegt. Ich kann zwar verstehen, warum die Leute sich diese Sendungen ansehen. Das hat wohl damit zu tun, dass sie sich wiedererkennen und dass diese Menschen so sind wie sie sind. Sie spielen zwar ganz grauenvoll, aber, sie müssen auch nicht spielen.

Denn im Endeffekt  sieht man ja, dass die Darsteller genauso sind, wie jene, die sie spielen. Das heißt, sie sind zu neunzig Prozent auch im wirklichen Leben so. Vielleicht sind jene Darsteller in ihrem schlechten Spielen authentischer als wir Schauspieler in unserem bemühten Spielen. Das sollte uns zu denken geben. Vielleicht sollten wir authentischer sein, dann würden die Leute auch wieder uns anschauen.

Michaela Boland: Sollte man also womöglich nur noch Persönlichkeitsschauspieler hervorbringen?

Francisco Medina: Nein, ich glaube es gibt einfach eine Sache, die Menschen lieben, fürchten, von der sie fasziniert sind und von der sie nicht genug kriegen können. Und das ist die Wahrheit. Anscheinend sind die Leute bei Berlin Tag und Nacht wahrhaftiger als die in so manch anderer Soap. Das ist eine ziemlich krasse Aussage, aber, es ist auch nur eine These, die ich aufstelle. Diese Darsteller sind in gewisser Weise authentisch, zwar nicht in ihrem Spiel, aber so wie sie sind.

Das müssen wir als Schauspieler auch sein. Wenn wir authentisch sind und authentische Geschichten erzählen, dann werden die Leute automatisch einschalten und zuschauen. Denn jeder will die Wahrheit wissen. Das ist der Grund, warum die Menschen ins Kino gehen. Sie gehen ja nicht nur dahin, um sich abzulenken und um eine gute Zeit zu haben, sondern, weil sie wissen wollen, wie man zu leben hat und wie Leben funktioniert.

Sie wollen von denjenigen, die Hoffnung haben, lernen, dass sie mit ihren Problemen zurecht kommen und ein besseres Leben haben. Das ist der einzige Grund, warum es Theater gibt. Es geht darum, die Wahrheit zu Tage zu fördern. Das ist das Spannendste, was du tun kannst, alles andere ist Sinn- und Belanglos und hat  meiner Meinung nach keinen Wert.

Michaela Boland: Siehst du das genauso im Hinblick auf die sogenannten gescripteten Reality-Formate, die mit normalen Komparsen für das Nachmittagsprogramm umgesetzt werden?

Francisco Medina: Ich bin nicht die Zielgruppe. Mich langweilt das total. Ich sehe da niemanden, mit dem ich mich identifizieren kann. Das wäre vielleicht anders, wenn ich da einen Typen sehen würde, der so wäre wie ich. Vielleicht würde ich es dann interessant finden.

Michaela Boland: Gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen den Menschen, die zu dir ins Theater kommen, um dich auf der Bühne zu sehen und denen, die dich regelmäßig auf dem Bildschirm verfolgen?

Francisco Medina: Ja, ich denke schon, dass es da eine unterschiedliche Klientel gibt. Aber schön ist, wenn die beiden sich immer wieder in das andere Medium verirren.

Michaela Boland: Du bist in Rostock, der ehemaligen DDR, geboren.1989 kam die Wende. Wie hast du diese Zeit damals als Kind erlebt?

Francisco Medina: Das war eine wichtige und spannende Zeit. Auch war sie sehr abenteuerlich und hat mich sehr geprägt. Ich stand an der Straße als Gorbatschow mit dem Auto vorbei gefahren ist. Ohne zu wissen, wer Gorbatschow war, habe ich ganz heftig eine Sowjet-Fahne geschwungen. Ich war sehr inspiriert und aufgebracht. Ich war vollkommen erfüllt, denn ich hatte mich nur im Unterricht damit beschäftigt, dass das ein Mann war, der Gutes tun und Gerechtigkeit bringen wollte. Das hat mir damals sehr imponiert.

Michaela Boland: Ist man dir zu irgendeinem Zeitpunkt in Westdeutschland einmal mit Ressentiments entgegengetreten, wenn bekannt wurde, dass du aus dem Osten des Landes kommst?

Francisco Medina: Nein,  denn die meisten wissen ja  nicht, dass ich aus Ostdeutschland komme. Aber, interessant ist natürlich, wenn man mit Leuten unterwegs ist und die schimpfen dann über Ossis und man sagt dann, "übrigens, ich bin auch..." Es wird immer Vorurteile geben.

Michaela Boland: Du entstammst einer Künstlerfamilie, deine beiden Eltern sind politische Emigranten aus der chilenischen Pinochet-Diktatur. Wie ist deine Familie damit umgegangen?

Francisco Medina: Meine Eltern haben mir schon ein bisschen darüber erzählt, allerdings nicht viel. Es war natürlich ein großes einschneidendes Erlebnis und der Grund dafür, warum meine Eltern damals geflüchtet sind. Es war viele Jahre ein wichtiges Thema, über das aber kaum gesprochen wurde. Ich glaube, dass man an einer solchen Erfahrung sehr wächst.

Als Familie und auch als Mensch. Deswegen ist es ja auch so, dass die interessantesten Theatermacher,  die es in Europa gegeben hat, diejenigen sind, die nach dem Krieg die erste Generation war. Weil die einfach wussten, warum sie taten, was sie taten. Die waren einfach am nächsten dran. Man muss im Grunde ja auch heute nicht weit gehen, um zu sehen, wie es auf der Welt bestellt ist. Daher glaube ich auch ganz fest, dass es demnächst einen großen Wechsel geben wird.

Michaela Boland: Welcher Art?

Francisco Medina: Die Gesellschaft wird sich in den nächsten Monaten oder Jahren verändern. Vielleicht zum Positiven, vielleicht auch zum Negativen, womöglich sogar zu beidem. Jedoch denke ich, dass wir in dieser Gesellschaft, die so oberflächlich und weltfremd ist, nicht so weiterleben können. Es geht nicht, dass wir mit genau dem Lifestyle, den wir haben, so weiter existieren können. Dafür sind wir zu wenige und viele Laien. Das kann nicht gut gehen.

Wenn wir unseren Lebensstandard und unseren Reichtum nicht dafür einsetzen, um die Lebensverhältnisse aller Menschen zu verbessern, wird es ein böses Erwachen geben. Diese ganze Aktienblase war doch nur so ein Vorausbote. Es ist doch ohnehin absurd, dass Menschen Geld damit verdienen, Dinge zu verschachern oder irgendwelche Papiere hin und her zu transferieren. Das braucht man gar nicht. Es gibt viel elementarer Dinge, die wir benötigen. Daher glaube ich ganz fest daran, dass es zu einem Wechsel kommen wird.

Michaela Boland: In welcher Weise wird sich diese Veränderung deiner Meinung nach vollziehen? Denkst du an einen sich von unten nach oben vollziehenden Wechsel im Sinne einer Revolution?

Francisco Medina: Ich weiß es nicht, könnte mir aber vorstellen, dass es von beiden Seiten passiert. Von oben nach unten und unten nach oben. Es wird einfach die Notwendigkeit gegeben sein. Es gibt zu viel Leid. Zwar gibt es auch sehr viele schöne Dinge, doch leider auch viel zu viele Sachen, die so nicht akzeptabel sind.

Michaela Boland: Du selbst tust bereits etwas, denn du bist in verschiedenen Hilfsprojekten engagiert. Was genau machst du da?

Francisco Medina: Die Thomas-Engel-Stiftung hat ein Projekt mit Aidskranken Waisen in Swasiland. Dort will ich hinfahren und die Kinder besuchen. Ich möchte dort mit einem Freund einen kleinen Film drehen und versuchen, mit dieser Dokumentation ein wenig Geld für die Kinder zu akquirieren.

Michaela Boland: Mit dem Filmen beschäftigst du dich somit auch aktiv. War dein Weg in die Schauspielerei durch den familiären Background eigentlich vorgezeichnet oder hätte durchaus auch etwas anderes in Frage kommen können?

Francisco Medina: Ich glaube, nein.

Michaela Boland: Du hast auch Tanztheater-Erfahrung und kannst steppen. Kannst du bei all deinen Fertigkeiten wie der Schauspielerei auf der Bühne, vor der Kamera, dem Regieführen oder dem Tanzen benennen, wo deine Präferenzen liegen?

Francisco Medina: Ich glaube, dass das, was du da gerade aufzählst, alles vorbei ist. Jedenfalls könnte ich mir das vorstellen. Ich denke, dass das, was jetzt kommen wird, mir am meisten Spaß machen wird. Und was das sein wird, das weiß ich, ehrlich gesagt, noch nicht. Ich könnte mir auch vorstellen, gar nicht mehr zu spielen.

Michaela Boland: Du scheinst sehr offen zu sein für das, was jetzt auch immer kommen mag?

Francisco Medina: Ja, total.

Michaela Boland: Man trifft verhältnismäßig selten auf Menschen, die Menuett tanzen können. Ich las, dass du es kannst. Muss man das beherrschen, wenn man bei dir auf eine Party eingeladen wird?

Francisco Medina: Oh Gott, wo hast du das denn her?  Ich habe tatsächlich Menuett an der Schule in Rostock gehabt, aber ich bin aus dem Unterricht rausgeflogen. Da hat die Lehrerin, die mich sehr liebte und die einfach toll war, zu mir gesagt, "alles, nur nicht Menuett, das ist nicht deine Kultur. Du wirst es einfach nie kapieren. Es ist, als ob ein Indianer aus dem Dschungel kommt. Das ist total absurd. Bitte nicht". Das war eben wirklich einfach nicht meine Kultur. Die Musik ist schön, doch der Tanz ist irgendwie künstlich.

Michaela Boland: Im Rahmen eines Liveprogrammes mit dem Titel "Hungrig", welches in gewissen Abständen in unterschiedlichen Städten stattfindet, stellst du jetzt regelmäßig hoffnungsvolle, bereits preisgekrönte  junge Instrumentalisten vor. Was hat es damit auf sich?

Francisco Medina: Das ist einfach etwas, was ich just for fun tue. Da mache ich einen Abend mit jungen Solisten, die ein tolles Instrument beherrschen und vielversprechend sind. Die spielen dann ein bis zwei Stücke. Etwas Klassisches und etwas Modernes. Die eine oder andere Nummer machen sie dann auch mit mir zusammen und ich werde durch den Abend führen und zwischendurch auch meinerseits ein paar Gedichte, Geschichten, Anekdoten und Lieder zum  Besten geben.

Ich mache das jetzt zum dritten Mal. Das macht Spaß und vielleicht kann ich durch meinen Namen und das Fernsehen ein paar Leute dazu motivieren, da hin zu gehen Dann entdecken sie vielleicht klassische Musik oder ein paar neue Künstler für sich. Ich selbst schätze klassische Musik mit den Jahren auch immer mehr.

Michaela Boland: Hast du an der Hochschule auch ein Instrument erlernt?

Francisco Medina: Nein. Ich aber habe als Schüler mal E-Gitarre in einer Rockband gespielt. Das war cool. Aber das Liveprogramm mache ich einfach aus Spaß. Ich glaube, wenn einem etwas Spaß macht und man es mit anderen Leuten tut, die auch Spaß daran haben, ist das immer etwas, das unterhaltend sein kann. Und vor allem ist es etwas mit tollen Texten, tollen Liedern und tollen Musikstücken.

Das ist einfach etwas, wo du raus gehst und als Zuhörer inspiriert bist und auch etwas mitnimmst. Das Schönste ist immer, wenn Leute dir anschließend sagen, "ich habe noch zwei Tage über den Text nachgedacht, den sie vorgetragen haben". Das sind entweder sehr nachdenkliche oder leidenschaftliche Texte. Es geht um Liebe, um den Tod oder um das Erwachsen werden. Das finde ich ganz gut.

Michaela Boland: Wo rekrutierst du die neuen Talente?

Francisco Medina: Das macht Armin Hupp. (Anm. d. Red.: ah-promotion.de ) Er hat da so ein Auge für, entdeckt sie und bringt sie dann alle zusammen.

Michaela Boland: Sind das immer dieselben jungen Leute oder jedes Mal andere?

Francisco Medina: Es sind immer unterschiedliche Leute. Beim nächsten Mal sind es Künstler aus der Region, in der der Abend stattfindet. Beim letzten Mal war ein ganz toller Künstler namens Tristan dabei. Er kam aus London, hat eine ganz spezielle Orgel selbst gebaut und spielt darauf seine eigenen Popsongs.

Michaela Boland: Wie alt sind die Künstler im Durchschnitt?

Francisco Medina: Zwischen 16 bis Ende 20 oder Mitte 30.

Michaela Boland: Warum heißt das Programm "Hungrig"? Geht es um den Hunger auf Erfolg?

Francisco Medina: "Hungrig" war der ursprüngliche Titel eines Programmes, das ich vor Jahren einmal gemacht habe, oder immer wieder mal mache. "Hungrig bin ich" ist nämlich der Titel von einem Liebesgedicht von Pablo Neruda. Da beschreibt er die Frau, die er liebt, wie Nahrung. Armin hat das wohl einfach mal weiter verwendet.

Michaela Boland: Du wünschst dir eine Familie. Gibt es zwischenzeitlich eine Liebe in deinem Leben?

Francisco Medina: Nein. Aber, ich gucke auch gar nicht so sehr.

Michaela Boland: Sind dir als TV-Star regelmäßig viele Herzen zugetan?

Francisco Medina: Ich kriege das, ehrlich gesagt, gar nicht so mit. Viele Angebote blende ich wohl aus. Bin aber gerade mit anderen Dingen beschäftigt und null Komma null auf der Suche.

Michaela Boland: Du hast erwähnt, dass du gerne Vater werden möchtest. Ist das noch so?

Francisco Medina: Ja. Ich hätte schon Lust, Vater zu werden. Das kann ich mir gut vorstellen, das würde Spaß machen.

Michaela Boland: Was liest du derzeit?

Francisco Medina: Ich lese gerade "Heirate dich selbst" von Veit Lindau. Und ein weiteres Buch über Meditation von diesem Mönch, Ricard. Außerdem noch ein Buch über basische saure Ernährung.

Michaela Boland: Achtest du auf deine Ernährung?

Francisco Medina: Ja. Ich achte zumindest darauf, mich so zu ernähren wie mein Vater sich sein Leben lang ernährt hat. Nämlich von viel Gemüse, Obst, Nüssen und Fleisch. Er ist Sohn eines Bauern und kommt vom Land. Ich versuche, diesen ganzen Müll zu meiden und ich gönne mir nur ab und zu mal Fleisch, auch aus Gründen der Massentierhaltung. In was für einer Zeit leben wir? Betrachtet man nur mal das Fernsehen. Es geht doch nur darum, die Menschen still zu halten.

Mit Zucker, mit Drogen in Form von Fernsehen, in Form von Nahrung, damit ein paar entscheiden können, was auf der Welt passiert. Darum geht es im Grunde genommen. Ich versuche mich da einfach raus zu halten, um einen gesunden klaren Geist und einen gesunden Körper zu haben. Ich glaube, das geht Hand in Hand.

Auch denke ich, dass du nur so Weiterentwicklung erreichst, indem du dich von allem fern hältst, was dein Leben beeinträchtigt. Ich trinke auch schon mal Cola oder erlaube mir mal Eiscreme oder esse Süßigkeiten, aber ich tue es dann mit einem guten Gefühl und mache es bewusst. Es geht nicht einfach nur um gutes Aussehen  oder darum, sich gut zu fühlen, sondern es geht um eine ganze Lebensweise.

Michaela Boland: Lieber Francisco, für alle anstehenden Projekte, die nun kommen mögen, viel Glück und herzlichen Dank für dieses Gespräch.

 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

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